Donnersbergkreis Ostern in Zeiten von Corona: Die Botschaft bleibt, und sie ist wichtiger denn je
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick.
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet Groß und Klein:
Hier bin ich Mensch,
hier darf ich’s sein!
Mit diesen Anfangs- und Schlusstrophen schickt Goethe seinen Faust auf den berühmten Osterspaziergang.Dieser genießt die frische Natur und freut sich auf die großen Menschenmengen, das fröhliche Getümmel von Erwachsenen und Kindern, das ihn in der nächsten Ortschaft erwartet. Die erste Strophe könnte der Dichter auch heute so noch zu Papier bringen: Das Wetter ist im Moment prächtig, überall blüht und sprießt es – Frühling, wie alle ihn lieben. Die nächsten Verse müssten für die Gegenwart allerdings umgeschrieben werden: von Getümmel und Volk, von vielstimmigem Jauchzen keine Spur. Und wenn man jetzt Mensch sein will, muss man anderen Menschen fernbleiben. Ostern 2020.
Doch bevor wir uns den Besonderheiten der diesjährigen Feiertage zuwenden, sprechen wir mit den beiden Pfarrern über die Bedeutung, die Botschaft von Ostern, das immer auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond, also frühestens auf den 22. März und spätestens auf den 25. April fällt. Danach richten sich auch die Daten der übrigen beweglichen Festtage.
„Eigentlich ist Ostern das dichteste, intensivste Fest im Jahr“, sind sich die jungen Geistlichen einig: „Es ist im Grunde ein Dreitagesgottesdienst, der zahlreiche Aspekte in den Blick nimmt: Tod, Trauer, Depression, Verzweiflung, aber auch Überraschung, Freude, Jubel, Hoffnung, Liebe. Eigentlich findet an Ostern das ganze Leben statt.“
Der Tod hat nicht das letzte Wort
Diese Vielschichtigkeit biete die Möglichkeit, auf alle, die in die Gottesdienste kommen, einzugehen. Es gebe überall Anknüpfungspunkte, sagt Rust-Bellenbaum: „Mit der Geschichte Jesu, von seinem Weg durch den Tod ins Leben erzählen wir auch von den menschlichen Wegen, die ebenfalls in Mäandern und nicht geradeaus verlaufen.“ Leinhäuser ergänzt: „Ostern enthält vor allen Dingen die Botschaft, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.“
Die Bandbreite der Gefühle, die mit dem Osterfest verbunden sind, ist tatsächlich enorm, was sich auch in der Optik der Kirchenausstattung und den liturgischen Farben widerspiegelt. Und eigentlich ist Ostern auch in den Kirchen ein Fest der Gemeinsamkeit, was sich für die meisten Menschen im häuslichen Bereich fortsetzt beim Brunchen oder Grillen mit Freunden und Verwandten.
In diesem Jahr ist alles anders, oder? „Erst einmal: nein“, sagen beide Pfarrer. „Die Botschaft bleibt und ist vielleicht noch wichtiger als sonst. Gott geht dahin, wo es brennt. Er gibt gerade jetzt vielen, die in dieser schwierigen Zeit Angst oder gar Panik haben, erkrankt sind oder unter Einsamkeit leiden, Hoffnung, Hilfe und Unterstützung.“
Beiden Pfarrern liegt es sehr am Herzen, trotz der widrigen Umstände in intensivem Kontakt mit ihren Gemeinden zu bleiben und beim Osterfest so viel Gemeinsamkeit wie möglich herzustellen. Leinhäuser hat ein Netzwerk angeworfen und Menschen gebeten, ihm zur Osterliturgie Videos zuzuschicken. Über 100 Beiträge – Fürbitten, Gebete, Malereien, Lesungen– sind bei ihm eingegangen, die ihn berührt haben und aus denen er zwei Gottesdienste kreiert hat, die sich digital auf Facebook oder Youtube abrufen lassen: Den ersten gab es am Donnerstag, am zweiten kann man heute um 19 Uhr teilhaben. „Ich möchte Ostern mit möglichst vielen Menschen feiern“, sagt Leinhäuser.
Wenn die Menschen nicht zu mir kommen, gehe ich zu ihnen
Das will auch Rust-Bellenbaum: „Das Zusammensein wird uns allen fehlen. Aber wenn die Menschen nicht zu mir kommen können, gehe ich zu ihnen. Ostern ist ein traditionelles Fest, und ich schlage traditionelle Wege ein. Bei zahlreichen Spaziergängen durch die Ortschaft suche ich das Gespräch am Gartenzaun, am Fenster, in der Toreinfahrt und verteile dabei auch meine Impulse, kleine gedruckte Andachten, die ich möglichst persönlich gestalte, und hoffe, dass ich damit auch viele ältere Mitbürger erreiche. Sie sollen wissen, dass ich für sie da bin.“
Ostern 2020 – so hatten wir uns das alle nicht vorgestellt. Aber nach dem Winter wird sich auch Corona irgendwann in die rauen Berge zurückziehen. Uns bleiben für heute die erste Strophe und die Kernbotschaft von Ostern – das muss und wird in diesem Jahr reichen.