Rockenhausen
Unfallzahlen gestiegen: Es kracht wieder öfter auf nordpfälzischen Straßen
Autofahrer gucken vorm Anlassen öfter zu tief ins Glas, werfen sich allerdings seltener berauschende Mittelchen ein. Sie rasen nicht mehr so arg, halten aber weniger Abstand zum Vordermann: All diese Aussagen ließen sich – bei allzu leichtfertiger Betrachtung – beim Blick auf die Unfallstatistik der Polizeiinspektion (PI) Rockenhausen treffen. Aber: Diese Schlüsse zu ziehen, ist nicht zulässig. Denn dafür sind die Zahlen zu „klein“.
Ein Beispiel: Die Anzahl der Unfälle, die auf Drogenkonsum zurückzuführen sind, ist um die Hälfte gesunken. Dies aber sei kein Anlasse zum Jubeln, relativiert es sich doch angesichts der geringen Fallzahl: 2022 waren drei Unfallfahrer wegen vorangegangenen Konsums berauschender Substanzen nicht fahrtüchtig. Im Jahr zuvor waren es deren sechs, also auch nicht auffallend viele. Weiteres Beispiel: Die Anzahl der Unfälle mit Beteiligung von Fahrradfahrern ist um 12,5 Prozent gesunken – von acht auf sieben.
„Steigerung nicht besorgniserregend“
Dieses statistische Problem der kleinen (Fall-)Zahl ist selbstredend auch Norbert Völker geläufig. Und deshalb hält sich der Sachbearbeiter Einsatz/Verkehr bei der PI Rockenhausen auch geflissentlich zurück, die Unfallstatistik über- oder unterzubewerten. „Grundsätzlich hat sich wohl wenig verändert“, so Völkers Einschätzung. Auch die Tatsache, dass sich das Unfallaufkommen im vergangenen Jahr erhöht hat, sei deswegen nicht allzu besorgniserregend, so der Verkehrsfachmann.
Die Rockenhausener Inspektion ist zuständig für den Westteil des Donnersbergkreises, für die Menschen in den Verbandsgemeinden Nordpfälzer Land und Winnweiler. Zwischen Niedermoschel und Wartenberg-Rohrbach, Rudolphskirchen und Breunigweiler leben auf rund 355 Quadratkilometern Fläche in 49 Gemeinden gut 31.000 Menschen.
Unter Werten von „Rekordjahr“ geblieben
Auf den Straßen und sonstigen Verkehrsflächen – auch Parkplätze gehören dazu – im Verantwortungsbereich der PI haben sich nun im vergangenen Jahr 1040 Verkehrsunfälle ereignet, die bei der Polizei aktenkundig geworden sind. Damit ist die Anzahl wieder auf einen vierstelligen Wert gestiegen. 2021 waren „nur“ 996 Unfälle registriert worden.
Der aktuelle Wert aber relativiert sich: Denn er lag schon mal höher. Im „Rekordjahr“ 2018 hatten die Beamten im PI-Dienstbezirk sogar 1054 Unfälle bearbeiten müssen. Zwischenzeitlich gab es eine Delle: In den Jahren 2020 und 2021 lag die Gesamtanzahl niedriger. Wie kommt’s?
Wildunfälle machen fast die Hälfte aus
Es herrscht allgemeine Übereinkunft in der Einschätzung, dass sich die Steigerung wohl auf die Auswirkungen der Pandemie zurückführen lassen. Auch wenn es wohl schwerlich zu beweisen ist: Das gegenüber den zwei Vorjahren wieder merklich gestiegene Verkehrsaufkommen im vergangenen Jahr dürfte zu dem Plus an Unfällen geführt haben. Werde wieder mehr gefahren, steige damit auch die Wahrscheinlichkeit, in einen Unfall verwickelt zu werden, sagt denn auch Norbert Völker.
Unter den 1040 Verkehrsunfällen waren 492 sogenannte Wildunfälle, vier weniger als im Jahr davor. Damit bewegen sich die Zusammenstöße mit Wildtieren von der Anzahl her nach wie vor auf hohem Niveau. Wo viele Straßen durch Wälder oder vorbei an unbebauten Freiflächen führen, verwundert das indes kaum.
Motorradfahrer lässt auf B48 sein Leben
Von 90 auf 94 gestiegen ist die Anzahl der registrierten Personenschäden. 21 Verkehrsteilnehmer wurden bei Unfällen schwer verletzt (ein Mensch weniger als 2021), 72 kamen mit leichten Blessuren davon (2021: 68). Allerdings gab es erstmals seit drei Jahren wieder einen Verkehrstoten zu beklagen. Im Juli war auf der B48 bei Alsenz ein 56 Jahre alter Motorradfahrer gestorben, nachdem ihn ein Auto erwischt hatte, dessen Fahrer auf die Gegenfahrbahn geraten war. Das Opfer stammte aus Nordrhein-Westfalen.
Häufigste Unfallursachen waren laut Polizei erneut Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren (162 Unfälle) und zu geringer Sicherheitsabstand (153). Zu hohes Tempo gilt als eine der Hauptursachen. Was das betrifft, ist die Anzahl merklich gesunken. 2022 waren 86 Unfälle auf unangepasste Geschwindigkeit zurückzuführen, im Jahr davor waren es noch deren 99.
Unfallflucht: Aufklärungsquote weiter hoch
Von 13 auf 16 gestiegen ist die Anzahl der Alkoholunfälle, gesunken, wie erwähnt, die der Unfälle unter Drogeneinfluss. Stark zugenommen hat indes die Anzahl der Fahrerfluchten: In 157 Fällen machten sich Verursacher aus dem Staub, ohne sich um die Folgen (meist Blechschäden) zu kümmern. 2021 waren es 135. Gut die Hälfte der Sünder aber hat die Flucht noch bereut: Die Polizei verweist darauf, dass 51,6 Prozent der Unfallfluchten aufgeklärt werden konnten.