Frankenthal
„Adrenalinmagier“ Steve Waite sorgt für Staunen in Lux-Kinos
Steve Waite ist bekannt für seine Großillusionen und stuntartigen Entfesselungskünste, sei es unter Wasser in einer telefonhäuschenförmigen Zelle oder am brennenden Seil in luftiger Höhe, in der er sich an den Füßen gefesselt und in einer Zwangsjacke gefangen, befreien muss, bevor die Aufhängung durchzubrennen droht. Beide Inszenierungen sind Klassiker der Zauberkunst und wurden bereits von Houdini (1874-1926) in ähnlicher Form durchgeführt.
Steve Waite „kann“ aber auch humorvolle „Familienmagie“. In den Lux-Kinos zaubert er ganz „klassisch“ weiße Tauben und Karten aus dem Hut, verwandelt einfarbige Tücher in gestreifte, lässt ein Tuch ein dickes Seil durchdringen und verwandelt Wasser in trinkbare Alkoholika.
Gedanklich stark verbunden
Spektakulär ist die Mentalmagie: Ein Pärchen soll „getestet“ werden, wie stark ihre Verbindung sei. Der Clou: Sie bekennen kein Pärchen zu sein, macht aber nichts, vielleicht haben sie ja trotzdem eine Verbindung? Die beiden werden mehrere Meter auseinander auf der Bühne platziert. Waite gibt vor, ihre Energie aufzunehmen, tippt dem Mann auf den Handrücken. Die Frau am anderen Ende der Bühne spürt die Berührung. Das klappt auch mit einem Schütteln der Schulter. Dabei unterstreicht die Gestik und Klangkulisse den „magischen“ Moment.
Als Waite sich die „Frankenthaler Chippendales“ aus dem Publikum zusammensucht, wird laut gekichert. Auf einem Zettel sollen sie ihr Lieblingsreiseziel und -speise notieren. Theatralisch mit viel Mimik ordnet Waite die richtigen Notizen der entsprechenden Person zu. Auch hier sorgt eine Mischung aus Spannung und Ironie für Lacher, wenn der Magier vorgibt, Gedanken lesen zu können. Längst weiß ja das Zauberpublikum, dass sich hinter solchen Vorstellungen ein Trick verbirgt. Bloß welcher?
Für Staunen sorgt dann aber die „Rahmengeschichte“: Am Anfang der Show soll ein Mädchen aus dem Publikum eine angeblich gefährlich strahlende Kiste bewachen. Am Ende befindet sich in diesem Behältnis ein Duplikat eines Plakates, das live von einer Zuschauerin aus Zurufen des Publikums an einer Tafel erstellt wurde, inklusive stümperhaft gezeichnetem Bild eines Esels, der wie eine Mischung aus Totenkopf und Fuchs aussieht. Wie dieses Dokument in die Truhe gekommen ist, können sich die Zuschauer nicht erklären.
Rebellisches Fesselungsopfer
Sinn für Humor zeigt auch die „Familienversion“ der Entfesselungskunst: Steve Waite lässt sich auf einem Stuhl sitzend von zwei starken Männern an den Händen fesseln. Einer der Männer, tätowiert, muskulös, groß, mit ernstem Blick wird dazu aufgefordert stark zu ziehen und alles zu kontrollieren. Als die gefesselten Hände aber durch eine Jacke bedeckt werden, gestikuliert der Magier mit einer Hand oberhalb der Jacke, um noch genauere Anweisungen zu geben. Das Spielchen wiederholt sich mehrmals: Jacke weg, Hände gefesselt, Jacke drauf, eine Hand frei. Das Publikum lacht über das rebellische „Fesselungsopfer“ und den fassungslosen Blick der Männer.
Waite nutzt außerdem die Vorteile der Kinotechnik: Über ein Projektionsverfahren zeigt er Close-up Kartentricks auf der Großleinwand und Ausschnitte aus seinem Auftritt bei „Joko und Klaas – das Duell um die Welt“. Im Auftrag des Senders Pro Sieben leitete er Wilson Gonzales Ochsenknecht an, sich in zwölf Metern Tiefe unter Wasser aus einer Zwangsjacke zu befreien. Weltrekord. Fünf Minuten musste der Schauspieler dazu die Luft anhalten!
Jonglieren mit Fußbällen
Doch auch Waite selbst ist andernorts stuntmäßig aktiv: Im Kaiserslauterer Weihnachtszirkus zeigte er seine Entfesselung am brennenden Seil. Das geht im Kinosaal natürlich nicht! Dafür hat er aus diesem Zirkus Giovanni Weisheit, Sänger und Artist, „mitgebracht“. Er jongliert Fußbälle vor einer Stadionkulisse und singt mit ausdrucksvoller Stimme seinen Song „We Were like Fire“. Waite plant nochmals im Zirkus aufzutreten, bevor er auf einem Kreuzfahrtschiff aufbricht. Und dann vielleicht auch wieder ins heimische Lux Kino zurückkehrt, wo er bereits vor 25 Jahren die Mitternachtspremiere von Harry Potter begleitete. Lebendiges Kino sozusagen!