Alsenbrück-Langmeil RHEINPFALZ Plus Artikel Riesling glänzt als Nudel-Zutat

Manche seiner Hühner sind besonders „verschmust“ und sitzen gerne auf der Schulter von Reinhard Bohn.
Manche seiner Hühner sind besonders »verschmust« und sitzen gerne auf der Schulter von Reinhard Bohn.

In seiner Freizeit züchtet Reinhard Bohn Hühner. Oder er kreiert mit den Hühnereiern aus seinen Ställen Leckereien wie Kuchen und Brot. Oder Nudeln. Für die hat er übrigens in eine besonders pfiffige Idee entwickelt.

Wenn man den Hof von Reinhard Bohn betritt, hört man das zufriedene Gackern der Hühner. Für den Gemeindearbeiter aus Alsenbrück-Langmeil sind die Tiere eine echte Leidenschaft. Seine Brutmaschine verleiht er auch mal: Dieses Jahr steht sie im Kindergarten in Winnweiler. Schon elf Küken sind geschlüpft – sehr zur Freude der Kinder, und natürlich auch von ihm selbst.

Wenn man ihn fragt, wie es zu seinen speziellen Hobbys kam, zuckt er bescheiden die Schultern: „Das hat sich alles so ergeben.“ In Bohns Familie gehörte Kleinvieh schon immer dazu. Bereits seine Eltern und Großeltern hatten Hühner, Enten und Hasen. Er selbst hatte „nie so den Drang dazu“ – bis er vor zehn Jahren anfing, ein leerstehendes Haus in der Straße zu renovieren, bei dem die Hühnerställe noch erhalten waren. Anfangs waren es nur drei, doch mit der Zeit wurden es immer mehr Hühner. Mit dem Bestand wuchs auch Bohns Interesse an den Tieren. Mittlerweile züchtet er verschiedene Rassen, unter anderem New Hampshire, Maran und Sussex, und hat jedes Jahr eigene Küken.

Mit anderen Hühnerhaltern im Austausch

Ab und zu schlachtet Reinhard Bohn seine Hähne auch, jedoch widerstrebt es ihm, sie danach zu essen. Deshalb verkauft er sie lieber weiter. So hat sich bereits ein ganzes Netzwerk an begeisterten Hühnerhaltern gebildet: „Da lernt man viele Leute kennen“, bestätigt Bohn lachend. Allerdings gibt er seine Tiere nur ungern her, weil sie ihm doch mit der Zeit ans Herz wachsen. Einmal hatte er einen Hahn, der ihm auf die Schulter flog, wenn er den Stall betrat. Sein aktuelles Lieblingshuhn, das sich ebenfalls gern auf seiner Schulter herumtragen lässt, ist ein junger Maran.

Neben der Hühnerzucht verbringt Bohn gerne Zeit in seinem eigenen kleinen Backhaus, das sowohl mit einem Holzbackofen als auch einem Elektrobackofen ausgestattet ist. Am Wochenende backt er mit Vorliebe Kuchen und Brot mit Natursauerteig. „Alles ohne Chemie“, erzählt er stolz. Viele Rezepte kennt er noch aus seiner Zeit als Bäckerlehrling, die er jedoch abbrach.

Immer mal was Neues

Eine ganz besondere Spezialität sind seine Nudeln: In den Wintermonaten, wenn seine Hühner nur wenig Eier legen, verwendet Bohn Riesling oder Bier als Zutaten. Die Idee sei ihm nicht von alleine gekommen, erzählt er – er habe „irgendwo mal davon gehört“, dass es eine Möglichkeit sei, Nudeln auch auf diese besondere Weise herzustellen, und habe es dann kurzerhand ausprobiert. Mit Erfolg: Seitdem gehören die „Biernudeln“ zu seinem festen Repertoire. Am Ostersonntag, wenn die ganze Familie zu Besuch kommt, backt Bohn im großen Stil, und es ist auch für alle etwas dabei. Dann probiert er gerne etwas Neues aus wie zum Beispiel Flammkuchen.

Auch für den passenden Digestif ist bei Bohn gesorgt: Seit einiger Zeit stellt er einen eigenen Kümmellikör her. Das Rezept übernahm er vom Vorbesitzer des Hauses. Bald will er sich auch an Eierlikör versuchen – selbstverständlich mit Eiern der eigenen Hühner.

Bisher kommen nur Bohns Freunde und Nachbarn in den Genuss seiner selbst gebackenen Köstlichkeiten, oft im Austausch für Gemüsereste wie Karottenschalen, Kartoffeln und Salat, die seine Hühner mögen. Oft wird er gefragt, ob er sich vorstellen könne, das Ganze auch in größerem Stil zu machen. Ja, das kann er. Wenn er mal richtig Zeit dafür hätte, würde er vielleicht gerne seine Scheune ausbauen und darin ein kleines Café eröffnen.

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