Frankenthal
150 Jahre KSB: Ökologischer Fußabdruck soll kleiner werden
Selbst wenn der Begriff selbst wohl deutlich jüngeren Datums sein dürfte, für Michael Stimm ist Nachhaltigkeit in einem ganz zentralen Punkt schon immer Teil der DNA des Traditionsunternehmens: Gar nicht so selten stießen Mitarbeiter bei Projekten auf KSB-Pumpen aus den 50er-, 60er- oder 70er-Jahren, die immer noch liefen, sagt der Leiter der Region Europa Central. „Langlebige Produkte sind ein wesentlicher Beitrag zur Nachhaltigkeit.“
Dass sich mit dem Thema inzwischen ein neunköpfiges Kommitee unter Führung von Stephan Timmermann, Sprecher der KSB-Geschäftsführung, beschäftigt, zeigt den Stellenwert, den Nachhaltigkeit beim Frankenthaler Maschinenbauer schon seit einiger Zeit hat. Dokumentiert ist das mit dem Bekenntnis zu den Zielen des Global Compact der Vereinten Nationen, die Menschenrechte, Arbeitsbedingungen und Umweltaspekte umfassen, aber auch mit eigenen Richtlinien.
„Wir schaffen das“
Und es gibt konkrete Zahlen und ein selbst gesetztes Ziel: Bis 2025 will KSB seinen Kohlendioxidausstoß von 102.000 Tonnen (2018) um etwa ein Drittel reduzieren. Derzeit sei der CO2-Fußabdruck des Unternehmens schon bei unter 85.000 Tonnen angekommen. „Ich bin sehr sicher: Wir schaffen das“, betont Rainer Michalik. Der Leiter Integrierte Managementsysteme und Nachhaltigkeit ist für die Umsetzung der neun KSB-spezifischen Ziele in diesem Zusammenhang verantwortlich.
Der eine Aspekt ist die Energieeffizienz der 135 Unternehmensstandorte weltweit: Überall, wo es machbar und sinnvoll ist, werden Michalik und Stimm zufolge Dächer mit Fotovoltaik-Anlagen ausgestattet. In Halle beispielsweise sei das besonders gut zu realisieren, weil die Gebäude dort statisch für hohe Traglasten ausgelegt seien. Auch hier gibt es ein Ziel: Innerhalb der nächsten fünf bis sechs Jahre soll ein Drittel des bei KSB benötigten Stroms aus selbst produzierter Solarenergie stammen.
Beispiel: Heizzentrale
Michael Stimm hat auch ein Beispiel aus Frankenthal parat: Das neue IT-Gebäude im Stammwerk, das bis Jahresende bezugsfertig sein soll, wird mit dem dort eingebauten Luftwärmetauscher und den Solarzellen obendrauf energetisch mehr oder weniger unabhängig sein. Solche und andere Möglichkeiten würden bei jeder größeren Renovierung geprüft. Die ersten Erfolge mit Signalwirkung in die gesamte Organisation: Die KSB-Tochter Kagema in Pattensen (Niedersachsen) und im italienischen Concorezzo sind schon als klimaneutral zertifiziert.
Ein zweites Beispiel aus Frankenthal: die neue Heizzentrale. Diese Anlage ist schon allein deshalb sieben Prozent effizienter als ihre Vorgängerin, weil sie an einem zentraleren Ort auf dem Betriebsgelände platziert ist – mit dem Effekt kürzerer Wege zum Verbraucher. Weitere zehn Prozent macht der bessere Wirkungsgrad der Kessel aus. Praktisch ist angesichts der drohenden Gasknappheit ein anderer Aspekt: Als Brennstoff kann alternativ zum Erdgas auch Holz verfeuert werden. „Deswegen sammeln wir beispielsweise derzeit alles Transportmaterial aus Holz, um es im Ernstfall nutzen zu können“, berichtet Stimm.
Größter Hebel: Produkte
Er und sein Managerkollege Michalik sind sich allerdings einig, dass neben den vielen Fortschritten, die KSB an den eigenen Liegenschaften weltweit macht, der größte Hebel auf dem Weg zur Klimaneutralität bei der Effizienz der Produkte liegt. Das gelte für deren gesamten Lebenszyklus von der Herstellung über die Zeit des Betriebs bis zu der Möglichkeit, verwendetes Material wiederzuverwenden. Diese Erkenntnis wiederum hat dazu geführt, dass der Pumpen- und Armaturenkonzern für seine Produktfamilien schrittweise deren jeweilige Wirkung auf die Umwelt ermittelt.
Das erste Produkt, für das es eine „ökologische Geburtsurkunde“ gibt, wie Rainer Michalik es nennt, ist die Eta-Line Pro. Rund 151 Kilogramm beträgt ihr für alle Bauteile ermittelter CO2-Fußabdruck, der kompensiert werden muss. Bis Ende des Jahres sollen diese Informationen für insgesamt zwölf Produktgruppen vorliegen. Erstellt werden sie mit einer Software, in der Stücklisten hinterlegt sind. „Von der Welle bis zur Schraube“ sei dort alles erfasst, erkärt Michalik.
Recycling-Fähigkeit zählt
Tatsächlich beginnt Nachhaltigkeit aber inzwischen schon sehr viel früher – bei der Entwicklung. Verpflichtender Teil dieses Prozesses ist nach Michaliks Darstellung überall in der KSB-Welt, dass neben dem bereits erwähnten CO2-Fußabdruck großer Wert auf die Recycling-Fähigkeit gelegt werde. Geprüft werde ebenso die sogenannte Material-Compliance. Hinter dem Begriff verbirgt sich der Verbrauch, beispielsweise der von Seltenen Erden.
Nachhaltigkeit geht dann allerdings auch beim Kunden weiter, beispielsweise beim korrekten und effizienten Einsatz der Pumpen. Rainer Michaliks plastische Beschreibung des Problems: „Sie können einen Porsche kaufen und nur rückwärts fahren.“ Wie stark die Kunden an der Nachhaltigkeit der Produkte interessiert seien, unterscheide sich eher nach Anwendungsgebieten denn nach Regionen. In der Gebäudetechnik und Wasserwirtschaft werde stärker auf den Aspekt geachtet als etwa in der Prozessindustrie.
Die Serie
Der Frankenthaler Pumpen- und Armaturenkonzern ist im September 2021 in das Jubiläumsjahr seines 150-jährigen Bestehens gestartet, groß gefeiert wurde im Juli 2022. Wer und was treibt das Traditionsunternehmen an? Welche Rolle spielt der größte industrielle Arbeitgeber in der Stadt? Unter anderem diesen Fragen geht die RHEINPFALZ-Lokalredaktion in ihrer Serie „150 Jahre KSB“ nach.