Donnersbergkreis Mit Jogginghose in die „Nixbox“
«ALSENBRÜCK-LANGMEIL.» Am Samstagabend feierte das neue Programm des Pfälzer Mundart-Kabaretts „Butz Lumbe“ – Harry Raith (Winnweiler) und Hans Herzog (Baalborn) – mit dem an die klassische französische Vorspeise angelehnten Titel „Ohr Dööfre“ in der ausverkauften Gemeindehalle Premiere. Tatkräftig unterstützt wurde das Comedy-Duo von der elf Musiker starken Band „Bube, Dame, Böhmisch, Brass“ unter der Leitung von Martin Neu. Die gelungene Kombination aus Kabarett und Böhmischer Blasmusik kam gut an bei den rund 200 Zuschauern.
Kein Auge blieb trocken, als die „Butz Lumbe“ ganz unverblümt über die Ehe, das Großziehen der Kinder und die unterschiedlichen Verhaltensweisen von Mann und Frau philosophierten und für verschiedenste Sketche in unterschiedlichste Rollen schlüpften. Dabei wiesen Raith und Herzog direkt zu Beginn darauf hin, am Abend auf „Nordic Talking“ zu verzichten. „Des heßt, mir babbele Pälzisch un ohne Stock im Arsch“, so die rustikale Erklärung für das Publikum. Dass der Alltag mit Frau und Kindern nicht immer ein Zuckerschlecken ist, wissen die „Butz Lumbe“ genau. Ohnehin beginne das Leben nicht mit Befruchtung oder Geburt, sondern eben dann, wenn die Kinder endlich aus dem Haus sind und die Schwiegermutter nicht mehr in der Lage ist, selbstständig Auto zu fahren. Es kann eben auch ermüdend sein, wenn die Tochter 16 Jahre lang ein Pferd will und mit 17 dann selbst einen Esel mit nach Hause bringt. Insofern hat das Alter eben auch Vorteile. Das Liebesleben könne ja durch Tiernamen, wie Tiger oder Hengst, auch beflügelt werden – wenn auch eben nur in Aussagen, wie „Hengschd du schon wirre uf de Couch rum?“. Wie sich das Leben im Laufe der Jahre verändert hat, illustrierten die beiden anhand von Kleidungs- sowie dem wöchentlichen Einkauf, dem Verreisen oder dem Tanzengehen. Eine passende Garderobe für den Hochzeitsgast zu finden, gestaltet sich nun doch schwierig, wenn bei H&M – „hager und mager“, so Herzog – nichts in der passenden Größe zu finden ist. Außerdem habe man in den Zwanzigern noch Alkohol, Markenkleidung und Körperlotion von Nivea gekauft. „Ab den Fünfzigern greift man stattdessen zur Jogginghose, und die Bodylotion heißt jetzt ’Voltaren’“, so Raith. Ohnehin werfe man sich nach der Arbeit als Mann am liebsten in die Jogginghose und gehe dann in die Nixbox. Viele Frauen werden ob dem Begriff „Nixbox“ erstmal verständnislos dreinschauen. Eine fast wissenschaftlich fundierte Erklärung lieferte Raith. „Männergehirne“, so erklärte er, „verstauen jedes Thema fein säuberlich getrennt in Schachteln“. Da gebe es beispielsweise den Bereich für Sport oder den Beruf – ganz unten irgendwo vielleicht auch eine kleine Kiste für die Schwiegermutter –, und besonders beliebt sei die Nixbox, die es Männern ermöglicht, stundenlang für Frauen vermeintlich sinnlos erscheinende Dinge zu tun, wie beispielsweise zu angeln oder durch zig Kanäle am Fernseher zu zappen. Bereichert wurden die „Butz Lumbe“ bei ihrer Premiere von der Band „Bube, Dame, Böhmisch, Brass“. Die 2013 im Aufzug eines großen Hotels in Las Vegas gegründete Formation lieferte bereits mit ihrem ersten Titel „Start frei“ einen imposanten Auftakt in den Abend. Auch die Eigenkomposition „Unser Herz schlägt für die Blasmusik“ erntete viel Applaus. „Ich habe diese Musik aus meiner Kinder- und Jugendzeit fast vergessen. Es ist wirklich ganz toll, so etwas mal wieder zu hören“, verriet ein begeisterter Zuschauer. Besonders viel Beifall erntete Wiebke Neu für ihr Schlagzeugsolo im Stück „Lieblingstrommler“. Auch moderne Unterhaltungsmusik in Form von Medleys von Udo Jürgens und James Last bot die Formation versiert dar. Eigentlich hatte sich die Gruppe mit „Bis bald, auf Wiedersehen“ schon verabschiedet, ließ sich jedoch vom überwältigten Publikum zu einer Zugabe überreden und kündigte eine „Böhmische Perle“ an. Hinter dieser Andeutung versteckte sich der bekannte Hit „Herz-Schmerz-Polka“ von Peter Alexander. Dieses Lied animierte die Besucher nicht nur zum Mitsingen, sondern Großteils auch zum Aufstehen und Mitschunkeln.