Donnersbergkreis Schwieriger Kampf gegen Schwarzkittel

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Kopfschüttelnd steht der Landwirt vor seinem Acker in der Gemarkung Langmeil. Auch in der vergangenen Nacht haben die Wildschweine wieder ganze Arbeit geleistet und den vor wenigen Tagen eingesäten Acker durchwühlt. Ihm graut vor der üblichen Prozedur, die nun folgt: Jagdpächter anrufen, gemeinsame Ortsbegehung, Schadensermittlung, Meldung an die Verbandsgemeindeverwaltung und, und und. „Zum Haareraufen“, sagt der Landwirt, „da laufen morgens um 10 Uhr vierzig Sauen vor meinem Schlepper über den Acker – aber weit und breit ist kein Jäger zu sehen“. Nicht nur hier verursacht der hohe Schwarzwild-Bestand Probleme. Beobachtungen in unserer Region.

Für die vom Schwarzwild verursachten Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen hat der Jagdpächter finanziellen Ersatz zu leisten. Aber oftmals können sich Bauer und Jagdpächter nicht über die Schadenshöhe einigen. Dann muss ein amtlicher Wildschadensschätzer entscheiden – keine leichte Aufgabe. „Aber es geht auch anders“, fügt der Landwirt, der seinen Namen nicht nennen möchte, an und erläutert: „Es gibt durchaus Pächter, die die ,Sauerei’ vor uns entdecken und uns informieren. Mit denen haben wir auch keine Probleme bei der Schadensregulierung.“ Ähnlich äußert sich Lothar Angne vom Kahlheckerhof: „Ich habe es auf der von mir bewirtschafteten Fläche mit sechs verschiedenen Jagdpächtern zu tun; in der Regel kommen wir ohne Bürokratie miteinander klar.“ Als Vorstand der Winnweilerer Jagdgenossenschaft ist er ohnehin auf einen Ausgleich zwischen Bauern und Jägern bedacht. Revierinhaber Peter Scherne aus Winnweiler hingegen hat eine besonders gefährdete Waldwiese gepachtet. „Das ist auf Dauer günstiger, als ständig Wildschaden bezahlen zu müssen“, meint er. Aber nicht nur für die Landwirtschaft ist das Schwarzwild ein Problem: Fast täglich sind im Verkehrsfunk Meldungen zu hören über Begegnungen beziehungsweise Unfälle mit Sauen auf Landstraßen und Autobahnen. Und in den Randbezirken von Dörfern und Städten verwüsten Wildschweine Hausgärten oder Gräber auf Friedhöfen, durchwühlen Fußballplätze und erschrecken Spaziergänger in Parks. In diesen sogenannten befriedeten Bezirken – dazu gehören auch andere öffentliche Grünflächen – kann der Jäger allerdings nicht helfen, da dort grundsätzlich „die Jagd ruht“. Die untere Jagdbehörde darf zwar auf bestimmte Wildarten eine beschränkte Ausübung der Jagd gestatten; Wildschweine gehören aber nicht dazu. Somit sind die Verwüstungen, welche die Schwarzkittel hier anrichten, auch nicht schadensersatzpflichtig. Warum kommt es aber zu den Schäden? Als Ursache können einerseits überhöhte Bestände angenommen werden; andererseits ist aber auch eine abnehmende Scheu der Wildschweine vor den Menschen in Verbindung mit dem hier lockenden vielfältigen Nahrungsangebot zu verzeichnen. Die jährlichen Reproduktionsraten von durchschnittlich 200 Prozent und die günstigen Umweltbedingungen haben in den vergangenen 25 Jahren zu einer explosionsartigen Vermehrung des Schwarzwildes in weiten Teilen Deutschlands geführt. Eine Entwicklung, die auch für Rheinland-Pfalz gilt. Als „Kulturfolger“ finden die Sauen in den riesigen Getreide- und Maisschlägen den ganzen Sommer und Frühherbst über einen von der modernen Landwirtschaft reichlich gedeckten Tisch vor. Die Schäden sind immens. In den Wäldern tragen mittlerweile – offenbar bedingt durch den Klimawandel – die Eichen und Buchen nahezu Jahr für Jahr Mast. Damit kommen auch die Frischlinge gut genährt über die offensichtlich immer milderen Winter und sind häufig schon im ersten Lebensjahr geschlechtsreif. Aber ergänzend zu der pflanzlichen Kost benötigen Wildschweine als Allesfresser auch tierisches Eiweiß. Dieses finden sie überwiegend in der Erde. Auf der Suche nach Würmern, Larven, Mäusen und anderem mehr graben sie den Waldboden, aber auch Felder, Wiesen, Weiden und inzwischen sogar Hausgärten regelrecht um. Trotz gelegentlicher Differenzen sind sich die meisten Bauern und Jäger in einem Punkt einig: Es müssen viel mehr Wildschweine erlegt werden. Das Schwarzwild hat bei uns keine natürlichen Feinde. Es ist daher gegenwärtig eine der vordringlichsten Aufgaben der Jagd, dessen weitere Expansion zu verhindern und die Bestände auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Allein vom Hochsitz aus allein kann dies allerdings nicht erreicht werden: Nur durch gemeinsame Anstrengungen der privaten und forstlichen Jäger, insbesondere mit „revierübergreifenden Bewegungsjagden“, können die zur Plage gewordenen Wildschweine effektiv bejagt werden. Dabei durchstreifen wenige Treiber mit geeigneten Hunden ohne viel Lärm das zuvor von den Jägern umstellte Gebiet. Das Wild soll nicht aufgescheucht, sondern lediglich durch eine gewisse Beunruhigung in Bewegung versetzt werden. Wenn die Sauen dann ihre „Einstände“ verlassen und eher ziehend als flüchtend vor die Schützen kommen, können sie besser erkannt, leichter ausgewählt und sicherer erlegt werden. Bei solch einer gemeinsamen Jagd haben drei benachbarte Reviere bei Sippersfeld am vergangenen Samstag mit rund 110 Jägern versucht, einen Beitrag zur Reduzierung der Schwarzwildbestände im südlichen Donnersbergkreis zu leisten. „Mit einer Strecke von insgesamt neun erlegten Sauen dürfen wir für heute recht zufrieden sein“, zog Dieter Gass, Jagdleiter im forstlichen Eigenjagdbezirk Hardt, ein positives Resümee. Eine weitere Sau kam nebenan am Ölberg bei Neuhemsbach durch Revierförster Matthias Golditz vom Forstamt Otterberg zur Strecke. Bei mehreren zeitgleich nahe Winnweiler stattfindenden Jagden mit zusammen zirka 90 Jägern kamen im Revier Zuckerwald sechs Wildschweine zur Strecke. Weitere Jagden in anderen Revieren unserer Region werden folgen. Dass die Sauen bis in besiedelte Gebiete vordringen, ist zum Teil „hausgemacht“: Vielfach werden sie regelrecht angefüttert. Sie verlieren dann immer mehr die Scheu vor den Menschen und gewöhnen sich schnell an nächtliche Beleuchtung, Straßenlärm und bellende Hunde. Angesichts der Schäden, die Wildschweine verursachen, und der Gefahren, die von diesen wehrhaften Tieren ausgehen können, sollte ihnen kein Grund gegeben werden, die Nähe des Menschen oder seiner Wohngebiete aufzusuchen. Denn bei aller Verniedlichung bleiben sie wild – und unberechenbar.

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