Kleinniedesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ausstellung im Schloss Kleinniedesheim: Bilder aus den Schwesterstädten

„Heuernte an der Haardt“, eine Arbeit von Heinz Schifferdecker (Öl auf Leinwand) von 1926.
»Heuernte an der Haardt«, eine Arbeit von Heinz Schifferdecker (Öl auf Leinwand) von 1926.

„Von beiden Seiten des Rheins – Malerei und Graphik“ lautet der Titel der Ausstellung, die ab Sonntag im Kleinniedesheimer Schloss zu sehen ist.

Kurator Oliver Bentz hat dafür bekannte und weniger bekannte Künstler ausgewählt, die einen Bezug zu den Schwesterstädten Mannheim und Ludwigshafen hatten.

Eine Gemeinsamkeit haben alle Werke: Ihre Schöpfer sind inzwischen nicht mehr unter uns. Ihre Arbeiten hängen in öffentlichen und privaten Räumen oder sind versteckt, vergessen in Archiven. Die Arbeiten, die Oliver Bentz präsentiert, sind Leihgaben von Kunstsammlern wie ihm selbst. Für diese Ausstellung hat er Kunstschaffende ausgewählt, die in Ludwigshafen oder Mannheim geboren wurden, aufgewachsen sind oder hier lebten und arbeiteten – das zweite Merkmal der Exponate. „Stilistisch und thematisch ist es eine weit gefächerte Schau“, betont Bentz in einer Pressemitteilung. Das heißt, vom Porträt über Stillleben, Landschaften reichen die Motive, die im Stil ihrer Zeit realistisch, impressiv oder sogar abstrakt dargestellt sind. Zu sehen sind Arbeiten von Senta Geissler, Rudi Baerwind, Karl Stohner, Otto Hodapp, Walter Stallwitz und vielen anderen.

Illustrationen zur Literatur

Der bekannteste Künstler ist wohl der Neuhofener Otto Ditscher (1903-1987), der nach einer Malerausbildung in Ludwigshafen in München Kunst studierte und viele Reisen unternahm. Als Junge begleitete er übrigens Heinz Schifferdecker, der auch in der Ausstellung vertreten ist, in die Natur, hielt ihm beim Malen den Schirm. Neben Stillleben, Porträts und Landschaften finden sich laut Vita in seinem Werk auch abstrakte Formen, informelle Gemälde und Collagen. Besonders zu erwähnen sind seine Illustrationen zur Literatur. Der Kunstpreis für Buchillustration des Rhein-Pfalz-Kreises trägt deshalb auch seinen Namen.

Auch Albert Haueisens (1872-1954) Name ist mit einem Preis verbunden, und zwar zur Förderung lokaler Künstler, gestiftet von der Stadt Germersheim. Sein Vater war Chefingenieur der BASF, sodass Haueisen in Ludwigshafen seine Kindheit und Jugend verbrachte. Ein Künstler, dem, so der Speyerer Kunsthistoriker Clemens Jöckle, es durch seinen frühen Tod nicht vergönnt war, „den Platz in der Kunstgeschichte zu erhalten, der ihm gebührt“, ist Heinz Schifferdecker, 1889 in Ludwigshafen geboren. Er sollte den väterlichen Malerbetrieb übernehmen, machte eine Malerlehre und ließ sich zum Dekorationsmaler ausbilden. Doch dann studierte er Kunst an der Karlsruher Akademie – ohne Unterstützung der Eltern. Im Ersten Weltkrieg verlor er ein Auge, genesen richtete er sich im Mannheimer Schloss ein Atelier ein und arbeitete dort bis zu seinem frühen Tod 1924. Seine Motive waren Aktdarstellungen, Porträts, Stillleben und Landschaften. Im Kleinniedesheimer Schloss ist seine Arbeit „Heuernte an der Haardt“ zu sehen – ein Spätwerk, das wie eine Momentaufnahme wirkt, die weniger die Details festhält. Man spürt die Hitze, das Flimmern der Sonne und den feinen Staub aus Pflanzenresten und Erde.

Landschaften und Industriemalerei

Elisabeth Bieneck-Roos kam durch ihren Ehemann, einen Chemiker, nach Mannheim. Nach dem Abitur wollte sie Biologin werden, brach aber nach zwei Semestern ab und studierte in Stuttgart Graphik und Malerei. Nach Landschaften, Blumenstillleben und Porträts wandte sie sich der Industriemalerei zu. Produktionsprozesse, aber auch moderne Roboter faszinierten sie.

Ein Leben lang ist der gebürtige Ludwigshafener Rudolf Kortokraks (1928-2014) der realistischen Malerei treu geblieben, heißt es von ihm. In der Ausstellung findet sich ein Selbstporträt in Pastellfarben, seinem bevorzugten Malmittel, bewusst entgegen den Trends zu Öl und Acryl – man sieht einen wachen Menschen, der genau, vielleicht mit leicht spöttischem Blick hinsieht. Geboren in Ludwigshafen, kam er bereits mit 14 Jahren an die Kunstschule in Graz. Seine Eltern waren Kommunisten, mussten zeitweise untertauchen. Sein Leben war schillernd, er war Europäer, hatte verschiedene Wohnsitze und war unter anderem Assistent von Oskar Kokoschka. Über ihn hat Oliver Bentz einige spannende Geschichten und Anekdoten parat. Vielleicht lässt er ja bei der Vernissage am Sonntag das Publikum ein klein wenig daran teilhaben?

Die Ausstellung

Die Ausstellung „Von beiden Seiten des Rheins – Malerei und Graphik“ wird am Sonntag, 14. September, 11 Uhr im Schloss Kleinniedesheim eröffnet. Zu sehen ist sie bis 5. Oktober, jeweils sonntags von 13 bis 17 Uhr.

Bildnis einer unbekannten Dame aus Mannheim von Otto Ditscher.
Bildnis einer unbekannten Dame aus Mannheim von Otto Ditscher.
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