Donnersbergkreis
Winnweiler: Rekordjahr für die Feuerwehr
Es war ein Rekordjahr für die Feuerwehr der Verbandsgemeinde. 245 Mal mussten die Aktiven 2019 zu Einsätzen ausrücken. Die Wehrleute bekommen auch die Folgen des Klimawandels zu spüren. Immer häufiger müssen sie zu Flächenbränden oder bei Unwetter ausrücken. Und es gibt noch eine besorgniserregende Entwicklung.
Am 1. Februar werden es drei Jahre, seitdem Christian Füllert hauptamtlicher Wehrleiter der Verbandsgemeinde Winnweiler ist. Füllert wurde damals aus acht Bewerbern ausgewählt. Die Winnweilerer ist weiterhin die einzige Verbandsgemeinde im Donnersbergkreis mit einem hauptamtlichen Wehrleiter. Blickt Bürgermeister Rudolf Jacob zurück, sieht er sich in der Entscheidung bestätigt. Da seien die steigenden, berechtigten Ansprüche und Erwartungen der Bürger, aber auch die besseren Rahmenbedingungen für den Erhalt des ehrenamtlichen Engagements in diesem Bereich, die sich dank eines hauptamtlichen Wehrleiters schaffen ließen.
Und da ist nicht zuletzt die von Jahr zu Jahr steigende Anzahl an Einsätzen. 2018 wurde in der Verbandsgemeinde erstmals die 200er Marke überschritten, 2019 waren es dann sogar 245. Ein Hauptgrund dafür seien vor allen Dingen Flächenbrände, aber auch Einsätze in Folge von Unwetter mit Starkregen. Füllert kann sich so noch gut an den vergangenen Juli erinnern, als die Wehren täglich – manchmal gar mehrmals am Tag – zu Wald- und Flächenbränden ausrückten.
Zeltlager evakuiert
Hier habe sich auch das neue, vom Donnersbergkreis beschaffte Wechselladerfahrzeug mit einem 10.000-Liter Wasserbehälter bewährt, das in Winnweiler stationiert ist und oft überregional eingesetzt worden sei. Fast 30 Wald- oder Flächenbrände sind 2019 gemeldet worden. Vor 2018 habe man hier noch im einstelligen Bereich gelegen.
Was das Thema Unwetter betrifft, ist Füllert aus dem vergangenen August vor allen Dingen ein Einsatz in Erinnerung, als insbesondere die Ortsgemeinden Winnweiler, Imsbach, aber auch weitere Teile des VG-Gebietes von einer Zelle getroffen worden sind. Bäume stürzten um, Wasser stand in Gebäuden und im Langental musste zudem ein Jugendzeltlager evakuiert werden.
Der größte Gebäudebrand in der Verbandsgemeinde Winnweiler im Jahr 2019 war im Mai auf dem Heuberg, wo eine Lagerhalle in Flammen stand. Neben Kräften nahezu aller Feuerwehreinheiten der Verbandsgemeinde waren auch Einheiten der Wehren Enkenbach-Alsenborn, Rockenhausen, des Deutschen Roten Kreuzes, des THW und der US-Feuerwehr im Einsatz.
Mehrere Unfallschwerpunkte
Christian Füllert hat die Studiengänge Sicherheitsingenieurwesen und Brandschutz abgeschlossen. Gerade das hat sich für die Verbandsgemeinde als wichtiger Punkt erwiesen. Denn der hauptamtliche Wehrleiter ist auch in den Bereichen vorbeugender Brandschutz tätig – hier hat er in der Vergangenheit schon mehrfach Aufgaben für den Kreis erledigt – und insbesondere auch die anfallenden Aufgaben der Verbandsgemeinde.
Hinzu komme die Autobahn 63, wo die Wehren zu einigen Unfällen alarmiert wurden. Aber auch die Bundesstraße 48 und Landesstraße 401 seien Unfallschwerpunkte. Nicht zuletzt arbeiten die Feuerwehren über die Verbandsgemeinde- und Kreisgrenzen hinaus stärker zusammen. So verfügt die Winnweilerer Feuerwehr über eine Drohne, die immer wieder bei Einsätzen angefordert werde. Füllert nennt aber auch das Umweltlöschfahrzeug, das zum Beispiel im Stadtgebiet Kaiserslautern häufig zum Einsatz komme.
