ROCKENHAUSEN / KIRCHHEIMBOLANDEN
Walter Paul: Legendärer Hechtsprung bei „Spiel ohne Grenzen“
Gesundheitliche Gründe zwangen den Deutsch-, Sport- und Musiklehrer vor 22 Jahren, sein Schuldasein mit dem Eintritt in den Ruhestand zu beenden. „Ich hatte für mich den einzigen richtigen Beruf und konnte mir nichts anderes vorstellen. Ich war sehr traurig, als ich aufhören musste“, blickt Paul im Gespräch mit der RHEINPFALZ, für die er viele Jahre als freier Mitarbeiter aktiv war, melancholisch zurück.
Dramatischer Höhepunkt seiner Laufbahn war das Jahr 1994, als politisch versucht wurde, die Realschule Rockenhausen aufzulösen und aufgehen zu lassen im Schulmodell Rockenhausen, einer damals geplanten Modellschule. Der gemeinsame Kampf vieler Kollegen brachte Paul bei der Bezirksregierung den Vorwurf ein, „geistiger Urvater des Widerstands“ zu sein. Ein Gerichtsurteil machte dem Spuk ein Ende – Paul und Co. durften sich als Gewinner sehen, die Realschule blieb und besteht auch heute noch neben der IGS.
Als Trainer manche Meisterschaft gefeiert
Inzwischen sind es 23 Operationen, die Paul in allen Körperbereichen über sich hat ergehen lassen müssen. Die haben ihn allerdings nicht daran gehindert, zahlreiche Hobbys in seinem Lebensplan zu integrieren. In den Schäferhundevereinen Rockenhausen und Winnweiler war Paul mehr als 20 Jahre lang aktiv. Im Winnweilerer Verein brachte er es mit seinem schwarzen Schäferhund Gyro auf vier Vereinsmeisterschaften.
Wegen vieler Verletzungen war Paul gezwungen, früh seine Karriere als aktiver Fußballspieler zu beenden. „So habe ich mich dann als Trainer im Fußballgeschäft versucht“, blickt er zurück. Aus dem Versuch wurden 18 Jahre. Zweimal (1969-1971 und 1984-1987) coachte Paul in dieser Zeit den FV Rockenhausen und feierte in seinem letzten Jahr auf der Trainerbank den Aufstieg in die Bezirksliga. SW Bad Kreuznach, VfR Kaiserslautern (Meister der Bezirksliga 1978/1979), Bavaria Ebernburg und der FC Bad Sobernheim waren weitere Stationen des Fußballtrainers Walter Paul. Beim zuletzt genannten Verein erreichte er während seiner dreijährigen Amtszeit den Höhepunkt seiner Trainer-Karriere: 1976 gelang der Aufstieg in die Oberliga.
50 Jahre lang Chorleiter
Legendär bleibt auch Pauls Hechtsprung, als er beim „Spiel ohne Grenzen“ eine entflohene Sau spektakulär einfing. Der damalige Lehrer trat im April 1971 mit 23 von ihm ausgewählten Sportlern aus Rockenhausen gegen Idar-Oberstein im damals beliebten TV-Städtewettkampf an. „Das war bei 5000 Zuschauer ein Mordsspektakel“, erinnert sich Paul.
Damit nicht genug. 50 Jahre lang war Paul Chorleiter in den Vereinen Gundersweiler, Höfe/Reichsthal, Mannweiler-Cölln, Gerbach, Erfenbach und Winnweiler. Darüber hinaus durfte er viele Vereine der Nordpfalz bei Beerdigungen ersatzweise dirigieren. Durch immer fortschreitende Schwierigkeiten beim Stehen habe er dieses Engagement beenden müssen, sagt Paul, betont aber, dass er heute immer noch im Chor Tonika Winnweiler und beim Chorleiterchor Pfalz seine Stimme im Bass einbringt. Das macht ihn stolz.
1940 im Winnweilerer Ortsteil Hochstein geboren, wuchs Paul zunächst in Dörrmoschel auf, ehe er von 1951 bis 2017 in Rockenhausen sesshaft wurde. Seit drei Jahren wohnt er nun in Kirchheimbolanden und darf morgen mit Tochter, Sohn, fünf Enkeln und zwei Urenkeln runden Geburtstag feiern. Fehlen wird dabei seine Frau Heidrun, die nach 53-Jähriger Ehe im vergangenen Jahr verstorben ist.