Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Winnweiler: „Familiengeschäfte“ von Theater-AG kurzweilig auf die Bühne gebracht

Für ihr munteres, authentisches Spiel ernteten die Akteure der WEG-Theater-AG minutenlangen Beifall.
Für ihr munteres, authentisches Spiel ernteten die Akteure der WEG-Theater-AG minutenlangen Beifall.

Beeindruckende Leistungen, beachtliches schauspielerisches Können: Am Donnerstag-, Freitag- und Samstagabend führte die Theater-AG des Wilhelm-Erb-Gymnasiums im Festhaus ihr diesjähriges Stück „Familiengeschäfte“ von Alan Ayckbourn auf. Beteiligt waren Schülerinnen und Schüler von der neunten bis einschließlich der dreizehnten Jahrgangsstufe.

Worum geht’s? Der Geschäftsmann Jack McCracken (Finn Himmer) hat gerade frisch den Möbelbetrieb seines Schwiegervaters Ken (Elias Hack/Tizian Hoffmann) übernommen und erklärt, dass er die Firma im gegenseitigen Vertrauen und untadelig leiten will. Dass das den restlichen Familienmitgliedern nicht unbedingt gelegen kommt, ahnt Jack hier noch nicht. Erstmals wird seine Welt erschüttert, als Benedict Hough (Luke Ströhla), ein Privatdetektiv, im Haus McCracken erscheint und verkündet, Jacks jüngere Tochter Samantha (Louisa Whitton) sei in einem Supermarkt beim Ladendiebstahl erwischt worden. Er bietet an, die Unannehmlichkeit zu vergessen, sollte Jack ihm eine anstehende Untersuchung im familieneigenen Betrieb zukommen lassen.

Der vorbildliche Jack will von diesem Geschäft jedoch nichts wissen und setzt Hough brüsk vor die Tür. Seine Familie kann nicht nachvollziehen, dass Jack sich nicht auf den Deal eingelassen hat. „Jeder macht nebenbei seinen Schmu – nur wir nicht“, erklärt seine Ehefrau Poppy (Maja Brill). Auch seine ältere Tochter Tina (Alicia Ströhla) gibt zu, in der Vergangenheit Einiges mitgehen gelassen zu haben, als das Geld knapp wurde.

Betriebsspionen auf der Spur

Ken weiht Jack schließlich in die Probleme der Firma ein: Industriespionage. Offenbar gibt es einen Maulwurf, der es einer italienischen Firma ermöglicht, die hauseigenen Produkte zu kopieren – oder wie Ken es liebevoll ausdrückt: „Man klaut uns die Sachen unterm Arsch weg!“ Der schließlich doch mit der Untersuchung des Falls betraute Hough verkündet erste Erkenntnisse, indem er die Betriebsspionage mit den Rivettis in Verbindung bringen kann.

Jack, dem der Name seltsam bekannt vorkommt, bemerkt, dass es sich dabei um einen Geschäftspartner seines Bruders Cliff (Benjamin Vettermann) handelt. Bei dem angekommen, trifft er jedoch nicht auf seinen Bruder, sondern erwischt dessen Frau Anita (Pia Sandhäger) lediglich in ein Bettlaken gehüllt in flagranti mit einer ihrer zahlreichen Affären der nahezu ausschließlich italienisch sprechenden Rivetti-Familie (Samuel Tussing). Als Cliff wenig später hinzustößt, erklärt er seinem Bruder, dass dies in seiner Ehe vollkommen normal sei und er weitaus tiefere Gefühle für seinen neuen Porsche hege als für seine Frau.

„Scharfsinn eines Türstoppers“

Auf Jacks Fragen zur Betriebsspionage wird deutlich, dass nicht nur Cliff und Anita beteiligt sind, sondern auch Jacks Schwager und Geschäftspartner Desmond (Miriam Weber), dessen hundeverrückte Frau Harriet (Helena Tussing) aber auf keinen Fall mehr als ohnehin schon über die ominösen Machenschaften erfahren darf. Schließlich würde sie alles ihrer Schwester Yvonne Doggett (Lisa Weber) erzählen, die sich als „gute Seele“ stets um Ken kümmert.

Als schließlich bei einem Treffen aller Beteiligten deutlich wird, dass auch noch Jacks Schwiegersohn Roy (Carmen Kötz) mit dem „Scharfsinn eines Türstoppers“ in die Sache verwickelt ist, beschließt die Familie, sämtliche kriminellen Aktivitäten stillschweigend zu begraben. Wenn da doch nur nicht der nach wie vor eifrig ermittelnde Hough wäre… Da bleibt nur eine Lösung: Bestechungsgeld muss her, damit der Privatdetektiv vergisst, was er bereits über die Familie herausgefunden hat. Was jedoch, wenn die angedachten fünf- bis maximal zehntausend Pfund so gar nicht der erwarteten „Provision“ des Ermittlers entsprechen?

Ein Jahr Vorbereitungen

Rund ein Jahr bereiteten sich die 14 Laiendarsteller unter der Regie der Lehrerin Kathrin Zöller und des stellvertretenden Schulleiters Peter Sommerlad auf die drei Aufführungen vor. Die ersten sechs Monate waren ganz der Auswahl des Stückes gewidmet. Viele Schauspiele wurden angelesen – schließlich wollte man an den Erfolg des Vorjahres mit „Einen Jux will er sich machen“ von Johann Nestroy anknüpfen –, bis schließlich die Entscheidung fiel: „Familiengeschäfte“ von Sir Alan Ayckbourn sollte es werden. Ayckbourn gilt als Meister der Farce und wurde von der Londoner Wochenzeitung „The Economist“ als „Großbritanniens populärster Gegenwartsdramatiker“ bezeichnet. In seinen mittlerweile über 70 Bühnenwerken beschäftigt er sich hauptsächlich mit den Intrigen und Problemen der englischen Oberschicht, wofür „Familiengeschäfte“ wohl ein Paradebeispiel ist.

Minutenlanger Beifall

Seit vergangenem Herbst wurde intensiv geprobt, wie Sommerlad lobend verrät. „In das Stück wurden viel Engagement, viel Herzblut und viel Arbeit investiert. Die beteiligten Schülerinnen und Schüler haben zahlreiche Stunden – auch an den Wochenenden – mit Proben verbracht“, berichtet er.

Die Arbeit an dem nahezu dreistündigen Stück hat sich sichtlich bezahlt gemacht. Die großräumig angelegte Szenerie mit mehreren Zimmern reichte über den regulären Bühnenrand hinaus und ermöglichte sogar einen geplanten Sturz von der Bühne. Ortswechsel wurden durch kleine Veränderungen angezeigt und auch zeitgleiche Szenen durch Stillstand der Charaktere in den anderen Bühnenräumlichkeiten für das Publikum perfekt dargestellt.

Die zahlreich erschienenen Zuschauer zeigten sich begeistert und applaudierten den durchweg beeindruckenden Schauspielern am Ende minutenlang für ihre teils langen und dennoch fehlerfreien Mono- und Dialoge. „Wirklich beeindruckend, wie authentisch die Darsteller ihre Rollen ausfüllen“, lobt eine begeisterte Zuschauerin. Hauptdarsteller Finn Himmer dankte im Namen des ganzen Ensembles dem Publikum für sein Kommen. Zudem galt der Dank für Licht und Technik Mathias Schückler, Patrick Sandhäger und Carmen Kötz sowie Annette Engel für den Bühnenbau.

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