Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Bürgerbeteiligung im Pilgerpfad: Der große Wurf baucht noch Zeit

Setzte bunte Farbtupfer auf dem Jakobsplatz: der Gemeinschaftsgarten.
Setzte bunte Farbtupfer auf dem Jakobsplatz: der Gemeinschaftsgarten.

Tag der Nachbarschaft gibt IG Pilgerpfad Rückenwind: Wünsche fürs Quartier werden geäußert. Es gibt viele Fragen an die Stadt

Der bundesweite Tag der Nachbarschaft war für die Interessengemeinschaft (IG) Pilgerpfad ein willkommener Anlass, ihre Wünsche für die künftige Entwicklung des Wohnquartiers anzumelden und dem Dialogprozess zwischen Bürgern und Verwaltung neue Impulse zu geben.

High Noon auf dem Jakobsplatz. Die pralle 12-Uhr-Sonne kennt keine Gnade. 30 Grad und nirgends ein schattiges Plätzchen in Sicht. Als bunte Farbtupfer ins Auge stechen 13 mit viel Fantasie bemalte Holzkisten, deren Innenleben förmlich darauf zu warten scheint, dass sich ein freundlicher Mensch mit einer Gießkanne ihrer erbarmt. Noch lässt die Eröffnung dieses so symbolträchtigen Gemeinschaftsgartens auf sich warten. Doch die Nutzpflanzen – vorwiegend Erdbeeren, Schnittlauch, Johannisbeeren und Thymian – sind robust und halten durch. Die zu Sitzflächen gestapelten Paletten daneben bleiben leer.

Derweil schart sich ein paar Meter weiter ein Grüppchen von rund 20 interessierten Bürgern um Pinnwände, die mit beschrifteten Klebezetteln in vielen Farben dekoriert sind. Am Rednerpult kommt Oberbürgermeister (OB) Nicolas Meyer (FWG) allmählich ins Schwitzen, sieht er sich doch mit einer ganzen Reihe brennender Probleme – überwiegend aus dem Themenkomplex ruhender und fließender Verkehr – konfrontiert. Die Bewohner müssen erkennen, dass es nur in kleinen Schritten vorwärts geht und der Turbo für den Pilgerpfad noch nicht erfunden ist. „Bis der große Wurf kommt, wird es noch eine Weile dauern“, lässt der OB verlauten und wirbt um Verständnis, dass stets das gesamte Stadtbild im Auge behalten werden müsse.

Finden Ideen gehör?

Wie geht es nach dem Ausstieg aus dem Förderprogramm „Sozialer Zusammenhalt – soziale Stadt“ nun weiter? Die Pilgerpfädler legen gesteigerten Wert auf eine Information, ob in den bis zum 26. Juni einzureichenden Antrag für das Modellvorhaben „Innenstadt-Impulse“, mit dem niederschwellige Projekte gefördert werden, auch ihre Vorschläge und Ideen Eingang finden.

Und daran herrscht wahrlich kein Mangel, zumal es sich nicht um den ersten Beteiligungsprozess handelt und einiges wieder aus der Schublade geholt werden kann. Auf der Wunschliste ganz oben stehen attraktive Geschäfte, einladende Gastronomie und wenigstens einmal im Monat ein Markt. Gefordert wird von den Bewohnern außerdem ein Durchfahrverbot für Autos auf dem Jakobsplatz, saubere Toiletten, neue Spielgeräte sowie ein Absenken der Bordsteine für Rollstuhl- und Rollatorfahrer. Was den Menschen noch fehlt: eine Begegnungsstätte für Jung und Alt, um das Verständnis füreinander zu fördern.

Inhaltlich betrachtet ist der von der IG Pilgerpfad organisierte Aktionstag – so der allgemeine Tenor – trotz der ungünstigen Uhrzeit und der Hitze recht gut gelaufen. Allein der Stand der evangelischen Kirchengemeinde mit den kunstvollen Handarbeiten von Kerstin und Frank Schmidt hätte mehr Zuspruch verdient gehabt. Auch bei den vom Kaffeemobil zum Nulltarif offerierten Waffeln war die Nachfrage eher gering.

IG in Vermittlerrolle

Neue Ideen für das Quartier entwickeln und die Leute zu beteiligen – so bringt es IG-Sprecherin Gisela Werle-Schneider auf den Punkt. „Wir sehen uns in einer Vermittlerrolle zwischen Bevölkerung, Stadtverwaltung und lokalen Akteuren“, erklärt sie gegenüber der RHEINPFALZ. Sie sieht realistische Chancen, auf dem Jakobsplatz und der Pilgerwiese kurzfristige Maßnahmen umzusetzen, wobei eine enge Zusammenarbeit mit dem Quartiersmanagement angestrebt wird.

Mit dieser Aufgabe ist Siba Said von der Stabsstelle Strategie, Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung betraut. Die promovierte Fachfrau wird in Kürze einen vom Jugendcafé abgetrennten Büroraum beziehen und als Ansprechpartnerin zur Verfügung stehen. Die IG Pilgerpfad spielt mit dem Gedanken, dort auch mit Einverständnis der Stadt ihre monatlichen Treffen zu veranstalten, da das gegenwärtig genutzte Jugendcafé nur in den für Berufstätige ungünstigen Vormittagsstunden belegt werden kann.

Und was geschieht mit dem Gemeinschaftsgarten auf dem Jakobsplatz? Die Holzkisten werden – ergänzt um zehn weitere, die noch nicht bemalt sind – im Wohngebiet verteilt. Allerdings kommen nach Auskunft von Siba Said nur solche Standorte in Frage, an denen auch eine Gießpatenschaft übernommen wird.

Kontakt:

Die Interessengruppe (IG) Pilgerpfad ist per E-Mail zu erreichen: ig-pilgerpfad-26@gmx.de.

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