Ehrenamtliche an Grenzen
Generell werde das Tätigkeitsfeld der Feuerwehren immer komplexer. Und hier müsse auch das Aus- und Fortbildungskonzept angepasst werden. Erstmals trat 2019 mit Julia Kötz eine Feuerwehrangehörige ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Feuerwehr der Verbandsgemeinde Winnweiler an.
„Da aufgrund von stetig steigenden Einsätzen und umfassender werdenden Wartungstätigkeiten, die auch engmaschige Dokumentation einschließen, die Ehrenamtlichen immer mehr an die Grenze gebracht werden, wurde im letzten Quartal die Einstellung eines weiteren hauptamtlichen Gerätewartes durch die Gremien beschlossen. Dieser verfügt auch über entsprechende Einsatzqualifikation“, berichtet Jacob. Seit 1. Januar ist dieser im Dienst. Mit zwei Gerätewarten und einem Wehrleiter hat die Feuerwehr der Verbandsgemeinde Winnweiler nun drei hauptamtliche Kräfte.
Neue Feuerwehrhäuser
Somit könne das Ehrenamt entlastet werden und sich die Aktiven auf Einsatz- und Ausbildungstätigkeiten konzentrieren. Denn die Belastung sei aufgrund der vielen Einsätze auch so hoch genug. Beim Neujahrsempfang der Verbandsgemeinde hat Jacob den schweren Unfall auf der Autobahn 63 bei Steinbach mit mehreren Verletzten und einer Toten Anfang Januar als Beispiel genannt: Die Feuerwehrangehörigen seien kurz nach 12 Uhr von der Arbeit weg alarmiert worden, haben vor Ort zweieinhalb Stunden körperliche und mentale Schwerstarbeit geleistet und seien um 14.30 Uhr zurück an ihre Arbeitsplätze.
Bis 2025 sollen für die Feuerwehreinheiten in der Verbandsgemeinde acht Löschfahrzeuge durch neue ersetzt werden. „Nach der Einweihung des neuen Feuerwehrhauses in Münchweiler im Frühjahr 2019 gibt es Notwendigkeiten zum Bau von neuen Feuerwehrhäusern in Börrstadt, Breunigweiler und Steinbach sowie für einen Umbau mit Erweiterung in Winnweiler“, so Jacob. Hierzu seien zunächst Grundstücksfragen zu klären und Planungsaufträge zu vergeben. „Der Verbandsgemeinderat hat auch entschieden, für alle 270 Feuerwehrangehörigen der VG Winnweiler eine neue Basisausstattung mit Einsatzgarnituren zu beschaffen“, berichtet der Bürgermeister. „Das Mindeste, was wir für die ehrenamtlichen Helfer tun können und müssen, ist, dass wir sie zeitgemäß ausstatten und ausrüsten“, betont Jacob. Er hatte den Aktiven beim Neujahrsempfang gedankt.
Einsatzkräfte beschimpft
Was ihm dagegen Sorgen bereitet: „Auch bei uns, hier im eher ländlich geprägten Bereich, wo man meinen könnte, die Welt sei noch in Ordnung, vergeht mittlerweile fast kein Einsatz der Feuerwehr mehr, bei dem nicht mit Handys gefilmt oder fotografiert wird, wo die Notwendigkeit von Absperrungen teilweise in beleidigender Art und Weise in Frage gestellt oder gar unter Gefährdung der Einsatzkräfte missachtet wird oder Einsatzkräfte beschimpft, beleidigt oder bedroht werden.“ Jacob fordert hier insbesondere von der Justiz, die bestehenden Gesetze konsequent zur Anwendung zu bringen. „Es kann nicht sein, dass Menschen, die sich ehrenamtlich für die Allgemeinheit engagieren, regelmäßig Zielscheibe von Angriffen werden, nur weil sie eine Uniform tragen und damit als Teil des Staatsapparates wahrgenommen werden.“