Donnersbergkreis
„Zur Wohlfühlregion rund um den Berg“ – Tourismuskonzept für Region steht
Herr Schuler, wozu braucht es ein Leitbild im Tourismus?
Ein Leitbild bietet Orientierung. Es formuliert eine klare Vorstellung von der Zukunft und dem Weg dorthin. Neben der Ist-Bewertung finden sich darin Ziele, Zielgruppen und auch Maßnahmen wieder. Der Donnersbergkreis hatte ein mehr als zehn Jahre altes Leitbild. Wir haben nun ein neues entwickelt und diesem nun auch eine besser passende Überschrift gegeben, nämlich eine konzeptionelle Grundlage für die Tourismusentwicklung. Warum das Ganze: Die handelnden Akteure müssen einfach wissen, wohin sie laufen (sollen). Sonst laufen alle in unterschiedliche Richtungen und dabei gibt es einfach Streuverluste.
Was hat der Donnersbergkreis für Touristen zu bieten?
Einiges. Die Gegend um den Donnersberg ist eine echte Wohlfühlregion rund um den höchsten Berg der Pfalz, in der sich Gäste „dehäm“ fühlen können, wie wir als zentralen Kern formuliert haben. Familien, Aktivurlauber, Naturliebhaber können hier Angebote finden. Die Gästezufriedenheit ist sehr hoch, das heißt, die Menschen, die hier Urlaub machen, fühlen sich wohl. Das liegt nicht zuletzt an der Gastfreundschaft, die sie hier erfahren. Damit kann der Tourismus also punkten. Und natürlich sind die Lage am Pfälzerwald und die Marke „Pfalz“ große Pluspunkte, die unbedingt auch betont werden sollten.
Aber sind denn nicht nach wie vor die Natur, das Wandern und der Wein von jeher die größten Trümpfe für die Region? Da hat sich doch nichts geändert.
Allerdings gibt rund 40 Millionen Menschen deutschlandweit, die Wandern als ihr Hobby bezeichnen, darunter immer mehr junge Menschen. Diese Zielgruppe ist also riesig. Nur mit dem allgemeinen Thema „Wandern“ zu punkten, das ist wie Fischen in einem zu großen Teich mit zu kleinem Wurm. Beim Radfahren ist das mittlerweile ähnlich. Ein Reisegebiet muss also genau hinschauen, wen sie ansprechen wollen und auch wie. In erster Linie sind das sicher die aktiven Naturgenießer und junge Familien. Die erste Zielgruppe ist gerne in der Natur unterwegs, mag regionale Speisen, bucht gerne Stadtführungen und Sehenswürdigkeiten und achtet auf die Nachhaltigkeit der Angebote. Die Familien wollen eher in Ferienwohnungen unterkommen und von dort aus aktiv werden. Sie suchen nach Angeboten, bei denen auch Naturnähe und Bildung eine Rolle spielen. Der Keltengarten trifft das beispielsweise. Sie wollen bei der Traubenernte helfen oder spannende Führungen besuchen. In diese Richtung muss sich auch das touristische Angebot weiterentwickeln – spezifischer auf die Zielgruppenwünsche ausgerichtet.
Was also muss passieren?
Es hat sich enorm viel verändert in den letzten zehn Jahren, und ganz besonders in den letzten beiden Jahren. Durch Corona haben wir einen enormen Druck im Bereich der Digitalisierung bekommen, und der Nachholbedarf wurde noch einmal offensichtlicher. Die Menschen erwarten heute, dass sie ohne große Probleme eine Unterkunft oder Einzelerlebnisse wie Bogenschießen oder einen Kochkurs online buchen oder auch stornieren können. Und zwar zu jeder Tageszeit. Hier ein Beispiel: Eine Familie hat kurzfristig ein freies Wochenende und das Wetter soll schön werden. Sie suchen online das Reiseziel Donnersbergkreis. Da sollte es dann möglich sein, dass sie in Echtzeit alle Infos bekommen. Also: Was ist los an diesem Wochenende, gibt es irgendwelche Veranstaltungen, Weinfeste, Kinderaktionen, welcher tagesaktuellen Alternativen bieten sich bei Schlechtwetter? Wann haben welche Lokale geöffnet, wo kann ich am Wochenende Wein kaufen, wie fahren die Busse und wie komme ich mit Kinderwagen barrierefrei von a nach b? Finden diese Menschen das nicht, dann entscheiden sie sich möglicherweise für ein anderes Reiseziel, das ihnen all diese Informationen anbieten kann.
