Eisenberg
Waldschwimmbad: Ärger über Bad-Schließung
Es war Zündstoff drin, dieser Tage. Die Entscheidung der Eisenberger Verbandsgemeinde-Verwaltung, das Waldschwimmbad aufgrund Personalmangels sowohl am 20. und 27. Juli zu schließen, sorgte bei dem einen oder anderen verhinderten Badegast für Empörung. Und die brach sich unter anderem auch in der Dorffunk-App Bahn. „Personalnotstand Schwimmbad Eisenberg! Komisch – von den Schwimmbädern in Hettenleidelheim, Altleiningen, Grünstadt oder Winnweiler habe ich von einem Notstand noch nie etwas gehört“, machte dort ein Nutzer seinem Unmut Luft und es entbrannte eine lange, über Tage währende Diskussion. „Das kommt halt, wenn die Stadt einen Bürgermeister hat, der vor lauter Sparen Leute abbaut und alles in Eisenberg verkommen lässt!“, ätzte ein weitere User, obwohl Stadtbürgermeister Peter Funck (FWG) ja gar nichts mit dem Bad zu tun hat.
Christopher Krill konnte sich das nicht lange anschauen, versuchte, im Dorffunk die Wogen zu glätten, zu erklären. Etwa, dass das Bad von der Keep (und damit letztlich von der Verbandsgemeinde) und nicht von der Stadt betrieben werde. Und dass im Bad auch nicht Personal eingespart worden sei.
Vom Büro an den Beckenrand
Krill ist als Mitarbeiter der Verbandsgemeinde Eisenberg für den Tourismus zuständig und hat in dieser Rolle auch mit dem Waldschwimmbad zu tun. In den vergangenen Wochen sogar noch viel mehr als sonst. „Seit sechs Wochen helfe ich als Beckenaufsicht aus“, sagt Krill, der dafür eigens in einem Crash-Kurs den Rettungsschwimmer gemacht hat. Aus eigener Erfahrung kann er daher sagen: Nicht nur digital ist der Ton scharf, sondern auch im Analogen. „Es ist schon manchmal unglaublich, was sich das Team anhören muss. Riesen-Respekt vor der Mannschaft, die da immer freundlich bleibt“, lobt er seine Kollegen. Auch deswegen habe er sich online vor die Crew des Waldschwimmbads stellen wollen. „Sie leisten wirklich viel“, sagt er. Zumal man mittlerweile auch Aufgaben übernehme, die eigentlich gar nicht ins Betätigungsfeld fallen. „Man ist ja mittlerweile auch Servicekraft, hilft den Leuten beim Aufbau oder Abbau der Schirme. Auch das wird erwartet“, so Krill. Derzeit habe das Waldschwimmbad zwei festangestellte Bademeister, einen Azubi und zwei Aushilfskräfte, wobei es auch da eine personelle Fluktuation geben wird. „Daher gibt es nun drei kurzfristige Badeaufsichtsaushilfen“, so Krill.
Es feht an Personal
Das Hauptproblem des Waldschwimmbads ist aber gar nicht unbedingt die Situation bei den Bademeistern, sondern bei den fehlenden Fachkräften für Bäderbetrieb, die sich vor allem um die Technik kümmern. Sie warten beispielsweise Filteranlagen, testen die Wasserqualität , helfen dann auch noch bei der Beckenaufsicht. Nur zwei solcher Fachkräfte sind derzeit in der Mannschaft des Waldschwimmbads, schon jetzt seien diese maximal ausgelastet, so Bürgermeister Bernd Frey (SPD) vor wenigen Tagen zur Begründung, warum das Waldschwimmbad vergangenen und diesen Mittwoch schließen werde. „Wir können und wollen die Mitarbeiter im Schwimmbad nicht über die gesetzlichen Grenzen hinaus belasten“, so Frey zur RHEINPFALZ. Entlastung erhofft er sich zum 1. August, zu diesem Termin hat eine neue Fachkraft ihr Kommen versichert. Auch zum 1. September soll eine weitere Fachkraft hinzustoßen, was zwar für diese Saison nicht mehr viel hilft, dafür für die kommende optimistischer stimmt.
Kein exklusives Eisenberger Problem
Das Problem des Personalmangels hat das Eisenberger Waldschwimmbad nicht exklusiv. Zwar gibt es in den Freibädern in Hettenleidelheim und Altleiningen tatsächlich genügend Personal, und auch in Grünstadt ist die personelle Lage gut (wir berichteten). Anderswo drückt aber tatsächlich der Schuh. So wurden in diesem Sommer in vielen Schwimmbädern der Westpfalz die Öffnungszeiten gekürzt. Seit Jahren wird deutschlandweit über einen Mangel an Schwimmbadpersonal berichtet – und er scheint sich immer weiter zuzuspitzen, auch angefeuert durch die Corona-Pandemie. Bundesweit fehlen rund 3000 Fachkräfte, meldete unlängst die Nachrichtenagentur dpa, das Recherchenetzwerk Deutschland geht sogar von noch höheren Zahlen aus, da die letzte echte Erhebung vor der Pandemie gemacht worden sei. Der rheinland-pfälzische Landesvorsitzende des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister, Michael Schreiner, zeichnete für die „dpa“ auch ein pessimistisches Zukunftsbild. Demnach stammten viele Fachkräfte aus den Jahrgängen 1958 bis 1962 und gingen auf Sicht in Rente. „Dann wird es sehr, sehr große Lücken geben“, so Schreiner zur Nachrichtenagentur. Und die Ausbildungszahlen seien derzeit auch nicht rosig.