Donnersbergkreis Zellertalbahn fährt erst ab 5. August
Eigentlich sollte die Zellertalbahn bereits am vergangenen Sonntag ihren Betrieb auf der Strecke zwischen Monsheim und Langmeil aufgenommen haben. Das ist jedoch nicht geschehen. Auf RHEINPFALZ-Nachfrage teilte die Kreisverwaltung gestern mit, dass es erst am 5. August losgehen soll. Der Förderverein Eistalbahn/Zellertalbahn, der auf der vom DTV betriebenen Strecke die Zugbegleiter stellt, zeigt sich enttäuscht. Bereits zwei Drittel der Saison seien dadurch ruiniert, sagte Vereinsvorsitzender Tom Eidelmann.
Die Zellertalbahn kommt einfach nicht auf die Schiene. Bereits im April hatte der Touristik-Verband des Kreises (DTV), der die Strecke betreibt, mitgeteilt, dass der Betrieb in dieser Saison nicht wie gewohnt am 1. Mai, sondern erst am 24. Juni beginnen könne. Begründet wurde dies mit noch nicht abgeschlossenen umfangreichen Vorbereitungsmaßnahmen (wir berichteten). Am 24. Juni tat sich aber immer noch nichts. Dabei hatte der DTV in seinem Werbeflyer für die Veranstaltung „Zauberhaftes Zellertal“ an eben jenem Wochenende die Besucher eigens auf die Anfahrmöglichkeiten per Zellertalbahn aufmerksam gemacht. Dass es nun erneut eine Verzögerung gibt, hat die RHEINPFALZ auch keineswegs von der Kreisverwaltung selbst erfahren, vielmehr wurde sie dank eines Posts auf der Facebook-Seite des Fördervereins Eistalbahn e.V./Zellertalbahn darauf aufmerksam. Dessen Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich für die Zellertalbahn. Sie fahren die Züge zwar nicht selbst, das erledigt vielmehr die DB Regio, stellen aber die Zugbegleiter und auch größtenteils die Wärter für die Schranke bei Albisheim. Judith Schappert, Büroleiterin bei der Kreisverwaltung, teilte gestern auf Nachfrage mit, dass der Termin 24. Juni deshalb nicht eingehalten werden konnte, weil aufgrund eines neuen Betriebsverfahrens für die Strecke Monsheim-Langmeil noch umfangreiche Schulungen für das Fahr- und Stellwerkspersonal erforderlich seien. Da die Strecke der Zellertalbahn sozusagen „außer der Reihe“ mitlaufe, die Schulungen aber zusätzlich in den regulären Dienstbetrieb der DB Regio eingebunden werden müssten und auch eine größere Personenzahl umfassten, hätten sie in den Juli verlegt werden müssen. Als Termin für den Saisonstart sei nun der 5. August vereinbart worden. Das genannte neue Betriebsverfahren ist wiederum Voraussetzung dafür, dass dem DTV die Erlaubnis für den Betrieb der Strecke erteilt wird. Eigentlich reicht sogar dieses schon nicht mehr aus, da die DB Netz-AG als Reaktion auf Unfälle in jüngerer Zeit, Stichwort Bad Aibling, für all ihre Strecken inzwischen ein noch weiter gehendes sogenanntes technisch unterstütztes Betriebsverfahren verlangt. Bei diesem wird der Risikofaktor Mensch weitgehend ausgeschaltet, weil automatisch erfasst wird, wann ein Zug in den Bahnhof ein- und ausfährt und wo auf der Strecke er sich genau befindet. Bisher – und auch noch mit dem neuen Betriebsverfahren – musste dies vom Zugführer selbst an die jeweiligen Leitstellen weitergemeldet werden. Weil der DTV für dieses technisch unterstützte Betriebsverfahren die Strecke aber für rund 500.000 Euro nachrüsten müsste und das Geld vom Land bisher noch nicht bewilligt wurde, hat die DB Netz-AG jetzt als Zwischenlösung eine Ausnahmegenehmigung für ein Betriebsverfahren erteilt, das bereits Verbesserungen gegenüber dem bisherigen enthält. (Auch das „alte“ Betriebsverfahren bedurfte übrigens einer Sondergenehmigung.) Bedingung sind aber die von Schappert genannten Schulungen. Nur dann gibt es die erforderliche Betriebserlaubnis. Schappert zeigte sich gestern aber optimistisch, dass das ganze Verfahren bis 5. August abgeschlossen sein wird. Auch der Förderverein Eistalbahn/Zellertalbahn geht davon aus, dass es am 5. August dann auch wirklich losgehen kann. Verärgert ist man aber trotzdem: „Es wird jetzt deutlich, wie sehr das jahrelange Engagement um eine ganze Region nun in einem Sumpf von Bürokratie, Regulierungswut sowie Profit- und Prestigedenken versinkt“, sagte der Vorsitzende Tom Eidelmann gestern der RHEINPFALZ. „Wenn die Mittel vom Land schon vor drei Jahren geflossen wären, wären wir jetzt schon viele Stufen weiter“, so Eidelmann, der „reinen Bürokratismus“ als Grund für die Verzögerungen ausgemacht hat. Immerhin: Einen finanziellen Verlust hat der Verein nicht, da die Erlöse aus dem Fahrkartenverkauf schon immer direkt an den DTV gingen. Trotzdem will der Verein weiter Druck auf die Politik machen, auch in Hinblick auf eine doch noch mögliche Aufnahme in den Rheinland-Pfalz-Takt. Denn einer Sache ist sich Eidelmann ganz sicher: „Die Region braucht die Zellertalbahn.“