Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Asiatische Hornisse: „Riesenproblem für Bevölkerung und Biodiversität“

Offizieller Wespen- und Hornissenberater der Stadt: Alexander Hüter.
Offizieller Wespen- und Hornissenberater der Stadt: Alexander Hüter.

Auch in Frankenthal ist die Asiatischen Hornisse heimisch– die Stadt gilt inzwischen als Hotspot. Was im Umgang mit der Art wichtig ist, erklärt Experte Alexander Hüter.

Herr Hüter, woran können Laien die Asiatische Hornisse sicher von der europäischen Hornisse unterscheiden?
Die Asiatische Hornisse ist ungefähr gleich groß wie die Europäische Hornisse. Aber ihr Körper ist fast komplett schwarz – also Brust, Oberkörper und Kopf. Dazu kommen die auffallend gelben und langen Beine. Das sind die markanten Merkmale.

Gibt es auch Unterschiede bei den Nestern?
Ja. Die Europäische Hornisse baut ihre Nester gerne in alten abgestorbenen Bäumen, Baumstümpfen oder auch mal in einem alten Schuppen. Die Asiatische Hornisse dagegen baut ihre großen Nester meist frei hängend in Bäumen.

Kann man die Unterschiede auch von außen am Nest erkennen?
Tatsächlich auch ganz gut. Bei der Europäischen Hornisse liegt das Einflugloch unten, bei der Asiatischen Hornisse seitlich. Das ist ein gutes Unterscheidungsmerkmal.

Wie stark ist die Asiatische Hornisse aktuell in Frankenthal verbreitet?
Frankenthal ist inzwischen ein Hotspot. Die Hornisse ist im gesamten Stadtgebiet und den Vororten flächendeckend vertreten. Es gibt praktisch keine Ecke, wo sie nicht vorkommt.

Hat sie hier schon natürliche Feinde?
Nein, direkte Feinde gibt es bislang nicht. Wenn Nester allerdings angestochen, also beschädigt, und die Tiere geschwächt sind, dann gehen Vögel irgendwann an die Nester, pflücken sie auseinander und bedienen sich an den restlichen Larven, die noch drin sind.

Wie werden die Nester bekämpft?
Mit einer Lanze werden die Nester angestochen und mit Aktivkohle vergiftet. Das hat den Vorteil, dass die Nester hängen bleiben können. Die Vögel bedienen sich später an den Nestern, ohne vergiftet zu werden. Insektizide kommen nicht zum Einsatz. Im Winter werden die Nester von Vögeln zerrupft und wie ein großer Meisenknödel genutzt.

Welche Folgen hat die Ausbreitung der Hornisse für Honigbienen und andere Bestäuber?
Die Asiatische Hornisse ist wie alle Wespenarten auf Jagd angewiesen. Ihre Hauptnahrungsquelle sind Honigbienen, aber auch alle anderen bestäubenden Insekten. Sie frisst alles, was Flügel hat: Wildbienen, Hummeln, Falter, andere Wespen und sogar andere Hornissen stehen auf ihrer Speisekarte. Für die Biodiversität ist das ein großes Problem.

Was kann man im eigenen Garten tun, um eine Ansiedlung zu erschweren?
Viel kann man leider nicht tun. Wichtig ist, die sogenannten Primärnester zu entdecken und zu beseitigen. Ab April, Mai baut die Hornissenkönigin kleine Nester, oft so groß wie ein Handball – gerne in Vogelhäusern, Carports oder Schuppen. Wenn die groß genug sind, entsteht daraus später das Sekundärnest im Baum, das bis zu einem Meter Durchmesser haben kann. Je früher man die kleinen Nester entfernt, desto besser, damit die großen Nester gar nicht erst entstehen.

Wie kann man helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen? Wie gehe ich vor, wenn ich ein Nest entdecke?
Wenn man ein oder mehrere Tiere sieht, lohnt es sich zu beobachten, wohin sie fliegen. Findet man ein Nest, sollte man es unbedingt melden – entweder bei mir direkt anrufen, bei der Unteren Naturschutzbehörde oder auch der Feuerwehr. Nur so lassen sich die Nester gezielt bekämpfen und die Anzahl der Hornissen eindämmen. Die Asiatische Hornisse ist da, und sie wird bleiben. Wir müssen lernen, mit ihr umzugehen – und das heißt vor allem: Nester konsequent melden und entfernen.

Mit welchen Kosten muss man bei einer Entfernung rechnen?
Das mit den Kosten ist natürlich immer schwierig. Leider nutzen manche Schädlingsbekämpfer die Situation aus und verlangen über 1000 Euro – das ist völlig übertrieben. Wir versuchen, die Kosten so gering wie möglich zu halten. Realistisch muss man aber mit etwa 250 Euro rechnen.

Sie haben kürzlich den Naturschutzpreis erhalten. Wie haben Sie das erlebt?
Ich habe mich sehr über die Nominierung gefreut. Der Kampf gegen die Asiatische Hornisse ist seit Jahren auch eine ehrenamtliche Arbeit für mich. Der Preis zeigt, dass das Thema in der Gesellschaft angekommen ist, akzeptiert wird und meine Arbeit anerkannt wird. Lange wurde es niedergeredet, inzwischen ist klar, dass wir ein echtes Problem haben. Und das ist einfach sehr wichtig.

Wünschen Sie sich von Politik und Behörden mehr Aufmerksamkeit für das Thema?
Unbedingt. Es ist wichtig, dass die Politik erkennt, welches Riesenproblem da auf uns zukommt – auch mit Blick auf den Bevölkerungsschutz. Niemand möchte, dass beispielsweise ein spielendes Kind versehentlich in ein Nest greift.

Gab es schon besonders ungewöhnliche Fundorte für Nester?
Ja, die Nester können überall auftauchen: im Zwischenboden einer Garage, auf einem Balkon, in einem Kinderspielhaus oder sogar in einem Gullydeckel. Wir haben schon sämtliche Fundorte gehabt. Man muss wirklich die Augen offen halten.

Welche Rolle spielen Aufklärung und Schulungen?
Eine sehr große. In der Vorderpfalz ist schon viel Aufklärungsarbeit geleistet worden. Das sieht man, wenn man sich die Karte von Rheinland-Pfalz anschaut: In Frankenthal und Ludwigshafen wurden besonders viele Nester gemeldet und entfernt – gerade, weil die Bevölkerung mitarbeitet.

Gibt es für die Zukunft neue Bekämpfungsmethoden, die man einsetzen könnte?
Bislang nicht. Es wird viel ausprobiert, jeder sucht nach der Lösung, aber den Heiligen Gral haben wir noch nicht gefunden.

Zur Person

Alexander Hüter aus Studernheim ist passionierter Imker. Bei der Stadt ist er als offizieller Wespen- und Hornissenberater gelistet. In seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender des Imkervereins Frankenthal engagiert er sich intensiv für den Schutz und die Aufklärung rund um Bienen, Wespen und Hornissen. Er unterstützt bei Fragen zu Artenschutz, Umsiedlung von Insekten und allen Aspekten der Imkerei. Kontaktieren kann man Alexander Hüter per E-Mail an bienen.hueter.pfalz@gmail.com oder telefonisch unter 01520 3180359.

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