Donnersbergkreis
Umsatzrückgang im Einzelhandel: Eine Frage der Maske?
„Durch die Corona-Krise ist unser Umsatz um etwa 50 Prozent eingebrochen“, sagt Jürgen Heck vom Modehaus Heck in Kibo sehr schnörkellos. Dass sich diese Zahl bald ändern könnte, sei aktuell nicht absehbar, „Vielleicht gehen die Verkaufszahlen noch ein bisschen hoch“, meint Heck, „aber nicht viel.“ Besonders hart getroffen hat das Modehaus, dass der sonst so umsatzstarke Verkauf der Frühlingsware in diesem Jahr zum „Totalausfall“ wurde. Für insgesamt fünf Wochen mussten die Hecks ihr Geschäft aufgrund der Corona-Pandemie schließen.
Zwar sei man unmittelbar nach der „Wiedereröffnung“ noch halbwegs optimistisch gewesen. Geändert habe sich dies jedoch, als der Effekt der Maskenpflicht deutlich wurde: „Einkauf ist Emotion“, sagt Michaela Heck, „der Kunde will sich wohlfühlen“. Statt entspannter Einkaufsatmosphäre löse das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes beim Kunden aber eher folgende Reaktion aus: „Ich komm’ lieber wieder, wenn ich das Ding nicht mehr tragen muss.“ Auch fehlten die zahlreichen Festivitäten anlässlich derer sich Kunden gerne neu einkleiden, betont die Geschäftsfrau. Wie die kommende Saison laufe, lasse sich im Moment kaum abschätzen. Alleine sind die Hecks mit diesem Problem offensichtlich nicht: „Die Industrie hat auf die derzeitige Situation bereits reagiert und die Orderphase für die nächste Frühjahrskollektion – um die drehen sich unsere Planungen derzeit – vier bis sechs Wochen nach hinten verschoben.“
Düsterer Blick in die Zukunft
Bittet man Jürgen Heck als Sprecher von ProKibo (ehemals Verkehrsverein Kirchheimbolanden) um einen Blick in die Zukunft, dann zeichnet er ein düsteres Bild: „Die Innenstädte werden sich massiv ändern“, glaubt er. „Solange Staatshilfe in Anspruch genommen werden kann, werden die meisten Ladengeschäfte wohl noch durchhalten.“ Sollte diese Hilfe aber irgendwann enden und der Umsatz sich nicht wieder in Richtung normales Niveau entwickeln, dann werde das vielen Händlern das Genick brechen. Heck: „Die Situation in der sich der Einzelhandel befindet, wird in den Medien noch längst nicht so dramatisch dargestellt, wie sie de facto ist.“
Das Sanitätshaus Kaiser in Kibo musste aufgrund der Corona-Pandemie nie zwangsweise schließen, denn es galt, die flächendeckenden Grundversorgung mit medizinischen Hilfsmitteln durchgängig zu gewährleisten. Von „deutlich weniger Kundenverkehr in der striktesten Zeit des Lockdowns“, erzählt jedoch Kerstin Kimmel, die Teamleiterin. Nach wie vor habe man die Kundenfrequenz von vor der Krise nicht wieder erreicht. Auch Kimmel nimmt wahr, dass die Kunden aufgrund des vorgeschriebenen Tragens eines Mund-Nasen-Schutzes deutlich verhaltener konsumieren und vor allem die Anprobe meiden. Der Sanitätshausbereich laufe gut, aber der Verkauf von Wäsche gestalte sich im Moment eher schwierig. Alles was die Leute sich normalerweise „für’s Herz“ kauften, gehe derzeit nicht so gut.
Die wohl größte Problematik im Sanitätshausbereich dürfte sich jedoch eher „hinter den Kulissen“ und nicht so sehr an der Ladentheke abgespielt haben. „Wochenlang wurden ja so gut wie alle Standard-OPs abgesagt“, sagt Kimmel. Da Sanitätshäuser aber insbesondere den Übergang zur postoperativen Versorgung gewährleisten, habe es in diesem Bereich große finanzielle Einbrüche bei der Produktnachfrage gegeben.
