Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Rat und Hilfe: Unterstützung für Inklusion am Arbeitsmarkt

Das Team der Fachdienste für Arbeit und Integration (FAI) in Kirchheimbolanden: Salwa Alchrbji, Corinna Besand und Elin Seitz (v
Das Team der Fachdienste für Arbeit und Integration (FAI) in Kirchheimbolanden: Salwa Alchrbji, Corinna Besand und Elin Seitz (v.li.).

Wer eine Behinderung hat oder gesundheitlich eingeschränkt ist, der hat es deutlich schwerer auf dem Arbeitsmarkt. Betroffene Menschen sind jedoch nicht allein. An der Schnittstelle gibt es Hilfen wie die „Fachdienste für Arbeit und Integration“ der Evangelischen Heimstiftung.

Nach langen Jahren im Ärztehaus in der Gasstraße ist die Einrichtung im Sommer vorletzten Jahres an den Lothar-Sießl-Platz, gegenüber vom Mozart-Brunnen, umgezogen. Corona ist, natürlich, auch hier ein Thema.

Denn die Pandemie hat es gerade beeinträchtigten Menschen eher erschwert, sich am Arbeitsplatz oder auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. Viele gehören zur Risikogruppe und können daher nur eingeschränkt ihrer Arbeit nachgehen. Der Fachdienst kennt ihre Zukunftssorgen. Corinna Besand, eine der drei Fachkräfte in der Kirchheimbolander Einrichtung, sieht jetzt aber im Bemühen, beeinträchtigte Menschen auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren, keinen Rückschlag durch die Pandemie. „Das Netzwerken passiert ja weiterhin, es geht nichts verloren. Die Kontakte bestehen weiter“, sagt Besand, die seit sechs Jahren für den Fachdienst tätig ist.

Einschnitte durch Lockdown

Gleichwohl habe der erste Lockdown schon spürbare Einschnitte gebracht. „Die Betriebe haben ja keine Besucher mehr zugelassen“, nennt sie ein Beispiel. Schmerzlich sei auch gewesen, dass Praktika – eine wertvolle Brücke zum Arbeitsmarkt – nicht mehr möglich gewesen seien. Nicht zuletzt stoße die coronabedingte Beratung per Telefon auch an Grenzen. Das aber ist nun mit dem zweiten Lockdown wieder Alltag geworden. „Beratungen finden zur Zeit nur telefonisch statt“, so Besand auf eine RHEINPFALZ-Nachfrage kurz vor Silvester. Genutzt werden da alle möglichen Kanäle – Telefon, Skype, Teams. „Auch die Firmen sind dafür sehr offen“, so Besand.

Die Fachdienste werden getragen von der Evangelischen Heimstiftung, die vor Ort auch mit den Fachkliniken Donnersberghaus und Michaelshof oder dem Heilpädagogium Schillerhain präsent ist. Finanziert wird der Dienst vor allem vom Landesamt für Soziales, zu dessen Aufgaben es gehört, behinderte Menschen am Arbeitsplatz zu unterstützen. „Das mag sein, wenn Leute am Arbeitsplatz Schwierigkeiten haben im Umgang mit Kollegen, Vorgesetzten, oder nach langer Krankheit wieder einsteigen wollen.“ Angesprochen werden sollen aber ebenso Leute, „die lange Zeit arbeitslos sind oder waren und die wir dann unterstützen beim Wiedereinstieg ins Berufsleben“, erläutert Corinna Besand. Dabei gehe es immer um Menschen, die Einschränkungen haben. Das müsse nachgewiesen sein, nur so hätten die Betroffenen eine Legitimation, die Fachdienste in Anspruch zu nehmen. Neben dem Landesamt tragen noch andere Einrichtungen bei zur Finanzierung der Dienste, Besand nennt Rentenversicherungen und die Arbeitsverwaltung.

Betätigungsfeld weit gefasst

Im Einrichtungsnamen ist bewusst in der Mehrzahl von „Diensten“ die Rede, denn es geht um Einsätze an sehr verschiedenen Stellen in einem weit gefassten Betätigungsfeld. Bei berufsbegleitenden Diensten geht es darum, bei Problemen in bestehenden Arbeitsverhältnissen zu vermitteln und zu moderieren. Der Fachvermittlungsdienst wiederum will Betroffene in Arbeit bringen. Auch an der Schnittstelle zwischen Förderschulen und den Berufsvorbereitungsjahren der Berufsbildenden Schulen auf der einen und dem Arbeitsmarkt auf der anderen Seite ist die Stelle helfend unterwegs, um Wege auf den ersten Arbeitsmarkt zu ebnen – auf dem auch der Fokus liegt. Werkstätten für Behinderte beispielsweise liegen nicht im Blickfeld. Zum Spektrum der Dienste gehört nicht zuletzt die Inklusionsberatung.

Die Gespräche, die da zu führen sind, können in „normalen“ Zeiten, wenn also keine Pandemie besondere Bedingungen schafft, in der Dienststelle stattfinden, aber auch vor Ort beim Arbeitgeber. „In den Bereichen Berufsbegleitung und Vermittlung sind wir vor allen Dingen hier, zunächst, um einfach mit den Klienten zu arbeiten.“ Da gehe es auch darum, Potenziale zu ermitteln, ein Bild von den Menschen zu bekommen. Gleichwohl gehe man auch in die Betriebe, wenn Dinge zu klären sind, und es komme vor, „dass wir die Leute zum Vorstellungsgespräch begleiten“.

In Kirchheimbolanden teilen sich drei Frauen mit unterschiedlichen Stellendeputaten in dieses Aufgabenspektrum. Insgesamt hat der Dienst, dessen Zentrale in Ludwigshafen angesiedelt ist, 13 Mitarbeiter, eingesetzt in Dienststellen in Speyer, Ludwigshafen, Frankenthal, Kirchheimbolanden und Bad Kreuznach. In anderen Teilen der Pfalz stehe der Dienst unter dem Dach anderer Träger. Zuständig sind Besand, Salwa Alchrbji und Elin Seitz für Fälle im Donnersbergkreis, wobei Salwa Alchrbji, deren Blick auf den Übergang zwischen Schule und Beruf gerichtet ist, auch noch für Meisenheim zuständig ist. Corinna Besand und Elin Seitz sind zuständig für die berufsbegleitende Dienste, den Fachvermittlungsdienst und die Inklusionsberatung. Von der Kapazität her sei die Stelle in Kirchheimbolanden ausgelegt für acht Fälle in der Vermittlung, 30 in der Berufsbegleitung. Man müsse allerdings auch damit zurechtkommen, wenn es mal mehr seien, so Besand.

Kurz-Info

Fachdienste für Arbeit und Integration, Berufsbegleitender Dienst, Fachvermittlungsdienst, Inklusionsberater, Vorstadt 7b in Kirchheimbolanden. Telefon: 06352 749643.

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