Donnersbergkreis
Zuzug und Abwanderung: Winnweiler boomt, Nordpfälzer Land verliert
Von Landflucht kann im Donnersbergkreis keine Rede sein: Blickt man auf die Entwicklung der Bevölkerungszahlen der vergangenen zehn Jahre, zeigt sich, dass es sogar mehr Menschen hierher zieht, als zuvor. 76.394 lebten zum Jahresauftakt im Landkreis – und damit fast vier Prozent mehr als noch zum Jahresauftakt 2016. Schaut man jedoch in die fünf Verbandsgemeinden, dann werden klare Unterschiede deutlich. So gibt es Teile des Landkreises, die einen regelrechten Boom erleben, während anderswo eher mehr oder weniger ein deutlicher Negativtrend zu beobachten ist.
Noch zu Beginn der 2010er-Jahre gehörte die Verbandsgemeinde Winnweiler eher zu den Verlierern. Nach einem stetigen Rückgang der Einwohnerzahlen wohnten im Januar 2016 insgesamt 10.821 Menschen in der VG – allerdings ohne die knapp 900 Angehörige von NATO-Streitkräften, die nicht statistisch erfasst sind, weil diese nicht meldepflichtig sind. Wie die Verbandsgemeinde nun auf RHEINPFALZ-Anfrage berichtet, ist die Einwohnerzahl in den vergangenen zehn Jahren auf 13.186 angestiegen. Ein Zuwachs von fast 22 Prozent. Winnweiler ist damit aktuell der Zuzugsmagnet im Donnersbergkreis. Als Grund dafür kann mit Sicherheit die Nähe zur Autobahn genannt werden. Allerdings wurden in der VG Winnweiler im genannten Zeitraum auch viele Baugebiete realisiert und waren entsprechend nachgefragt. Besonders beliebt war im zurückliegenden Zeitraum die Ortsgemeinde Lohnsfeld, wo vor zehn Jahren noch 744 Menschen gemeldet waren und nun 947 Personen wohnen. Ein Zuwachs von mehr als 27 Prozent also. Auch Münchweiler (von 1038 auf 1212) ist deutlich gewachsen. Und nicht zuletzt die Gemeinde Winnweiler selbst, wo fast 1000 Menschen mehr wohnen als noch 2016. 4864 waren zum Jahresauftakt dort gemeldet.
Rückgang in der alten VG Alsenz-Obermoschel
In derartigen Dimensionen bewegen sich die anderen vier Verbandsgemeinden des Kreises nicht. Die VG Nordpfälzer Land hat zwar an Einwohnern verloren, kann allerdings dennoch nicht den von vermeintlichen Experten prognostizierten Abwanderungstrend in der Folge der Fusion der früheren Verbandsgemeinden Rockenhausen und Alsenz-Obermoschel verzeichnen. Nimmt man beide zusammen, lebten in 2016 noch 17.635 Menschen im Gebiet der heutigen VG Nordpfälzer Land. Zu Beginn dieses Jahres waren es 17.425 – also nur 1,2 Prozent weniger. Dabei geht der Verlust vor allem auf das Gebiet der früheren VG Alsenz-Obermoschel zurück, wo rund vier Prozent weniger Menschen leben als noch vor zehn Jahren. Im Bereich der VG Rockenhausen sind es indes im gleichen Zeitraum sogar minimal mehr geworden. Dem Westkreis, der vor zehn Jahren noch der große Verlierer bei der Bevölkerungsentwicklung war, kann man heute also ein sehr gutes Zeugnis aushändigen. Zwar stagniert das Nordpfälzer Land, vor allem dort, wo die Anbindung zu den Autobahnen schlechter wird. Allerdings zieht die Entwicklung der VG Winnweiler das Gesamtergebnis im Westen deutlich in die Höhe.
Die VG Kirchheimbolanden wächst um vier Prozent
Heißt das nun also, dass die Verbandsgemeinden im Osten die großen Verlierer sind? Nein, tatsächlich existieren die großen Verlierer gar nicht. In den restlichen drei Verbandsgemeinden gibt es allerdings auch punktuell Ortschaften, die eine besondere Entwicklung genommen hatten. So ist die VG Kirchheimbolanden in Sachen Einwohnerzahl insgesamt um knapp vier Prozent gewachsen und zählt nun 20.240 Personen. Der Trend ist jedoch von Ort zu Ort sehr unterschiedlich. So sind im genannten Zeitraum vor allem Marnheim (um zehn Prozent), Gauersheim (zehn Prozent), Bolanden (acht Prozent) und die Stadt Kirchheimbolanden (fünf Prozent) gewachsen. Besonders bei Marnheim und Bolanden geht das wohl auf die in diesem Zeitraum entstandenen Baugebiete zurück. Deutlich zurückgegangen ist hingegen die Einwohnerzahl von Kriegsfeld (von 1066 auf 992 Menschen).
In der Verbandsgemeinde Göllheim gab es nur einen Ausreißer. So meldet Albisheim in diesem Jahr 1861 Einwohner und damit immerhin fünf Prozent mehr als noch in 2016. Im Rest der VG bewegen sich die Entwicklungen hingegen eher im überschaubaren Bereich. Insgesamt hat die VG Göllheim im Zeitraum von zehn Jahren leicht an Einwohnern verloren. 12.127 Menschen waren dort zum Jahresauftakt gemeldet – 1,2 Prozent weniger als noch vor zehn Jahren. Stagnation herrscht hingegen in der Verbandsgemeinde Eisenberg, wo aktuell 13.416 Menschen gemeldet sind und somit genau 43 Personen mehr als noch 2016. Dort sind die Gemeinden Eisenberg und Ramsen leicht gewachsen, während Kerzenheim im gleichen Zeitraum einen kleinen Verlust bei den Einwohnerzahlen erlitten hat.
Hinweis: In der ersten Version des Textes wurde noch erwähnt, dass die Gemeinde Rittersheim einen krassen Rückgang bei den Einwohnerzahlen hatte. Der Redaktion lagen für Rittersheim jedoch falsche Zahlen vor. Tatsächlich hat sich die Einwohnerzahlen des Ortes sogar leicht erhöht. Entsprechend wurde auch die Zahl für die VG Kirchheimbolanden angepasst. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.