Donnersberger Echo
Notruf: Bloß keine Angst vor falschem Alarm
Am zweiten Weihnachtsfeiertag sitzt das Ehepaar, das seinen Namen nicht veröffentlicht sehen möchte, gemütlich beim Espresso. Der Blick der Frau geht aus der heimischen Gaube über die verwinkelten Gassen und buckligen Dächer der Rockenhausener Altstadt. „Da qualmt’s aber mächtig“, sagt sie plötzlich. Der Wind treibt gewaltige Rauchfetzen über den trüben Nordpfälzer Himmel. Ihr Gatte schaut hoch und nuschelt ein: „Jo, stimmt“ vor sich hin – wie Männer das eben tun, wenn sie erstens einen Fall von weiblicher Übertreibung wittern und sich zweitens gerade nicht näher mit einem Thema beschäftigen möchten.
Was aber – auch das geschlechtertypisch – die Partnerin nur dazu animiert, das Gesagte zu wiederholen: „Da ist aber wirklich ganz viel Rauch. Sollten wir nicht vielleicht die Feuerwehr rufen?“ Sein Interesse ist zwar zart geweckt, wie er der RHEINPFALZ per E-Mail schildert – es bleiben aber Zweifel, ob da wirklich was dran ist an der Sache. Schließlich ist Weihnachten, da will man(n) auch niemanden unnötig belästigen. Also versucht er es noch einmal: „Ach, da wird schon nix sein. Ist vielleicht nur nasses Holz im Ofen.“ Ihr Blick verrät, dass sie keineswegs überzeugt von seinem Einwand ist. Wie ohnehin Frauen in solchen Situationen meist früher die Gefahr erahnen, während Männer – ob aus Bequemlich- oder aus Überheblichkeit – gerne die Skeptiker mimen.
Die Sache lässt sich nicht wegbrummeln
Hilft aber alles nix – er sieht ein, dass sich die Sache angesichts der weiblichen Hartnäckigkeit nicht einfach wegbrummeln lässt. Und insgeheim muss er zugeben – auch diese verspätete Einsicht ist charakteristisch für das „starke“ Geschlecht –, dass die Rauchschwaden mittlerweile tatsächlich bedrohlich wirken. Nun gibt er den Entscheider und greift zum Telefon. Aber welche Nummer hat nochmal die Feuerwehr? Die Null oder die Zwei hinter der 11?
Timo Blümmert, Wehrleiter der VG Nordpfälzer Land, antwortet auf diese Frage im RHEINPFALZ-Gespräch: „Am besten merkt man sich: Der Notruf ist die 112.“ Ob ein schwerer Unfall passiert ist, ein medizinischer Notfall vorliegt oder ob es eben brennt – in all diesen Fällen ist die „2“ am Ende richtig. Umgekehrt bedeutet dies: Die „0“ wählt nur, wer konkret die Polizei anrufen möchte – beispielsweise wenn eine Straftat gemeldet werden soll oder wenn jemand bedroht wird.
Beide Nummern führen zum Ziel
Wobei Blümmert betont, dass es kein Problem ist, wenn in der Hektik die Ziffern vertauscht werden: „Die jeweilige Stelle wird weiterverbinden. Einziger Nachteil ist, dass ein paar Sekunden verloren gehen. Aber jeder landet letztlich dort, wo er hin möchte.“ Keine Gedanken müssen sich Anrufer darüber machen, wo – geografisch gesehen – ihr Gesprächspartner sitzt: Wie Blümmert erläutert, ist Deutschland in sogenannte Leitstellenbezirke eingeteilt – wer in unserem Kreis den Notruf betätigt, kommt automatisch bei der Integrierten Rettungsleitstelle in Kaiserslautern heraus. Analog sei auch die Polizeinotrufstelle regional gegliedert.
Doch zurück zu unserem „Weihnachtsbrand“: Das Paar entscheidet sich richtigerweise für die 112 – natürlich macht ER den Anruf. Bei der Meldung fallen ihm auf Anhieb nur drei der fünf W-Fragen ein: Wer, was, wo – bei Letzterem wird’s allerdings schon schwierig. Denn so genau lässt sich die Herkunft des Qualms nicht lokalisieren. „Gegenüber so-und-so, Bereich Ecke die-und-die-Straße“ – entsprechend vage fällt die Beschreibung aus. Gleichwohl: Die Gegenseite gibt sich damit zufrieden, ganze 79 Sekunden dauert das Gespräch.
„Lieber einmal zu viel anrufen“
„Gefühlt keine fünf Minuten danach“, so der Protagonist weiter, ertönt das erste Tatütata; es folgen weitere Sirenen, kurz darauf Stimmen. Er ist erleichtert, denkt aber inständig: „Hoffentlich kein Fehlalarm – immerhin ist auch für die Feuerwehrleute noch Weihnachten.“ Solchen Überlegungen widerspricht Blümmert jedoch ausdrücklich: „Ganz klar: Im Zweifel lieber einmal zu viel als einmal zu wenig anrufen.“ Es sei eben nicht immer leicht zu erkennen, ob die Feuerwehr benötigt wird. „Jeder Großbrand entsteht nun mal aus einem Kleinbrand“, so der Wehrleiter. Und natürlich muss niemand finanziell für einen Einsatz aufkommen, den er nach bestem Wissen und Gewissen ausgelöst hat – selbst wenn er sich als unnötig herausstellt. Gleiches gilt auch, wenn man versehentlich den Notruf auf dem Handy betätigt hat, obwohl gar keine Hilfe benötigt wird.
In Rockenhausen gibt’s am zweiten Weihnachtsfeiertag ein Happy End: Wie sich herausstellt, handelte es sich tatsächlich um einen Kaminbrand – und zu diesem Zeitpunkt sei auch jemand im Haus gewesen. „Die haben gar nix davon gemerkt“, sagt einer der Feuerwehrleute. Umso froher ist „unser“ Mann, dass er nach anfänglichem Zögern zum Telefon gegriffen hat. Auf dem Handapparat stehe übrigens seit jenem Tag dick mit Filzstift geschrieben die 112. Appellieren möchte er an alle, in einer ähnlichen Situation nicht lange nachzudenken, sondern sofort den Notruf abzusetzen. Und eines ist ihm noch besonders wichtig: „Ich bin den Freiwilligen bei der Feuerwehr sehr, sehr dankbar, dass man sich so auf die verlassen kann – auch an den Weihnachtstagen!“
Dem ist nichts hinzuzufügen – außer Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ein schönes Wochenende zu wünschen. Natürlich möglichst ohne Notfälle. Aber sollte es bei Ihnen doch einen geben – Sie wissen schon, die „2“!