Dass manche Kunden durchaus gezielt beim lokalen Einzelhandel kaufen, davon berichtet Stefanie Mork, Inhaberin von Elektro-Geräte Mork in Rockenhausen. „Letztens kam ein junger Mann in mein Geschäft und wollte ein ganz bestimmtes Handy kaufen“, erzählt Mork, „und er hat es letztlich bewusst bei mir erworben, obwohl es bei einer großen Elektronik-Fachmarktkette wohl günstiger zu haben war.“ Die allgemeine Lage nimmt Mork derzeit so wahr: Morgens ist viel los, nachmittags ist die Stadt relativ leer; dass am Ende des Monats deutlich weniger konsumiert wird, sei deutlich zu spüren. Für „finanzielles Sicherheitsdenken“ bei den Kunden hat Mork aber Verständnis: „Viel sind derzeit in Kurzarbeit und überlegen zweimal, ob und was sie konsumieren.“ Über ihre eigene Situation sagt die Geschäftsfrau: „Mein Umsatz entspricht nicht dem, was ich vor der Corona-Krise hatte, aber ich komme klar.“
Möglicherweise wieder kürzere Öffnungszeiten
Auch für Floristin Jutta Germer-Heusser, die in Rockenhausen ein Blumengeschäft führt, ist die Situation „nicht existenzsbedrohend“. Aber nur, wie sie im Gespräch mit der RHEINPFALZ betont, weil das Haus, in dem sich ihr Ladengeschäft befindet, ihr Eigentum sei und so keine Miete anfalle. „Keine Geburtstage, keine Hochzeiten, keine Beerdigungen“, fasst Germer-Heusser die Gründe für Umsatzeinbußen im Floristikbereich während der vergangenen Wochen zusammen. Zwar würden Balkonpflanzen aktuell ganz gut verkauft, doch auch nach den Lockerungen bleibe die Situation schwierig: „Vor allem nachmittags ist so gut wie nichts los.“ Noch wolle sie weiter abwarten, aber es gebe bereits Überlegungen, die Öffnungszeiten des Blumengeschäfts in den Sommerferien wieder einzuschränken. „Die Leute gehen im Moment am liebsten einmal in den Supermarkt einkaufen und besorgen sich dort auf einen Schlag das, was sie benötigen“, beschreibt Germer-Heusser ihren persönlichen Eindruck.
Thomas Löbler, Inhaber des Spielzeugparadies Burglädchen in Winnweiler, wird dieses Geschäft schließen. Allerdings nicht als Folge der Corona-Krise, wie er betont: „Die Schließung stand bereits vorher fest.“ Seinen Internethandel, der zu 90 Prozent auf Second-Hand-Ware im Modellbahnbereich basiere, will Löbler jedoch weiterführen. 50 bis 60 Prozent Umsatzsteigerung habe er in diesem Geschäftsbereich seit Beginn der Corona-Krise verzeichnen können.
„Für die Branchen des Einzelhandels läuft es möglicherweise unterschiedlich, denn der Markt ist abhängig vom Preisgefüge“, glaubt Löbler. Hochpreisige Verkaufssegmente seien derzeit womöglich weniger nachgefragt, und auch das „Bummeln“ falle weg. Die Zeiten, in denen man loszog und eigentlich nichts kaufen wollte, aber mit zwei vollen Tüten nach Hause kam, seien vorbei, sagt Löbler.
„Händler halten für Kunden kaum Masken bereit“
Er selbst hat sein unternehmerisches Risiko insofern minimiert, dass er mehrere Standbeine hat: Zusätzlich zum Internethandel im Spielwarenbereich, betreibt er in Winnweiler auch ein Solarium, ein Juweliergeschäft und eine Versicherungsagentur. Was ihn ärgert? Dass Einzelhändler für ihre Kunden kaum Masken bereithalten würden. „Die kosten mich 50 Cent im Einkauf und sind eine gute Möglichkeit, all jene in die Geschäfte zu bekommen, die keine eigene Maske dabei haben.“
Dass Kunden immer häufiger aber gar nicht bereit sind, einen Mund-Nasen-Schutz überhaupt aufzuziehen, davon berichtet Gunter Franck, der in Winnweiler die Buchhandlung Franck betreibt. „Ehrlich gesagt, dachte ich, die Leute gewöhnen sich an den Mund-Nasen-Schutz“, sagt Franck, „stattdessen sind aber deutliche Ermüdungserscheinungen erkennbar.“ Für ihn als Geschäftsinhaber sei es nicht immer leicht, dem zu begegnen. Er wolle seine Kunden ja auch nicht vergraulen. Da Francks Buchhandlung auch eine Zeitschriftenabteilung hat, musste er während des Corona-Lockdowns seinen Laden nicht schließen. Es seien „viel weniger Kunden“ gekommen, doch hätten die, „die da waren, mehr gekauft.“ Gesunken sei der Umsatz aber dennoch. Auch, weil Schreibwaren aufgrund geschlossener Schulen sehr rückläufig gewesen seien. Aktuell möchte er seine eigene unternehmerische Situation wie folgt beschreiben: „Wir werden wohl mit einem blauen Auge davonkommen.“
Gunter Franck ist auch Vorsitzender der Werbegemeinschaft Winnweiler und in dieser Funktion berichtet er, dass wohl einige Händler Soforthilfe beantragt hatten, aber nicht jeder diese auch bewilligt bekam. Franck: „In den vergangenen Wochen gab es diesbezüglich leider so gut wie keinen Informationsfluss, denn alle Veranstaltungen und Sitzungen der Werbegemeinschaft wurden abgesagt.“