Hockey
65. Geburtstag: Heiner Dopp darf am Sonntag feiern
Eigentlich war Heiner Dopp viel zu spät dran. Mit elf Jahren sei er erst in den Verein eingetreten, erzählt er. „Da hätte man heute keine Chance mehr. Es sei denn, man ist sehr sportlich und hat sehr viel Talent“, sagt Dopp. Der Vorteil des kleinen Heiner: Sein älterer Bruder Helmut, selbst später Bundesligaspieler in Frankenthal, hatte ihm bis dahin schon alles beigebracht.
Und auch selbst habe er sich einiges beigebracht auf dem Hof des Weinguts der Eltern. Dort habe er schlenzen und dribbeln geübt. „Anstelle von Hütchen habe ich leere Weinflaschen aufgestellt“, erinnert er sich. Keine einzige sei bei seinen Übungen kaputt gegangen. „Ich hatte dabei ja keinen Druck. Daher ist mir das leichter gefallen.“
Erste Anlaufstation: Dürkheimer HC
Geboren wurde Heiner Dopp am 27. Juni 1956 in Bad Dürkheim. Klar, dass seine erste Anlaufstation der Dürkheimer HC war. „Die internationale Karriere hatte ich anfangs nicht so im Blick“, erzählt Dopp. Doch im Alter von 13 Jahren sei er bei der süddeutschen Meisterschaft im Hallenhockey als Zuschauer gewesen und habe dort die alten Asse der TG Frankenthal wie Kurt Decher und Peter Trump gesehen. „Da habe ich gedacht: Mein Gott, spielen die gutes Hallenhockey. Da muss ich richtig Gas geben.“
Gedacht, getan. Mit 15 war Dopp im Kreis der Jugendnationalmannschaft angekommen. „Mit 18 habe ich mein erstes A-Länderspiel gemacht.“
Olympiapremiere 1976 in Montréal
Bei den Olympischen Spielen 1972 in München war er im Jugendlager. Er habe sich alle Hockeyspiele angesehen, berichtet er. Vier Jahre später gehörte er selbst zum Kader des Deutschen Hockeybundes, der bei den Olympischen Spielen im kanadischen Montréal Platz fünf belegte. Nach dem Boykott der Spiele 1980 in Moskau holte sich Dopp 1984 in Los Angeles und 1988 in Seoul jeweils die Silbermedaille.
1977 wechselte Dopp zur TG Frankenthal. Der Bundestrainer habe damals Druck gemacht, dass er in der Bundesliga spielen solle. „Da war Frankenthal das Naheliegendste.“ Und im Trikot der TG sammelte er weitere Titel: fünfmal deutscher Meister in der Halle, dreimal im Feld und als Höhepunkt den Gewinn des Europapokals der Landesmeister 1984 in Terrassa (Spanien).
Mit EI Heidelberg in die Zweite Bundesliga
1986 wechselte er als Spielertrainer zum EI Heidelberg. „Wir haben es bis in die Zweite Bundesliga geschafft“, erzählt der gelernte Winzer. Er habe auch andere Angebote gehabt, zum Beispiel aus Hamburg. „Aber ich wollte nicht aus der Pfalz weg.“ Heidelberg sei da schon das Äußerste gewesen, meint er und lacht. Bis 1989 ging die aktive Karriere. Das Abschiedsspiel fand auch in der Pfalz statt – bei der Einweihung des neuen Kunstrasens des TFC Ludwigshafen auf der Parkinsel.
Nach dem Karriereende blieb Dopp, mit 286 Länderspielen auch eine Zeit lang Rekordnationalspieler, seinem Sport verbunden. Als 1991 das Angebot des Landessportbunds kam, als Landestrainer sein umfangreiches Hockeywissen an den Nachwuchs weiterzugeben, musste er nicht lange zögern. „Ich habe das Hobby zum Beruf gemacht“, sagt er. Um das Weingut, das er zuvor noch mit seinem Vater geleitet hatte, konnte er sich dann nicht mehr kümmern.
Bürgermeister in Meckenheim
Gekümmert hat sich Heiner Dopp allerdings um die Belange seiner Heimatgemeinde Meckenheim. 1989 wurde er in den Gemeinderat gewählt. Von 1999 bis 2019 lenkte er die Geschicke des Dorfs als Bürgermeister. Von 2004 bis 2014 war er Mitglied des Kreistags, von 2004 bis 2009 vertrat er die FWG im Bezirkstag und war dort Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses.
