Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Nix ist mit Ansturm! Gastronomie und die Corona-Folgen

Ob die vorige Woche verkündeten weiteren Lockerungen, nach denen jetzt bis zu zehn Personen an einem Tisch sitzen dürfen, mehr G
Ob die vorige Woche verkündeten weiteren Lockerungen, nach denen jetzt bis zu zehn Personen an einem Tisch sitzen dürfen, mehr Gäste in Restaurants locken? Die Gastronomen hoffen es sehr.

Die Gastronomie hat schwer mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Die Gäste bleiben aus.Gründe gibt es – trotz gelockerter Auflagen – mehrere. Zur Sorge vor Infektionen kommt, dass sich nicht wenige offenbar wieder ans Selberkochen daheim gewöhnt haben. Ein Restaurant hat das bereits in die Knie gezwungen.

Einer von inzwischen zahlreichen Schritten zurück zur Normalität trotz Corona ist die Wiedereröffnung der Restaurants seit dem 13. Mai. Natürlich unter Beachtung aller Hygieneregeln. Der Neustart lag in einer Schönwetterphase. Beste Bedingungen also für den Genuss des lang vermissten Steaks mit einem kühlen Glas Wein im Garten des Lieblingsrestaurants. Wie stark ist der Ansturm auf die wegen Corona in der Anzahl stark reduzierten Tische der Lokale im Donnersbergkreis?

Nix mit Ansturm! So lässt sich pointiert die Gästebewegung seit Mitte Mai zusammenfassen. Wir haben als Stichprobe bei 14 Restaurants im Kreis nachgefragt, und überall ist der Besuch bisher mehr als verhalten.

Bei den angefragten Restaurants handelt es sich um das „Goldene Ross“ in Göllheim, das China-Restaurant „Fortune“ in Kirchheimbolanden, die italienischen Restaurants „Garden“ in Winnweiler und Rockenhausen sowie „Caruso“ und „Piemont“ in Kirchheimbolanden, um das „Chefche“ auf dem Weierhof, den „Alsenzer Hof“, das Restaurant „Weinbrück“ in Obermoschel, das griechische Restaurant „Akropolis“ sowie die „Orangerie“ in Kirchheimbolanden, das „Bastenhaus“, die „Mühle am Schlossberg“ in Wartenberg-Rohrbach sowie das Parkhotel Schillerhain in Kirchheimbolanden.

Zwischen 0 und 15 Gästen

Die Gästezahlen an zwei Abenden des vorvergangenen Wochenendes schwankten zwischen null und 15. „Wenn es hoch kommt, kann ich im Moment höchstens 40 Prozent meines üblichen Umsatzes einfahren“, sagt Jean-Luc Blumers vom Restaurant „Weinbrück“ in Obermoschel.

„Die Leute wollen, wenn sie überhaupt kommen, alle nach draußen in den Garten, den wir Gott sei Dank haben“, teilt Anastasios Pretidi vom griechischen Restaurant „Akropolis“ in Kirchheimbolanden mit. Aber auch der sei bei hohen Temperaturen nicht gut angenommen worden: „Das kann ich nicht verstehen. Seit 30 Jahren sind wir hier, so etwas habe ich noch nicht erlebt. Aktuell bedienen wir heute Abend acht Gäste.“

Vergleichbares berichten die anderen Gastronomen. Fast alle haben ihre Speisekarten verkleinert, weil es keinen Sinn mache, die bisherigen Mengen an Lebensmitteln vorzuhalten. Zuviel müsse dann entsorgt werden, was den Umsatz noch einmal reduziere. „Schön wäre es auch“, sagt Yvonne Höh von der „Orangerie“ in Kirchheimbolanden, „wenn die Freunde unseres Hauses mit dem Einlösen der netterweise erworbenen Gutscheine noch ein wenig warten würden. Wenn acht Gäste kommen und vier davon bringen Gutscheine mit, haben wir eigentlich gar keinen Umsatz. Das lässt sich nicht lange durchhalten.“

Was ist es, das Menschen noch davon abhält, Restaurants zu besuchen? Offensichtlich ein Konglomerat unterschiedlichster Überlegungen, die auch Gern-Essen-Geher im Moment eher zu Hause kochen lassen. Das Ergebnis einer Miniumfrage in Rockenhausen: Da gibt es zunächst einmal die Angst, sich zu infizieren, und das Risiko ist – das wissen alle – in geschlossenen Räumen erheblich höher ist als im Freien.

Aber auch da ist der Zulauf ja gering. „Irgendwie habe ich mir die Restaurantbesuche in den vergangenen Monaten abgewöhnt“, sagt dazu eine Passantin. „Ich habe gemerkt, es geht auch ohne ganz gut und spart noch Geld.“ Das Geld ist sicherlich ebenfalls ein wichtiger Aspekt; viele müssen beispielsweise wegen Kurzarbeit oder Jobverlust stärker auf ihre Ausgaben achten. Und ein junger Mann berichtet von den eigenen Gemüseanbauten in seinem Garten, die in den Jahren zuvor für ihn nicht in Frage kamen, aber nun Spaß gemacht haben: „Das Zeug ist jetzt da, schmeckt auch noch und muss erst einmal vertilgt werden.“ Mit diesen verstärkten Selbstversorgungsaktivitäten auf dem eigenen Grundstück steht er sicherlich nicht allein da.

Jetzt mehr Schwung?

Das sind nachvollziehbare und verständliche Gründe dafür, sich zu Hause zu versorgen; für Gastronomen wirken die sich aber in der Konsequenz eher ungünstig aus. Seit Neuestem sind die Regelungen noch einmal gelockert: Restaurants dürfen bis 24 Uhr öffnen, die Reservierungspflicht entfällt, Thekenverkauf und Buffets sind erlaubt, Feiern bis zu 250 Personen im Freien und 75 Personen im geschlossenen Raum sind möglich, und bis zu zehn Personen dürfen an einem Tisch sitzen, an dem dann die Abstandsregelung, die ansonsten gilt, entfällt.

Ob das wirklich noch einmal einen Schwung gibt, bleibt für die Gastronomen abzuwarten. Sie können nur darauf hoffen, dass sich mittelfristig eine konstant niedrige Infektionsquote im Kreis positiv auf die Restaurantbesuche auswirkt, da die Angst vor Corona der wichtigste Hinderungsfaktor sein dürfte.

Die Bemühungen in allen Lokalen, Sicherheit zu gewährleisten und gleichzeitig den Gästen ihren Aufenthalt so entspannt wie möglich zu gestalten, sind, wie die Umfrage zeigt, enorm. Vor allen Dingen auf eine effektive Lüftung wird geachtet. berichten die Gastronomen. Und wenn man erst einmal ohne Maske an seinem Tisch sitzt und das Essen genießt, ist ja alles gut und eigentlich wie vor Corona. „Wir tun alles dafür, dass unsere Gäste dieses Virus vergessen, wenn sie bei uns sind“, bringt Jürgen Winterer vom „Chefche“ die Anstrengungen der Restaurantbetreiber auf den Punkt.

Zwei haben dennoch schon das Handtuch werfen müssen: Kerstin Altmos und Ronny Schein, die seit ein paar Jahren ausgesprochen erfolgreich den „Alsenzer Hof“ führten, schlossen, wie berichtet, ihr Restaurant zum 13.Juni aus „wirtschaftlichen Gründen“ – zum Bedauern vieler Gäste.

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