Donnersbergkreis
Tischtennis: Die Erfolgsgeschichte des TTC Winnweiler
Meister und Aufsteiger der Saison: Drei Aufsteiger in einer Saison – der TTC Winnweiler schreibt weiterhin Erfolgsgeschichte. Warum? Einer klugen Personaltaktik wegen. In den Meisterstatistiken tauchen einige Namen doppelt und dreifach auf. Vor allem die der spielhungrigen Damen. Eine Analyse.
In der pfälzischen Tischtennis-Historie steht der 18. Juni 2016 als der Tag, an dem das Schicksal etlicher Klubs eine entscheidende Wendung nimmt. Schlagartig, möchte man fast behaupten. Es ist ein warmer, sonniger Samstag. Im Kongresszentrum Zweibrücken, gegenüber des weltberühmten Rosengartens, lädt der PTTV zig Delegierte der vier Bezirke zum Verbandstag. Nicht nur Präsidiums-Wahlen stehen an, nein, viel wichtiger: wegweisende Anträge. Man hält was auf sich an jenem Mittag. Vor jedem stehen Kaffee, Säfte und Softdrinks parat, ein PTTV-Kugelschreiber in Edelsilber beschwert als Präsent die Stimmzettel, zwischendurch wird Sekt kredenzt. Dass hier über eine Revolution der Spielordnung entschieden wird, soll jedem bewusst sein. Die wichtigsten Anträge lauten: In höheren Teams des eigenen Vereins soll man so oft aushelfen dürfen, wie man will. Egal, in welcher Mannschaft. Und Frauen unter der 1. Pfalzliga sollen auch bei den Herren aufschlagen können.
Der TTC Winnweiler profitiert
Nach sechs harten Verhandlungsstunden winken die Delegierten die Anträge durch. Und erleichtern damit Dutzenden Pfalz-Klubs die sportliche Wettbewerbsfähigkeit. Auch, wie sich erst Jahre später so richtig klar zeigen wird, dem TTC Winnweiler. „Es gibt wenige Sportarten, wo die Leistungsdichte so eng ist, dass Herren problemlos mit Frauen trainieren und spielen können“, erklärt Alexander Geißler (46), Teamcaptain des TTC IV und Geschäftsführer. „Vor jeder Saison steht man vor neuen Aufgaben. Man muss die Mannschaften stellen, die Schere darf nicht zu weit auseinander gehen.“ Und genau in diesem Punkt nutzte der TTC die 2016 initiierten Regeln für sich. Er feierte nun eine Serie von Aufstiegen. Mal wieder, nachdem die rührige, nimmermüde Arbeit im Winnweilerer Lager um Präsident Gunter Franck (63) seit Jahren Früchte trägt.
In der Spitze passabel aufgestellt ist der TTC schon lange. Die Herren I in der 2. Pfalzliga, die Herren II in der Bezirksliga, die Damen I in der Oberliga. Ohnehin eine Elitestellung im Kreis. Was den Winnweilerern jetzt gelang: die Schluchten zwischen den Spielklassen zu schließen. Indem sie ein undurchsichtiges Netz von ausgeklügelten Personalrochaden spannten. Eigentlich braucht es Zeit, bis ein außenstehender Laie die klubinterne Terminplanung durchschaut. „Das war schon eine Herausforderung für die Mannschaftsführer. Die Stammspieler standen oft nicht zur Verfügung, wir haben da eine unheimlich hohe Fluktuation“, sagt Franck. Umso „erstaunlicher“ sei es, „dass da alles funktioniert“ habe. Man analysiere: Das zweite Damenteam klettert als souveräner Meister in die 1. Pfalzliga – nur eine Niederlage, mit Lea Zielonka die alles dominierende Akteurin der Klasse. Während Francks Herren III in ähnlicher Manier die Kreisliga beherrschten und sich fortan das Etikett Bezirksklasse aufdrücken dürfen, zerrten sich Geißlers Herren IV in der Kreisklasse geradeso auf den „Vize“-Rang, der zum Wechsel berechtigt. Eine Erfolgsgeschichte.
Harmonie innerhalb der Teams
Wieder sind alle Teams fein gestaffelt. Von oben nach unten, alles schön, alles gut. Aber: Personalkomplikationen waren inklusive. Denn hier wird’s verzwickt. Von den Damen halfen fünf bei den Herren III und zwei bei den IVern aus, die halbe Vierte wiederum bei einer Dritten, in der ganze 17 Leute zum Zug kamen (siehe Statistik). Man schiebt, man nimmt, man siegt. Ob taktische Meisterleistung oder einfach Spielernot, das sei mal dahingestellt. Doch irgendwie, da bilden die drei Aufsteiger einen großen, gemischten Haufen. Einen, in dem die Chemie passt und in dem die Captains wohlwollend gegenseitig Empfehlungen aussprechen. „Sagen wir es mal so: In der Vorrunde haben wir festgestellt, dass die Damen ganz gerne bei uns spielen. Bei den Herren wird mehr auf Angriff gesetzt, das liegt ihnen und macht Spaß“, begründet Geißler den Austausch. „Einige Herren haben wir noch aus dem Hut zaubern können. Aber die Damen haben wir definitiv gebraucht“, weiß TTC-Urgestein Franck und gesteht: „Insofern sind die Verbandsregelungen für uns auf jeden Fall gut.“ In jeder Hinsicht. Frauen bei den Herren, unbegrenzter Ersatz, in allen höheren Mannschaften – der TTC profitiert, vermutlich, wie kein zweiter Pfalz-Verein. Und gründet auf der reformierten Spielordnung seinen Triumphzug der jüngsten Jahre.
Eine Story, die auf Grenzen stößt. Was die Damen II angeht, hat es sich ausgewechselt für den TTC. Sein Antrag, auch Spielerinnen der 1. Pfalzliga bei den Herren einsetzen zu dürfen, wurde – „wie soll’s auch anders sein“, klagt Geißler – von den Delegierten des letzten PTTV-Verbandstags abgelehnt. Ein Aufstieg muss nicht immer eine Belohnung sein.