Frankenthal Behinderten fehlen Wohnungen
Für körperlich und geistig behinderte Menschen gibt es in Frankenthal nicht genügend geeignete Wohnungen. Besonders dringend sei der Bedarf bei Personen über 45 Jahre, die nicht mehr im Haushalt von Eltern oder Geschwistern leben können. Das erläuterte der Ludwigshafener Sozialplaner Thomas Schneider vom Eingliederungshilfeverbund Vorderpfalz im Ausschuss für Familie und Soziales.
Der Verbund, dem die Städte Ludwigshafen, Speyer und Frankenthal sowie der Rhein-Pfalz-Kreis angehören, habe einen Experten zu künftigen Wohnbedarfen von Menschen mit Behinderung befragt. Das Ergebnis: Bei 86 von 185 Personen ergebe sich in den nächsten zwei bis drei Jahren eine Änderung der Wohnsituation. In Frankenthal werde in sieben der erfassten 22 Fälle ein kurzfristiger Veränderungsbedarf gesehen. Schneider plädierte für neue barrierefreie Wohnformen, vorzugsweise in kleineren Einheiten, und für den weiteren Ausbau ambulanter Versorgungsstrukturen. Auf die Frage von Gerhard Bruder (Grüne/Offene Liste), ob es in Frankenthal genügend Kapazitäten gebe, verwies Bürgermeister Andreas Schwarz (SDP) auf die angespannte Immobiliensituation. „Die gemeinsame Suche nach geeigneten Objekten ist am Laufen“, ergänzte Torsten Bach, Leiter des Bereichs Familie, Jugend und Soziales. Ein Konzept und ein möglicher Träger seien vorhanden. Zu der von Aylin Höppner (SPD) thematisierten Unterbringung in Gastfamilien gab Thomas Schneider zu bedenken, dass eine solche Lösung nicht für alle Fälle passe. Während Ulrich Pender (Linke) die Versäumnisse im sozialen Wohnungsbau ansprach, kritisierte Franz-Josef Lutz (CDU), dass das Problem seit drei Jahren nur vor sich hergeschoben werde. Einstimmig bewilligte der Ausschuss dem Pfälzischen Verein für Soziale Rechtspflege, der in Frankenthal Strafentlassene betreut, einen Zuschuss von 8100 Euro. Die Finanzspritze für den Verein „Frauen für Frauen“ bemisst sich an den nachgewiesenen ungedeckten Kosten und beträgt auch in diesem Jahr maximal 30.000 Euro. Eine „freiwillige Sonderfinanzierung“ von 35.000 Euro ist Teil des städtischen Zuschusses, den das Diakonische Werk Pfalz für die Schuldnerberatungsstelle erhält. Diese Summe wird seit 2015 aufgrund der angespannten finanziellen Lage des Trägers gezahlt. „Ist inzwischen Ruhe eingekehrt, nachdem die Stadt den Rettungsring geworfen hat?“, wollte Gerhard Bruder wissen. Laut Andreas Schwarz bestehe derzeit keine Gefahr. Er verwies auf Signale aus Mainz, den Anteil des Landes aufzustocken. Dieser beläuft sich im Jahr 2018 auf 40.875 Euro. Die Beratungsstelle beziffert ihre jährlichen Gesamtkosten auf 140.000 Euro. Den auf 35 Prozent festgelegten kommunalen Anteil (49.000 Euro) teilen sich die Stadt Frankenthal und der Rhein-Pfalz-Kreis entsprechend des Verhältnisses der Beratungsfälle (2017: 483). Mit 40.582 Euro (82,8 Prozent) entfällt dabei der größere Brocken auf Frankenthal. Unter Anrechnung des Beitrags der Sparkasse Rhein-Haardt von 14.800 Euro verbleiben als echter Zuschuss 25.782 Euro. Dieser addiert sich mit der Sonderzuwendung von 35.000 Euro auf 60.782 Euro.