Apropos Donnersberg. Welche Rolle spielt er in diesem Tourismuskonzept – wie Sie vielleicht wissen, hat die „Sommerrodelbahn“ etliche Gegner auf den Plan gerufen, die den Berg vielleicht ja generell vor Touristen „schützen“ wollen.
Die „Sommerrodelbahn“ hat sich nach meinem Eindruck zu einer Art Schreckgespenst entwickelt. Denn es ist klar, dass Tourismus immer nur mit der Bevölkerung und den Anwohnern als wichtige Interessen- und Bezugsgruppe entwickelt werden kann, nicht gegen sie. Klar ist auch, man will hier keinen Partyberg, auf dem Gaudi und Krach herrschen. Es muss mit der Natur und lokalen Kultur gehen, dann bringt die Weiterentwicklung des Tourismus auch für die Einheimischen einen Gewinn. Gepflegte Wanderwege, eine ansprechende Gastronomie, Weinfeste, das alles käme auch den Anwohnern zugute und würde ihr Lebensumfeld auch für sie attraktiver machen. Die Steigerung der Lebensqualität vor Ort wirkt sich somit positiv auf den Standort aus, um attraktive Fachkräfte zu gewinnen oder zu halten. In einer schönen Umgebung arbeitet man natürlich auch lieber als Hotelfachfrau oder lebt hier gern und arbeitet woanders. Natürlich muss sehr genau hingeschaut werden, was konkret möglich ist. Das aber gehört dann schon zu den Maßnahmen, die als nächster Schritt angegangen werden müssen. Abgesehen davon kann eine touristische Nutzung des Donnersberges ja gar nicht verhindert werden. Mountainbiker oder Schlittenfahrer kommen natürlich da hoch. Mit einem klaren Konzept und abgestimmten Maßnahmen kann eine Entwicklung gesteuert und kanalisiert werden.
Und was sind die Risiken? Wo muss etwas passieren, wo muss nachgebessert werden?
Es gibt keine direkte Anbindung an den Fernverkehr und Angebote bei Auto- oder E-Bikeverleih sind noch kaum vorhanden. Außerdem erhält der Gast nicht alle Angebote aus einer Hand. Ein Radwegekonzept ist noch nicht vorhanden und es fehlt noch an der besseren Erlebbarkeit vieler Sehenswürdigkeiten, damit diese auch überregional ausstrahlen. Außerdem könnte beispielsweise bei den Öffnungszeiten der Gastronomie etwas verbessert und die Vermarktung der Themen Regionalität und Saisonalität ausgebaut werden. Wir haben insgesamt über 50 Einzelmaßnahmen formuliert, die das konkretisieren.
Wer war eingebunden in die Erstellung des Konzeptes?
An einer Onlinebefragung hatten sich 212 Einwohnerinnen und Einwohner beteiligt, 69 Tourismusakteure und 30 Experten wurden befragt. Mit einer Lenkungsgruppe und in zwei größeren Werkstätten mit öffentlichen und privaten Akteuren haben wir Zwischenschritte immer wieder abgestimmt.
Und was geschieht nun mit der Erkenntnis, die in dieses Konzept eingeflossen ist?
Das liegt nun nicht mehr in unserer Hand. Für die Akteure vor Ort beginnt jetzt die eigentliche Arbeit. Sie müssen sich zusammenschließen und schauen, wie sie die empfohlenen Maßnahmen umsetzen wollen. Ich bin aber sicher, dass das schnell und effektiv gemacht wird, denn alle Akteure hatten großes Interesse an Entwicklung der Konzeption und wollen den Kreis hier voranbringen.
Info
Über einen Zeitraum von rund anderthalb Jahren hat das auf Tourismus und Regionalberatung spezialisierte Büro BTE mit Standorten unter anderem in Berlin und Mainz zusammen mit vielen Beteiligten aus dem Donnersbergkreis ein Tourismuskonzept für das Donnersberger Land erstellt. Dieses wurde von den Mitgliedern des Donnersberg-Touristik-Verbandes einstimmig angenommen.