Frankenthal 19 Briefe aus Bonn
Bei den Zimmermanns in Studernheim klingelt der Postbote. Ein dicker Umschlag für Tochter Lena. Na und? In dem Kuvert sind 19 Briefe einer Schulklasse aus Bonn-Oberkassel. Alles Antworten auf eine Flaschenpost, die die 13-Jährige abgeschickt hat. Vor zweieinhalb Jahren.
Das Abenteuer begann am 3. April 2016. Aus einer Laune heraus bastelt die damals elfjährige Lena Zimmermann, Schülerin in der 5a der Schiller-Realschule plus, mit ihrem Vater Uwe eine Flaschenpost. Hinter ihrem Haus in Studernheim, einem ehemaligen Landwirtschaftsbetrieb in der Oggersheimer Straße, werfen sie die Flasche in den Altrheingraben. „Ein Gewässer, das nicht unbedingt für seine Fließgeschwindigkeit und internationale Binnenschifffahrt bekannt ist“, weiß Vater Uwe. Um die Ökologie sei es ihm gegangen, darum, den Kindern zu zeigen, dass alles mit allem zusammenhänge. Und dass der Anschluss an die Weltmeere von Studernheim aus möglich sei. Obwohl gewässertechnisch eher im Tümpelstadium, entlassen Altrhein und Isenach die Buddel in den Rhein. Irgendwann nach langer Zeit. „Sie hat wohl die meiste Zeit festgehangen“, meint Vater Uwe beim nachträglichen Blick auf die Reiseroute per Google Maps. Lenas Flasche dümpelt gemütlich bei Bobenheim-Roxheim durch den Altrhein in den Rhein. Bei Worms nimmt sie Fahrt auf, tanzt auf den Wellen munter stromabwärts gen Norden, vorbei an Mainz, Wiesbaden, durchs Mittelrheintal vorbei am Loreley-Felsen, Koblenz und Neuwied bis nach Bonn. Stolze 230 Kilometer lang war Lenas Flaschenpost unterwegs. Flaschenpost als Familienspaß: Bruder Philipp wirft zur gleichen Zeit bei Mörsch eine zweite Flaschenpost in den Rhein. Sie wird bei Bingen/Rüdesheim von Kanufahrern gefunden und beantwortet. Lena vergisst ihre Flasche, die Jahre vergehen. Bis vor Kurzem der Postbote vor der Tür steht. Was schreibt man in einer Flaschenpost? Über sich habe sie einiges erzählt, berichtet Lena, ihre Hobbys Querflöte, Jazztanz und Ballett vorgestellt und eine Schiffsreise auf der Aida erwähnt. Die Antwort von Unbekannt kam von den Klassen 3b und 3a der OGS Gottfried-Kinkel in Bonn-Oberkassel. Die haben Lenas Flasche bei einer Müllsammelaktion nach dem Hochwasser im Frühjahr in den Rheinauen gefunden. Lena: „Meine Flaschenpost wurde in Bonn zum Schulprojekt und beim Schulfest rituell zertrümmert und vorgelesen.“ Dann machten sich die Grundschüler der Äffchenklasse 3b mit Lehrerin Ilka Seulen und die Wölfe der 3a mit Christiane Lingenthal ans Antworten, schrieben Briefe, malten Bilder und baten Lena schriftlich um Rat bei Fragen um Schule und Hobbys: „Auf einen Schlag hatte ich 19 Schulfreunde.“ Über die Briefe habe sie sich sehr gefreut, nach und nach will sie sie beantworten. Dem Thema Flaschenpost wollen die Zimmermanns verbunden bleiben – auch auf anderen Weltmeeren, bald soll es wieder aufs Schiff gehen, Richtung Baltikum. Vielleicht geht auf der Ostsee die nächste Flaschenpost über Bord.