Donnersbergkreis
Was Leser ärgert: Plastikfolie im Viehfutter
Er habe es nun lange genug ertragen, jetzt habe er endgültig genug, sagt Uwe Christmann aus Imsweiler. Genug von den Plastikfolien auf den Nachbaräckern, genug von den kleinen Plastikteilchen im Futter seiner Kühe. Und genug davon zu warten, dass irgendetwas passiert.
Was Uwe Christmann zur Weißglut treibt, ist sein landwirtschaftlicher Nachbar, genau gesagt dessen Umgang mit den Silofolien und anderem Plastik- und sonstigem Müll. Insbesondere die kleinen und kleinsten Fetzen, die es in die gesamte Umgebung verweht, machen ihn wütend. „Das macht ja nicht auf seinem Acker halt. Es weht überall hin, unter anderem auf meinen Acker, wo ich Futter für meine Kühe anbaue“, so Christmann.
Christmann betreibt einen Biohof mit Mutterkühen. Diese Tiere werden nicht zur Milchproduktion gehalten, sondern um ihre Kälbchen großzuziehen. Das „Bio“-Zeichen darf Christmann verwenden, weil er seinen Kühen Futter aus anerkannt ökologischer Erzeugung verfüttert und andere Maßgaben zur Tierhaltung einhält. Er gilt damit auch als Lebensmittelproduzent und unterliegt strengen Vorschriften. „Wenn diese Plastikteilchen auf meinen Acker und dann unter das Viehfutter kommen, dann steht das im Widerspruch zu meiner Haltung als Biolandwirt“, sagt Christmann. In der Praxis heißt das für ihn: Immer wieder stundenlang in seiner Getreideernte nach Plastikteilchen suchen und diese aussortieren. Doch wenn sich die Plastikteilchen bis in den Millimeterbreich zersetzt haben, dann schaffe auch das beste Auge es nicht mehr, sie auszusortieren. „Dann fressen meine Kühe das mit“, so der Imsweilerer.
Kreisverwaltung eingeschaltet
Dabei wolle er keine unrealistischen und überzogenen Anforderungen stellen. „Ich weiß auch, dass in der Landwirtschaft keiner bisher ohne die Folien auskommt“, so Christmann. Umso wichtiger sei der verantwortungsvolle Umgang damit. Und das, was auf seinem Nachbarfeld passiere, das übersteige jedes normale Maß. „Das bringt den ganzen Berufsstand der Landwirte in Verruf.“
Bereits seit zwei Jahren versuche er, mit seinem Feldnachbarn die Angelegenheit freundschaftlich in Gesprächen zu regeln. Als er merkte, dass seine Bemühungen keine Erfolge zeigten, habe er die Kreisverwaltung eingeschaltet. Geschehen sei bisher aber noch nichts.
Nachbar zeigt sich einsichtig
Er habe ja schon einiges weggeräumt und werde den Rest auch noch entsorgen, verspricht der benachbarte Landwirt, mit den Vorwürfen konfrontiert. Dass sich die Folie derart zersetzt, habe er nicht kommen sehen. Die darin eingewickelten Strohballen dienten dazu, die Abdeckung seiner Fahrsilo zu beschweren. Dass er diese Flächen, in denen das Getreide als Futter für seine Tiere gelagert wird, auf dem Hang angelegt hat, bezeichnet er im Nachhinein als Fehler. Er habe nicht bedacht, dass die Folie hier vom Wind in kleine Teile zerrissen und weggetragen werde. Auf Betonsilos umzusteigen wäre natürlich eine saubere Sache, sagt der Landwirt gegenüber der RHEINPFALZ, aber das könne sich ein kleinerer Betrieb wie seiner heute kaum mehr leisten. Auch der Zusammenschluss mit Kollegen vor Ort falle weg, weil es zu wenige Betriebe gebe.
Demnächst Ortstermin
Bei der Kreisverwaltung ist der Sachverhalt bekannt. „Mitarbeiter waren bereits mehrfach mit anderen Behörden vor Ort und haben den Betreffenden zur Beseitigung von Mängeln aufgefordert“, heißt es von der Pressestelle. Die Silofolien seien daraufhin auch beseitigt worden. Derzeit sei man dabei, einen weiteren Ortstermin gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer und Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd vorzubereiten. Auch Ortsbürgermeister Hans-Peter Ziepser soll dabei sein, dem das Thema ebenfalls seit Jahren bestens bekannt ist.
