Donnersbergkreis Von wegen langweiliges Dorfleben
RHEINPFALZ-Sommerredaktion: Die jungen Menschen zieht es weg aus den Dörfern. Junge engagieren sich nicht in den Gemeinden. Aussagen, die immer wieder zu lesen sind. Dass dem im Donnersbergkreis nicht überall so ist, wurde in der Sommerredaktion deutlich. Da haben sich junge Menschen begeistert vom Dorfleben gezeigt – zur Freude der Bürgermeister.
. Leben in einer großen Stadt – nein, für die neun jungen Menschen aus Bolanden, Rüssingen und Einselthum, die am Mittwochabend der Sommerredaktion am Kelterhaus im Kirchheimbolander Schlossgarten einen Besuch abgestattet haben, käme das nicht in Frage. Demografischer Wandel? Ausbluten der Ortsgemeinden? Natürlich haben die Jungen auch davon gehört. Doch sie sind überzeugt: Das Leben in den Dörfern hat einiges zu bieten. Die 20-jährige Cinderella Britzius aus Einselthum studiert in Mainz. Deswegen in die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt ziehen will sie aber nicht. „Viele Studenten fahren nach Mainz. Für mich sind die Verbindungen über Monsheim top“, sagt Britzius, die auch Zellertaler Weinprinzessin und Mitglied der Einselthumer Kerwejugend ist. Das Engagement der Jungen lobt Ortsbürgermeisterin Marion Baumrucker: „Unsere Jugendlichen engagieren sich in vielen Bereich, organisieren die Kerwe oder helfen bei Arbeiten am Freizeitgelände.“ Und sie haben auch einen Stand bei der Einselthumer Weinkerwe, die am Wochenende stattfindet, wie die 16-jährige Lena Awenius verrät. „Wir engagieren uns dort, um die Tradition der Weinkerwe aufrecht zu erhalten“, sagt das Mitglied der Kerwejugend. Auf dem Parkplatz von Wellers Weinhäusel wird es auch Musik geben. Heute Abend spielt dort eine Band, morgen legt DJ Achim auf, berichtet Britzius. „Die Feste in Einselthum sind uns sehr wichtig“, sagt die Weinprinzessin. Seit fünf Jahren ist sie bei den Kerweborsch und -mädels. 30 Mitglieder haben diese derzeit. „Wir helfen gerne in der Gemeinde mit, wenn was anfällt“, erzählt der 17-jährige Jonas Ernst. Aktive junge Menschen gibt es auch in Bolanden. „Generell haben wir bei uns im Ort viele aktive Vereine, manche davon haben auch eine ganz junge Vorstandschaft“, berichtet Ortsbürgermeister Armin Juchem. Die Kerweborsch beispielsweise stellen selbst Veranstaltungen auf die Beine. „Wir versuchen, gut und sinnvoll zu wirtschaften, damit wir weiter so feiern können“, sagt der 24-jährige Thomas Steele, der auch beim TuS Bolanden aktiv ist. Am 25. November kommt so zum Beispiel die „Barbed-Wire“-Showband in die Werner-von-Bolanden-Halle. Lukas Klag (26) ist ebenfalls Mitglied bei den Kerweborsch und aktiver Fußballer beim TuS. Warum es ihn nicht aus der Ortsgemeinde wegzieht? „Es ist einfach Bolanden, der Ort ist aktiv!“, lautet seine Antwort. Aktiv ist auch Matthias Mergel (23). Nicht nur als Radballspieler, sondern auch als Schriftführer des Radfahrervereins „All-Heil“ Bolanden. Silvia Fuhrmann kümmert sich sogar um den Nachwuchs – den Kinderchor Donnersberger Spatzen, der 2011 gegründet wurde. „Anfangs waren es sechs Kinder“, erinnert sich Fuhrmann. Mittlerweile sind es über 20 – nicht nur aus Bolanden. Froh ist sie über die Unterstützung der Kreismusikschule und des Chors „Voices“. Bei dessen Konzerten dürfen die fünf bis elf Jahre alten Kids auch manchmal auftreten. „Für die Kleinen ist das natürlich toll, mit den Großen zu singen.“ Auch der 30-jährige Jens Geißler fühlt sich wohl in Bolanden, baut dort sogar ein Haus. Er ist bei der freiwilligen Feuerwehr aktiv – genau dort mangelt es jedoch an Nachwuchs, wie Geißler verrät. Anderen Gruppierungen im Ort geht es besser. Beim TuS spielen 130 Jugendliche Fußball, berichtet Ortsbürgermeister Juchem. Er ist überzeugt: „Mit den Jugendlichen kann die Attraktivität eines Ortes aufrecht erhalten werden. Wir sind stolz auf unsere Jugendlichen!“ Ein großes Plus von Bolanden zählt der Beigeordnete Hugo Paul auf: „Wir haben zwei Kindertagesstätten, eine Ganztagsgrundschule und ein Gymnasium. Und die Schulen in Kirchheimbolanden sind auch um die Ecke. Für junge Familien ist das interessant.“ Interessant und gefragt ist auch Rüssingen. „Wir sind ein Ort, der noch wächst“, sagt der Beigeordnete Engelbert Hofrichter. 18 Vereine und Gruppierungen gibt es im Dorf. „Da brauchen Sie dann auch die Jugend.“ Besonders freut es ihn, dass diese auch Traditionen hochhält, beispielsweise den Stabausumzug. Einer der aktiven jungen Menschen in Rüssingen ist Maximilian Kasper (19), der seit vier Jahren bei den Kerweborsch ist und gerade sein Abitur gemacht hat. Für ihn steht fest: „Ich bleibe in der Umgebung.“ Auch bei der Feuerwehr ist Kasper Mitglied und für den TuS Rüssingen zudem noch Schiedsrichter. Traditionen, sagt er, sind wichtig. „Aber auch, immer wieder neue Ideen reinzubringen.“ So wurde in Rüssingen im vergangenen Jahr beispielsweise die Kerweausgrabung neu gestaltet. Natürlich ziehen Junge auch mal aus den Dörfern weg. „Viele kommen aber wieder zurück, gründen eine Familie, bauen“, sagt Marion Baumrucker. Und es habe sich bewährt, den Jugendlichen Verantwortung zu übertragen. In Einselthum sei es beispielsweise ein großes Thema gewesen, ob man Alkohol im Jugendraum zulasse. Letztlich habe man sich dafür entschieden. Wird der Raum verlassen, ist der Alkohol wegzuschließen. „Es funktioniert“, sagt die Ortschefin. „Das Gemeinsame ist das, was das Dorfleben auszeichnet“, sagt Hofrichter. Jung kann durchaus mit Alt. Juchem stimmt dem zu: „In einer Ortsgemeinde ist der Zusammenhalt da – in Berlin kennt man seinen Nachbarn nicht.“ Fehlt den jungen Menschen aber nichts auf dem Dorf? „Eine Kneipe“, sagt Thomas Steele. So wird sich dann halt mal auf der Bolander Burg getroffen und ein Bierchen gezischt. „Solange der Müll am Ende weg ist...“, sagt der 24-Jährige. Übrigens: Die Kerweborsch in Bolanden packen sogar bei der Restaurierung der Burg mit an – und haben diese mit einem kleinen finanziellen Beitrag unterstützt. Die Runde zeigt: Dorfleben muss auch für junge Leute nicht langweilig sein. Ein gutes Zeichen – für die Zukunft der Gemeinden im Donnersbergkreis. |ssl