Donnersbergkreis „Ultrasport ist auch egoistisch“

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Bad Dürkheim. Als disziplinierter Ausdauersportler hat sich Joey Kelly einen Namen gemacht. Am Donnerstag hält der 44-Jährige auf Einladung des Bad Dürkheimer Lions-Clubs in der Salierhalle einen Vortrag. Im Interview spricht er über ein Kurz-Comeback der Kelly-Family, Auftritte im Fernsehen und darüber, wie ihm seine Frau den Rücken frei hält.

Herr Kelly, was sagen Sie Leuten, die Sie nach ihrem Beruf fragen?

Ich sage in der Regel, dass ich Unternehmer bin. Ich bin selbstständig und habe sechs angestellte Mitarbeiter. Wir arbeiten intensiv mit anderen Firmen zusammen. Zum Beispiel zu den Themen Gesundheit und Mitarbeitermotivation. Es geht aber auch um die Zusammenarbeit mit Medien und um Sportprojekte. Profitieren Sie da noch von dem Namen Kelly? Ultramarathonläufer und Extremsportler gibt es ja einige. Ich glaube schon. Ich habe früher ein bisschen Musik gemacht. Durch die Präsenz der Kelly-Family hat man natürlich einen Namen. Ich habe die letzten 20 Jahre viel Ausdauersport gemacht. Sie würden wahrscheinlich mit Herrn Müller oder Herrn Meier kein Interview machen über einen Vortrag, der von sinnlosen Wettkämpfen handelt. Ultrasport ist kein Fußball, das interessiert weniger Leute, aber das ist okay. Ein Lebensabschnitt war die Kelly-Family. Romantische Menschen warten darauf, dass Sie wieder auf Tour gehen. Gibt es das große Comeback der Family? Ich weiß nicht, ob Sie das gesehen haben, aber wir machen im Mai drei Konzerte. Mein Bruder Angelo hat mich gefragt, ob ich mit der Familie ein Konzert machen würde in Dortmund in der Westfalenhalle. Ich habe gesagt, dass ich gerne für ein Konzert dabei bin. Im Vorverkauf war dann die Westfalenhalle nach 17 Minuten ausverkauft. Zwei weitere Tage dort waren auch nach wenigen Stunden ausverkauft. Mit jeweils über 10.000 Menschen. Ich war auch sehr überrascht, aber es ist eine einmalige Geschichte, ansonsten mache ich keine Musik mehr. Man sieht Sie häufig im Fernsehen. Sind die TV-Auftritte mehr Job oder mehr Hobby? Fernsehen bringt wenig Einkommen. Die Sender zahlen so gut wie gar nichts. Aber es ist eine gute Plattform, um meine Dinge weiter zu transportieren. Wann haben Sie diese Lust entwickelt, sich mit Sport so intensiv zu befassen und als deutscher „Forest Gump“ durch die Gegend zu laufen? Ich habe das 1996 für mich entdeckt. Für mich war das damals ein optimaler Ausgleich. Laufen als Ventil gegen Stress. Ich durfte unser Familienunternehmen zehn Jahre als Geschäftsführer führen. Eigentlich war es ein Zufall. Ich habe gewettet, dass ich einen Volkstriathlon schaffe. Ich habe damals im Ziel geschworen, dass ich das nie wieder mache, aber einige Tage später festgestellt, dass mir das etwas gebracht hat. Ich habe jetzt gleich einen geschäftlichen Termin und danach gehe ich meine zweieinhalb Stunden laufen. Ich freue mich darauf. Das Abendessen schmeckt dann doppelt so gut. Sie haben ja Erfahrung: Kann man jeden körperlichen Schmerz mit mentaler Kraft überwinden? Nein, nicht jeden. Schmerz ist auch ein Signal des Körpers, auf das man hören sollte. Aber natürlich muss man sich bei einem 100-Meilen-Lauf auf den letzten 30 Kilometern quälen. Ich bin auch bei manchen Wettkämpfen geplatzt und habe mich mit dem Kopf ins Ziel gebracht. Wie lange kann man das machen, was Sie da tun? Das hat ja auch was von Survival-Training. Man müsste wohl Rüdiger Nehberg fragen. Der Rudi ist jetzt 80. Wenn man fit bleibt, kann man die Survival-Sache lange machen. Ich bin jetzt 44. Was den Ultrasport anbelangt, wäre ich froh, wenn ich noch fünf bis zehn Jahre Wettkämpfe bestreiten darf. Das wäre ein Traum. Was mich später reizen würde, das sind die Berge. Was ist Ihre nächste große Herausforderung in diesem Jahr? Es gibt den Hamburg-Marathon, den Mainzer Marathon, dann mache ich das „Race across America“ im Juni. Das Radrennen habe ich schon dreimal gemacht. Dann mache ich im Sommer den Deutschland-Lauf von der Ostsee bis zur Zugspitze. Im Herbst ist Köln-Halbmarathon und dann Frankfurt-Marathon. Dann mache ich im November wie jedes Jahr den 24-Stunden-Spendenlauf. Und wie vereinbaren Sie das alles mit ihrer Familie? Ich bin bisher noch nicht verlassen worden. Ich rede in der Öffentlichkeit nicht über meine Kinder, aber wenn man nach 20 Jahren noch zusammen ist, dann ist man ein gutes Team. Meine Frau hält mir den Rücken frei. Bei vielen Ultrasportlern leidet die Beziehung, weil es natürlich auch einseitig und egoistisch ist. Termin Joey Kelly: „No Limits – Wie schaffe ich mein Ziel?“ Donnerstag, 12. Januar, 19.30 Uhr, Salierhalle Bad Dürkheim | Interview: Stephan Alfter

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