KIRCHHEIMBOLANDEN RHEINPFALZ Plus Artikel „Pro Kibo“: Jürgen Heck kritisiert „mangelnde Vision für die Stadt“

 „Frühlingserwachen“, 2020 gerade noch so möglich, ist eine der erfolgreichen Aktionen des Vereins.
»Frühlingserwachen«, 2020 gerade noch so möglich, ist eine der erfolgreichen Aktionen des Vereins.

„Wer möchte?“ Die Frage von Jürgen Heck blieb bei der Mitgliederversammlung von „Pro Kibo“ unbeantwortet. Es ging nach Rücktritts-Ankündigungen um nichts weniger als die Neubesetzung fast aller Vorstandsposten. Und um die Zukunft eines Vereins, von dessen Arbeit viele profitieren, der aber auch ein massives Helfer-Problem hat.

Im 15. Jahr führt Jürgen Heck „Pro Kibo“, den früheren Verkehrsverein. Er ist „sein Gesicht“, wie es bei der Mitgliederversammlung am Freitag würdigend hieß. Doch nun hat „das Gesicht“ seinen Rücktritt erklärt. Dass dies, wenn überhaupt, so nicht sofort, sondern geordnet geschieht, wünschte sich auch Stadtbürgermeister Marc Muchow. Die Tür schlug der Noch-Vorsitzende an diesem Abend jedenfalls noch nicht ganz zu. Zumal Muchow seitens der Stadt anbot, den Vereinsvorstand zu entlasten. So sollen die nächsten Wochen genutzt werden, um zu sondieren, ob sich ein neues Vorstandsteam findet, wie Unterstützung durch die Stadt möglich ist und wie neue Mitstreiter mit neuen Ideen gefunden werden. Solche, die mit Liebe zur Stadt zupacken wollen und nicht nur in Sitzungen sitzen.

Vorstand nur noch kommissarisch im Amt

Eigentlich sollte Freitagabend bereits ein neuer Vorstand gewählt werden. Denn mit Heck hatten auch der zweite Vorsitzende Kai Heinz, Kassenwart Paul Langer und die zweite Schriftführerin Michaela Heck ihren Rücktritt erklärt; lediglich Schriftführer Manfred Brandt will weitermachen. Doch aus der Runde heraus – von 106 Mitgliedern waren rund 20 gekommen – fand sich mit einer Ausnahme niemand, der sich auf Anhieb um die vakanten Ämter bewerben mochte. Einzig Cornelia Löser, die das Lädchen „Stars & Lights“ in der Vorstadt betreibt, erklärte sich spontan zur Mitarbeit bereit. Das bisherige Führungsteam wird daher kommissarisch bis zur vertagten Neuwahl weiterarbeiten.

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Dass diese nun schnellstmöglich über die Bühne geht, daran war besonders Paul Langer gelegen, der für sein Ausscheiden aus dem Vorstand vor allem hohe berufliche Belastung anführte. Als Kassenwart sei er besonders gefordert gewesen, würdigte Heck den langjährigen Mitstreiter. An der Organisation des Oktobermarktes mit seinem Knüller, der „Suppenlative“, wolle er aber gern weiter mitarbeiten, bekundete Langer.

Wenige machen bei „Pro Kibo“ fast alles

Womit ein weiteres Schlaglicht geworfen ist: Wenige Aktive tragen den Löwenanteil der Arbeit, organisieren als arbeitsteiliges Team zusammen mit der Stadt Feste und Aktionen, die den Stempel von „Pro Kibo“ tragen: So rief Gaby Micol-Brünnler vor 15 Jahren mit dem „Frühlingserwachen“ einen der besten verkaufsoffenen Sonntage ins Leben, Michaela Heck ist für den Maimarkt verantwortlich, Hartmut Kaschig für den „Weihnachtszauber“, der durch den Kauf der Schlittschuhbahn ebenfalls zur Erfolgsgeschichte wurde. Zuletzt schulterten Verein und Stadt die vom Publikum dankbar angenommene Reihe „Kibo l(i)ebenswert“ auf dem Römerplatz.

Doch an Helfern aus den eigenen Vereinsreihen bei der umfangreichen Organisation aller dieser Feste herrsche permanent Mangel, hieß es. „Ohne Helfer, die mit dem Verein nichts zu tun haben, wäre es gar nicht gegangen“, beklagte Heck gar. Auch diese mangelnde Resonanz bei den Mitgliedern habe ihn zum Rücktritt bewogen. Michaela Heck sah darin letztlich ein Problem mangelnder Wertschätzung, „und das tut weh“. Unterm Strich, so Paul Langer, habe all dies dazu geführt, dass man sich nur noch selbst verwalte. Nötig aber seien neue Ideen auf breiterer personeller Basis und Leute, die dafür Gas geben wollten.

Weiteres Geschäftssterben in Kibo befürchtet

Aber auch die Stadt müsse Perspektiven aufzeigen und konsequent verfolgen, mahnte Heck. Er sprach die Arbeitsgruppe Stadtentwicklung an, der er von Beginn an angehöre, die aber - wie Muchow einräumte - irgendwann zu groß und nicht mehr schlagkräftig gewesen sei. Die Aufteilung in vier kleinere Arbeitsgruppen im Februar hat aus Hecks Sicht jedoch bisher kaum Wirkung entfaltet. Diejenige, der er jetzt angehöre, habe noch kein einziges Mal eingeladen. Der Noch-Vorsitzende beklagte, dass es „keinerlei Vision für die Stadt“ gebe und eine vorhandene, wie die Idee der „Hochzeitsstadt“, nicht vorankomme. Die Stadt brauche aber einen Magneten. „Es werden immer mehr Geschäfte sterben“, warnte Heck nicht zum ersten Mal.

„Es ist wichtig, dass die Arbeit des Vereins weitergeht“, betonte der Stadtbürgermeister, der den Aktiven Dank für ihren „Rieseneinsatz“ zollte. Sein Vorschlag größerer Entlastung durch die Stadt bewirkte schließlich die Denkpause. An der beim Scheitern der Vorstandswahl drohenden Auflösung des Vereins war sichtlich niemandem gelegen. „Das hat Kirchheimbolanden nicht verdient“, so auch Heck. Hanno Waltgenbach erntete Zustimmung mit seinen Vorschlägen, der Bevölkerung stärker zu verdeutlichen, was alles hinter „Pro Kibo“ steckt – unter anderem das kostenlose Parken – und entsprechend Mitgliedschaft und Mitarbeit im Verein auf breitere Basis in der Bürgerschaft zu stellen.

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