Radsport
Warum der Alsenzer Jonas Rapp nun auf einem anderen Kontinent Rennen fährt
„Land der Mörgenröte“, „Land des Lächelns“ oder „Reich der Mitte“: Für China gibt es viele – teils poetische – Umschreibungen. Für Jonas Rapp trifft derzeit am ehesten „Reich der Mitte“ zu, denn China ist sein neuer Mittelpunkt. Er stellt sich dort einer neuen Herausforderung, nicht in einer neuen Sportart, denn die bleibt der Radsport. Vielmehr hat der 30-Jährige aus Alsenz ein neues Team – ein chinesisches.
„Ich bin gerade ganz im Süden Chinas, in Hainan“, berichtet Rapp und klingt am Telefon dabei gar nicht als ob er mehr als 9000 Kilometer von der Heimat entfernt wäre. Whatsapp-Telefonie macht’s möglich. „Es ist ganz nett hier, das Wetter geht in Richtung 30 Grad. Es steht der erste Wettkampf an, deswegen bin ich auch hier in China zum Training.“
Gutes Gehalt
Nach sieben Jahren beim österreichischen Team Hrinkow Advarics ist Rapp zur neuen Saison nun zum chinesischen Continental-Team FNIX-SCOM Hengxiang gewechselt. „Ich habe mir gedacht, mich reizt es einfach, noch einmal was Neues, was ganz anderes von der Welt zu sehen“, berichtet er über den großen Schritt, den er mit seinem Wechsel von Europa nach Asien gemacht hat. „Ich bin ja 30 Jahre – ewig wird meine Karriere jetzt auch nicht mehr gehen.“ Und so sei es bei ihm „ein bisschen, wie wenn ein Fußballer zum Ende der Karriere in die Emirate geht“. Und gibt unumwunden einen weiteren Aspekt seines China-Engagements zu: „Sportlich hat es vielleicht nicht ganz den Wert wie vorher, weil in Europa in Sachen Radsport die Musik spielt. Aber es gibt natürlich relativ viel Geld hier, da würde ich nicht verneinen, dass das auch eine Rolle gespielt hat.“
Allerdings ist Asien auch nicht komplettes Neuland für den Alsenzer. „Ich bin ja vorher auch schon in Taiwan oder Kasachstan Rennen gefahren“, sagt er. Dabei ist ihm auch ein Unterschied zu manchem Rennen in Europa aufgefallen: „Da muss man sagen, die Rennen in Asien sind immer top organisiert“, lobt er. „Das ist manchmal schon ein Kontrast, zu Rennen zum Beispiel in Osteuropa, wo vieles teilweise chaotischer und auch gefährlicher ist. Auch die Hotels in Asien sind top.“
DM auf dem Zettel
Aufgrund seines neuen Engagements wird Rapp in dieser Saison bei Rennen in Europa nicht zu sehen sein. „Eigentlich fahren wir mit unserem Team ausschließlich von der UCI organisierte Rennen im asiatischen Raum. Vor allem in China oder auch Malaysia“, berichtet er. Wobei ein Auftritt in Europa dann doch auf seinem Zettel steht: die deutschen Rad-Straßenmeisterschaften vom 27. bis zum 29. Juni in Kaiserslautern. „Die DM in Kaiserslautern will ich mir absolut nicht entgehen lassen. Das ist ja ein Heimrennen“, sagt Rapp und eine gewisse Vorfreude ist zu hören. Er werde zudem noch „vielleicht das ein oder andere lokalere Rennen fahren, wenn ich zuhause bin“. Zuhause ist er im Schnitt etwa alle vier Wochen, denn: „Ich fliege immer blockweise nach China, meistens begrenzt auf vier Wochen, weil da auch Visa ein Thema sind. Dann bin ich eine Zeit hier, dann geht’s wieder nach China.“
Zunächst stehen nun aber erst einmal die ersten Rennen für sein neues Team an. Für Rapp dann mit ganz neuen Rennen, die er noch nie gefahren ist. „Das ist auch der Reiz, dass ich noch einmal ganz andere Rennen sehe“, sagt er dazu. „Davor war ich ja lange Zeit beim gleichen Team, da ist man ja immer mehr oder weniger die gleichen Rennen gefahren. Da freue ich mich jetzt auch voll drauf, noch einmal ein paar neue Eindrücke mitzunehmen.“
Google-Translate hilft
Eindrücke konnte er von seinem neuen Team bereits sammeln – und auch Erfahrungen über die Schwierigkeiten, die es durch die Teamzusammensetzung gibt. Zur Hälfte besteht das Team nämlich aus Chinesen, zur Hälfte aus Radsportlern aus anderen Nationen. „Natürlich hat man da schon mehr mit den Europäern, Australiern und Russen zu tun“, berichtet Rapp. „Da kommt man auch sprachlich mit Englisch relativ weit.“ Das sei bei den chinesischen Kollegen schon etwas schwieriger: „Da kommt man mit Englisch nicht allzu weit.“
Aber auch hier hilft die Technik: „Gerade bin ich im Hotel auf dem Zimmer mit einem chinesischen Teamkollegen, da läuft die Kommunikation über Google-Translate“, berichtet Rapp. Immerhin, ganz unbeleckt ist er in der Landessprache seines neuen Teams aber nicht: „Ein bisschen Chinesisch kann ich zwar, aber das reicht bei weitem nicht für eine normale Unterhaltung“, sagt der 30-Jährige und erklärt. „Ich habe noch den Vorteil, dass meine Freundin Chinesisch studiert hat. Ihre Mutter kommt ursprünglich aus Taiwan, da habe ich auch schon Chinesisch gesprochen. Von daher habe ich schon einen gewissen Hintergrund.“
Wenn nun auch noch sportliche Erfolge für das neue Team gelingen, könnte China für Jonas Rapp dann wahrscheinlich auch noch zum „Land des Lächelns“ werden.