Ortsbürgermeister eingeschaltet
„Wir bekommen immer wieder Beschwerden aus der Bevölkerung, die Zustände auf dem Feld betreffend“, so Ziepser. Auch Wanderer hätten ihn schon mehrfach auf die Situation angesprochen. Er sei zwar auch schon vermittelnd aktiv geworden, allerdings sei er als Gemeindevertreter nur eingeschränkt der richtige Ansprechpartner. „Ich kann nur gegen die Verschmutzungen und Ablagerungen auf dem gemeindeeigenen Grund eintreten“, so der Ortschef. Und da habe es bereits Gespräche mit dem betreffenden Landwirt gegeben. „Wenn die Folien auf dem Gemeindegrundstück nicht demnächst entsorgt werden, werden wir um eine Anzeige nicht herumkommen“.
Mit dem unerfreulichen Thema habe sich auch schon der Gemeinderat mehrfach beschäftigt. „Ich habe schon Beschwerdebriefe in dieser Angelegenheit verlesen“, so Ziepser. In jedem Fall könne er Uwe Christmann gut verstehen, der immer wieder Folienreste und kleine Plastikschnipsel von seinem Acker auflesen muss. „Ich halte das für eine echte Zumutung“, so Ziepser.
Füge spricht von Einzelfall
Dem Vorsitzenden des Kreisverbandes Donnerberg im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd, Gerold Füge, war der Fall nicht bekannt. „Ich gehe davon aus, dass es sich da um einen Einzelfall handelt.“ Wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit den Folien sei, zeige sich auch an anderer Stelle. Die Landwirte im Kreis hätten nämlich den großen Vorteil, dass die Folie zum Ende der Saison von der Kreisverwaltung unentgeltlich eingesammelt wird. „Das ist ein echter Service des Kreises und keinesfalls selbstverständlich“, so Füge. Einzige Voraussetzung sei, dass die Folien besenrein abgegeben würden. Die Sammelaktion der Kreisverwaltung sei für die Landwirte eine große Erleichterung. „Warum das jemand nicht nutzt, um seine Folien zu entsorgen, sei ihm völlig unverständlich.“
Auch Vogelschützer kritisieren
Das Problem von Plastikmüll auf den Felder ist nicht auf Imsweiler oder den Donnersbergkreis beschränkt. Vor einigen Tagen erst hatte die „Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland–Pfalz“ (GNOR) die ihrer Meinung nach teils skandalöse Zustände beim Umgang mit Plastikmüll im Bereich des Gemüseanbaus kritisiert. In einer Pressemitteilung hatten die Naturschützer bemängelt, dass Plastikabfälle wie Gummiringe, Folienreste, Kunststoffschnüre und Plastikröhrchen zusammen mit Gemüseabfällen und Produktionsresten untergepflügt würden. Die Beobachtungen wurden im Rahmen von Weißstorch-Monitorings und Ringablesungen gemacht.
Zwar stand in diesem Fall das Unterpflügen von Plastikmüll aus der Gemüseproduktion im Zentrum der Kritik der Vogelschützer, allerdings sind die Befürchtungen der Vogelschützer durchaus übertragbar: Die Plastikabfälle überdauern Hunderte von Jahren. Bei jeder Bodenbearbeitung kommen sie wieder zum Vorschein und stellen eine erhebliche Gefahr für alle Vogelarten dar. „Dadurch droht langfristig eine massive Vermüllung und Schadstoffbelastung der Landschaft und damit der Nahrungsmittel-Erzeugungsflächen und nicht zuletzt eine weitere Belastung der Artenvielfalt. Darüber hinaus gelangen die Plastikreste über das Regenwasser und den Wind in die Flüsse und letztendlich in die Meere und verstärken damit das ohnehin gravierende Problem der Vermüllung der Ozeane“, warnt Thomas Dolich, Vorstandsmitglied der GNOR.