Donnersbergkreis Ungewöhnliche Klangwelt reizt
«Winnweiler.» Es war erst das zweite Konzert des Lionsclub Winnweiler an dieser historischen Stätte der idyllisch gelegenen Kreuzkapelle – oberhalb von Winnweiler und mit traumhaftem Ausblick. Und doch schon so etabliert, dass für den riesigen Ansturm am Samstag noch zusätzliche Bänke und Stühle herbeigeschafft werden mussten. Ein Luxusproblem jedes Veranstalters!
Weiterhin verbreitete das hochspezialisierte Ensemble „RicciCapricci“ in dieser pittoresken, 1728 von Baron von Langen errichteten Wallfahrtskirche den einstigen höfischen Glanz und entführte bei hauptsächlich italienischen Komponisten in die für uns ungewöhnliche Klangwelt des 14. bis 17. Jahrhunderts. Dabei verwenden sie neben einer fundierten Kenntnis der historischen Aufführungspraxis auch die originalen (nachgebauten) Klangmittel, die für ungewöhnliche Klangreize sorgen: historische Blockflöten von Sopran bis Bass (Christiane Herr und Kirsten Christmann) sowie Mittelalterlaute, Barockgitarre und Theorbe – eine tiefe Laute mit zwei Hälsen und doppeltem Wirbelkasten. Ebenfalls meisterhaft gespielt von Francesco Tomasi und komplettiert von Michael Beilschmidt, der den Basspart des damals aufkommenden Generalbasses (Basso continuo) nicht – wie heute üblich – auf dem Violoncello, sondern auf einer Viola da Gamba gestaltete. Und dazu noch den Rhythmus bei tänzerischen Stücken wie Saltarello oder Tarantella mit verschiedenen Perkussionsinstrumenten der Zeit lebendig unterstützte. Aufgrund des ständigen Wechselspiels auf „allerley Instrumenten“ (wie damals verlautet) und die spielerische Vielseitigkeit der Ausführenden entstand trotz der Konzentration auf eine zeitliche Achse (Musik vor und nach dem Stilwandel um 1600) eine sehr abwechslungsreiche Darstellung von höfischen Tänzen, Kanzonen (liedhafte Komposition für Instrumente) und Kunstformen wie Passacaglia. Die gedeckten Klangfarben (Holzblockflöte anstelle von heutigen Querflöten in verschiedenen Metallen und Legierungen), die tiefere historische Stimmung und die feinere, plastische Artikulation bewirken eine mehr analytisch aufgespaltene und durchsichtigere Musik als heute. Und sie erklingt in einem verhaltenen Klangzauber und nicht in der Strahlkraft und Klangfülle heutiger Ensembles. Feine Artikulationsunterschiede und dezente Nuancierung treten dabei an die Stelle des romantischen Klangbildes. Die Oberstimmen zeigten bei dieser Vielfalt an historischen Ausdrucksformen eine dialogische Verbundenheit und in der Figurierung und Kolorierung der Blockflöten eine erstaunliche Virtuosität – was die Ausführenden mit hoher Griffsicherheit und klarer, intonatorisch lupenreiner Tongebung realisierten. Das Ausgestalten von Basslinien oder Harmoniefolgen mit spielerischen Auflockerungen durch „Füllnoten“ wie Durchgangs-Wechselnoten und freie Umspielungen beherrscht das Ensemble, setzt es aber nicht zum reinen Selbstzweck der Eigendarstellung ein. Das aus dem Karlsruher Raum stammende Ensemble hat durch die in Kaiserslautern geborene Musikerin und Pädagogin Kirsten Christmann eine intensive Verbindung zur Pfalz und wirkte so bei Projekten Alter Musik zusammen mit dem Klassischen Chor der Technischen Universität Kaiserslautern mit. In verschiedensten Besetzungen und Konzertprogrammen zeigte sich bislang eine große interpretatorische Solidität und auch in der Kreuzkapelle wirkten alle Beiträge präzis und konzis in der detaillierten Ausgestaltung und synchron im harmonischen Zusammenspiel.