Donnersbergkreis „Tolle Truppe, tolle Stimmung, tolle Strecke“

Großer Ansturm auf die Startnummern beim 1. Hinkelstein-Wandermarathon: Dass 245 Läufer beim Rennen am Sonntag an die Startlinie gehen würden, haben die Veranstalter wohl nicht gedacht. Denn auf der Strecke blies ein eisiger Wind. Doch die Ausdauersportler ließen sich die gute Laune nicht davonwehen. Los ging’s an der Abteikirche in Otterberg. Von hier führten die 42 Kilometer am Rand der Mehlinger Heide entlang, vorbei an historischen Hinkelsteinen und idyllischen Weihern durch das Gebiet der VG Winnweiler zurück nach Otterberg.
„Die ersten haben schon um sieben mit den Hufen gescharrt“, erzählt Carola Ibrom von der Tourist-Information Otterbach-Otterberg. Wer mag es ihnen verdenken, denn das Wetter ist zu Beginn des 1. Hinkelstein-Wandermarathons in Otterberg alles andere als angenehm. Noch einmal richtig frisch ist es geworden, zudem sorgt ein leichter Nieselregen und kalter Wind für echtes Schmuddelwetter. Doch den Rest des Tages wird es zum Glück trocken bleiben und auch die Sonne schaut zum Ende des langen Weges noch einmal hervor. Um 7.30 Uhr ist es soweit, die ersten Starter marschieren los, um die 42 Kilometer lange Strecke durch Wald und über Wiesen anzugehen. Insgesamt müssen die Sportler 700 Höhenmeter überwinden – ein ambitioniertes Vorhaben, denn auch im Wanderschritt ist die Distanz anspruchsvoll. Wanderführer Jürgen Wachowski ist sichtlich zufrieden. Er ist die treibende Kraft bei der Planung und Umsetzung des Marathons gewesen. Seit Monaten arbeiteten er und viele emsige Helfer daran, die Veranstaltung auf gesunde Beine zu stellen – mit großer Unterstützung der Stadt Otterberg und den Verbandsgemeinden Otterbach-Otterberg und Winnweiler. Dieses aufopferungsvolle Engagement hat offenkundig Früchte getragen. Mit dem großen Andrang am Sonntagmorgen hat aber auch er nicht wirklich gerechnet. Am Nachmittag werden 245 Teilnehmer die Strecke passiert haben – deutlich mehr, als man es sich im Vorfeld erhofft hatte. Und trotzdem hat das Organisationsteam jederzeit alles im Griff und die Streckenposten, die seit dem Morgen an sechs Positionen auf dem Parcours in der Kälte verharren, leisten bei der Verpflegung der Läufer ganze Arbeit. Kurz vor 11 Uhr trudeln so langsam die ersten auf dem Vorplatz der Abteikirche ein. Sie sind um 8 Uhr losgelaufen und haben die halbe Distanz im Laufschritt absolviert. Einige bewältigten die 22 Kilometer zum ersten Mal, sind erschöpft, aber glücklich – und auch ein bisschen stolz, dass sie es so schnell geschafft haben. Geübter ist da Bernd Kärcher, der sich gerade seine Urkunde am Organisationszelt abholt. Den anstrengenden Nanstein-Berglauf vom Vortag noch in den Knochen, ist der erfahrene Athlet die 22 Kilometer heute bewusst langsamer angegangen und nutzte den Halbmarathon als Regenerationseinheit. Selbst wenn auch er gut und gerne auf den frischen und kalten Wind hätte verzichten können, von der Strecke selbst ist er begeistert: „Landschaftlich ist das hier einfach super.“ Auch für die abwechslungsreiche Streckenführung, die bei den Teilnehmern im Ziel in aller Munde ist, ist Wachowski verantwortlich. Dass es den Hinkelsteinweg überhaupt gibt, ist maßgeblich ihm zu verdanken, er kennt jeden Zentimeter, schritt den Weg zuletzt am Vortag ab, um penibel die Wegführung am Streckenrand anzubringen. Verlaufen werden sich daher auch an diesem Sonntag nur die allerwenigsten. „Den Marathon kann man auch blind gehen“, witzelt Ralf Augspurger. Der leidenschaftliche Wanderer aus Mannheim hat unzählige Wandertouren gemacht, kennt sich aus in der Szene und organisiert selbst Touren im Schwarzwald. Augspurger ist blind und hat vielleicht auch deshalb ein ganz besonderes Ohr für das, was sich um ihn herum so abspielt. „Das Besondere“, sagt er, „ist diese Ruhe auf der Strecke“. Obwohl so viele Leute unterwegs waren, habe man die natürliche Geräuschkulisse besonders gut wahrnehmen können. Das sei nicht überall so. Mit seinen beiden Begleiterinnen hat er zunächst 19 Kilometer bestritten, nun stärken sie sich auf dem Kirchplatz. Doch Augspurger hält es da nicht lange aus. Er will weiter, den Halbmarathon beenden. Und so machen sie sich wieder auf den Weg. Es ist kurz vor 14 Uhr, als auch Markus Merk mit einer kleinen Gruppe, die die kompletten 42 Kilometer im angenehmen Renntempo gelaufen ist, auf dem Vorplatz einbiegt. „Tolle Truppe, tolle Stimmung, tolle Strecke“, bilanziert der Fußballexperte, ehemalige Schiedsrichter und passionierte Trailläufer. Merk hat mitgeholfen, die Veranstaltung möglich zu machen und ist voll des Lobes: „Für das erste Mal hat alles super gepasst.“ Ob er denn auch im nächsten Jahr wieder dabei sein würde? „Klar, wenn in der Region irgendetwas passiert und ich mich einbringen kann, dann bin ich dabei“, sagt Merk. So sehen es an diesem Nachmittag wohl alle. Es wird daher wahrscheinlich nicht der letzte Hinkelstein-Wandermarathon gewesen sein. (wese)