Rockenhausen / Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Rettungskräfte im Dauereinsatz: Die Schattenseite der weißen Pracht

Die Feuerwehr hatte auch am Samstag noch alle Hände voll zu tun – hier auf der L395 bei Ramsen.
Die Feuerwehr hatte auch am Samstag noch alle Hände voll zu tun – hier auf der L395 bei Ramsen.

Was war das für ein Wintereinbruch im April! Umgestürzte Bäume führten dazu, dass etliche Straßen gesperrt werden mussten. Und andere drohten, unter der Schneelast zusammenzubrechen, was wiederum große Gefahr für die Rettungskräfte bedeutete. Die aber hatten keine Wahl: Ihr Einsatz war vielfach vonnöten.

Die langanhaltenden Schneefälle in der Nacht von Freitag auf Samstag haben die Einsatzkräfte in Atem gehalten. So viel Schnee in so kurzer Zeit – das hat es lange nicht gegeben im Donnersbergkreis. Kreisfeuerwehrinspekteur Eberhard Fuhr berichtet gar von einem besonderen Hindernis für die Rettungskräfte: Wegen zugeschneiter Antennen habe es Probleme mit dem Funkempfang gegeben, vieles habe aufs Mobiltelefon verlegt werden müssen. Das habe er in seinen mehr als 40 Jahren bei der Feuerwehr bis dato noch nicht erlebt, sagt Fuhr.

Wegen umgestürzter Bäume mussten Polizei und Feuerwehren vielfach ausrücken und etliche Straßen komplett sperren. In Dielkirchen beispielsweise wurde die L385 aufgrund eines umgefallenen Baumes kurzzeitig im Kurvenbereich gesperrt. Der Baum beschädigte ein Verkehrsschild sowie die Leitplanke. Auch zwischen Ruppertsecken und Rußmühlerhof, auf der Landesstraße bei Gerbach, Kriegsfeld oder Falkenstein mussten Straßen dicht gemacht werden. Durch die umstürzenden Bäume wurden auch einige Telefonleitungen in Mitleidenschaft gezogen, wie Timo Blümmert, Wehrleiter im Nordpfälzer Land, berichtet.

Autobahn 63 muss geräumt werden

Auf der A63 zwischen Winnweiler und Sembach mussten etwa 30 Bäume von der Fahrbahn geräumt werden, schildert Winnweilers Wehrleiter Christian Füllert. Ein weiterer Schwerpunkt war die L394, die von Sippersfeld nach Neuhemsbach führt. In dem Bereich waren Fahrzeuge steckengeblieben. Die Insassen waren gefährdet, weil weitere Bäume unter der Schneelast einzubrechen drohten. Dieser Gefahr sahen sich – in fast allen Ecken des Landkreises – auch die Rettungskräfte ausgesetzt, wie Füllert und Blümmert betonen.

Obgleich die Schneefälle gegen 2.30 Uhr abrupt nachließen, konnte das Gros der gesperrten Straßen erst am Samstag wieder freigegeben werden. Gegen 21 Uhr hatten die Schneefälle eingesetzt: „Wäre das nachmittags passiert, das hätte ein schweres Verkehrschaos gegeben“, sagt Eberhard Fuhr – so wie es in benachbarten Kreisen dennoch geschehen ist.

Baum stürzt auf Auto

In Winnweiler stürzte ein Baum auf ein Auto – glücklicherweise auf ein abgestelltes, sodass niemand verletzt wurde. Viele Feuerwehrhäuser waren zudem während der Nacht auf Samstag besetzt, um als Anlaufpunkte zu dienen – etwa in Lohnsfeld, Wartenberg, Potzbach und Schmitterhof, die lange Zeit ohne Stromversorgung auskommen mussten. Laut Pfalzwerke war es im Laufe der Nacht „zu großflächigen Störungen in der Stromversorgung“ gekommen. Das Unternehmen berichtet, dass es auch in Bayerfeld-Steckweiler, Gehrweiler, Gerbach, Gundersweiler, Höringen, Kriegsfeld und Ruppertsecken zu erheblichen Problemen gekommen sei. Einige wenige Orte in der Pfalz waren sogar am Sonntagvormittag noch ohne Strom.

Von Verkehrsunfällen aufgrund der Wetterbedingungen wussten sowohl die Polizeiinspektion in Kirchheimbolanden als auch jene in Rockenhausen nicht zu berichten. Lediglich davon, dass sich mehrere Fahrzeuge festgefahren hatten. So beispielsweise ein Lastwagen, der dann die schneebedeckte Kaiserslauterer Straße in Rockenhausen blockierte. Erst nachdem die Straße geräumt war, konnte er seine Fahrt fortsetzen.

Tankzug nicht entscheidend beschädigt

Große Schwierigkeiten gab es im Stumpfwald bei Ramsen. In Richtung Enkenbach-Alsenborn kamen aufgrund schneeglatter Fahrbahn etliche Fahrzeuge zum Stehen. Zudem waren einige Bäume umgekippt und blockierten die Fahrbahn. Gegen 23 Uhr wurde entschieden, die L395 komplett zu sperren. Auch hier wurden Personen, die in den steckengebliebenen Fahrzeugen saßen, durch die Feuerwehr befreit und aus der Gefahrenzone gebracht. Glück im Unglück hatte der Fahrer eines Tankzugs, der sich am Straßenrand des Stumpfwalds festgefahren hatte. Das Tankfahrzeug war in den kritischen Bereichen nicht beschädigt, so die Information der Feuerwehr.

Dass es im April in der Region schneit, ist nicht ungewöhnlich. Aber: „In dieser Heftigkeit hatten wir Schneefälle im April letztmals im Jahr 1981. Damals fielen in einer Nacht knapp 17 Zentimeter Neuschnee“, sagt RHEINPFALZ-Wetterexperte Michael Agne. An seiner Messstation in Lambsborn habe er am Samstag eine 20 Zentimeter dicke Schneedecke gemessen. Örtlich seien zwischen 40 und 60 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen – das meiste in Form von Schnee. „Normalerweise fallen im April im Schnitt 50 Liter Regen pro Quadratmeter. Das hatten wir jetzt an einem Tag“, betont Agne.

War in der Form nicht mehr zu erwarten: geschlossene Schneedecke am Freitagabend in Dreisen.
War in der Form nicht mehr zu erwarten: geschlossene Schneedecke am Freitagabend in Dreisen.
An den Bäumen sprießen die Blätter, und der Schneefall verwandelt die am Donnersberg in ein Wintermärchen – so idyllisch sah es
An den Bäumen sprießen die Blätter, und der Schneefall verwandelt die am Donnersberg in ein Wintermärchen – so idyllisch sah es am Tag nach dem schweren Wintereinbruch aus.
Spaziergänge im Wald bieten sich aber nicht an – es besteht Gefahr, dass weitere Bäume umstürzen.
Spaziergänge im Wald bieten sich aber nicht an – es besteht Gefahr, dass weitere Bäume umstürzen.
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