Auch der Gang in die Politik überraschte nicht. „Mein Vater war schon Beigeordneter in Dürkheim“, erzählt Heiner Dopp. Und dann sei es eben so gekommen, wenn man in einer Gemeinde wohnt und Kontakte knüpft. „Ich bin irgendwann zu einer Versammlung mitgenommen worden, dann steht man auf der Liste und wird gewählt.“ Und dann sei es für ihn eine Selbstverständlichkeit gewesen, das Amt und die Verantwortung auch anzunehmen.
Von der zukünftigen Ehefrau umgegrätscht
Er habe in den 20 Jahren als Bürgermeister viel dazugelernt. Der Sport habe ihm dabei geholfen. „Ich habe manche Sachen ganz anders gemacht, habe ja keine Verwaltungsausbildung.“ Den Umbau des Rathauses, die Einrichtung eines Jugendtreffs, Baumpatenschaften mit alten Obstsorten und der lange Kampf um einen Supermarkt für den Ort nennt er als markante Punkte seines Wirkens.
Der Sport hat Heiner Dopp aber nicht nur in der Politik geholfen. Er war auch Wegbereiter in Sachen Familie. Denn seine Frau Martina hat er auf dem Hockeyplatz kennengelernt. Genauer beim Mixed-Turnier der TG Frankenthal. „Da war ich gerade nach Frankenthal gewechselt“, erinnert er sich. Er sei in den Kreis gezogen. „Und dann hat mich die gegnerische Torfrau abgegrätscht“, erzählt er und lacht. Wenig begeistert habe er gesagt, dass das bei so einem Turnier ja nicht sein müsse. „Dann hat sie die Maske abgenommen und ich fand, dass sie sehr gut aussieht“, sagt Dopp und muss wieder lachen.
Sohn Christian spielt öfter ab
Die beiden haben zwei Kinder. Sohn Christian spielt mittlerweile auch bei der TG Frankenthal, allerdings eher in der Defensive. Und noch ein markanter Unterschied zwischen Vater und Sohn: „Er spielt mehr ab als ich. Wenn ich mal abgespielt habe, ging’s nicht anders“, sagt der ehemalige Offensivspieler und lacht.
Dem Hockeysport ist Dopp auch heute noch verbunden. Als Landestrainer kümmert er sich um den männlichen Nachwuchs der U14 und U16 sowie um den gesamten U12-Bereich. Außerdem kümmert er sich um die Ausbildung der Trainer. Bei der TG Frankenthal trainiert er die männliche B-Jugend.
Weiter Lust auf Trainertätigkeit
Bei dieser sei der nächste Heiner Dopp noch nicht auszumachen, meint er. Aber bei den TG-B-Knaben ... „Der Junge hat Zug zum Tor, eine gute Technik und spielt auch ab.“ Im kommenden Jahr geht er als Landestrainer in den Ruhestand. Im Verein will er aber weiter den Nachwuchs betreuen. „Ich habe nach wie vor Lust“, betont Dopp.
Lust hatte er auch, als Coach seinen Heimatverein Dürkheimer HC zu trainieren. Auch das natürlich mit Erfolg. Er führte die Herren zum deutschen Meistertitel in der Halle und zum Europapokalsieg im Feld. Die Jugend brachte er auf die nationale Bühne.
Mithilfe des Sports den Krebs besiegt
Der Sport habe ihm auch geholfen, vor zehn Jahren den Krebs zu besiegen. „Man darf den Kopf nie hängen lassen. Es geht immer aufwärts. Man muss immer hoffen.“ Etwas Glück sei dabei gewesen, weil die Krankheit früh erkannt worden war. Die Folgen der Behandlung seien heute noch sichtbar.
Einen zweiten Geburtstag, wie es viele machen, feiere er deswegen aber nicht. „Ich feiere nur einmal. Das reicht“, sagt er bestimmt. Das macht er am Sonntag im Kreis der Familie. Im Hof wird gegrillt. Da kommt der Hockeyspätstarter Heiner Dopp dann bestimmt pünktlich.