Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Mit der App „Too Good To Go“: Lebensmittel retten und Geld sparen

Wenn Brötchen in „Dorbert’s Lädche“ in Stetten übrig bleiben, werden sie über „Too Good To Go“ verkauft und müssen nicht weggesc
Wenn Brötchen in »Dorbert’s Lädche« in Stetten übrig bleiben, werden sie über »Too Good To Go« verkauft und müssen nicht weggeschmissen werden.

Über die App „Too Good To Go“ werden Überraschungstüten mit Lebensmitteln verkauft, die ansonsten in den Müll wandern würden – obwohl sie noch essbar sind. Für ein Drittel des Ursprungspreises kann man auch im Donnersbergkreis Essen retten. Das Geld der Überraschungstüten bekommt aber zunächst nicht der Verkäufer.

Lebensmittel günstiger kaufen und damit die Umwelt schonen. Das ist möglich mit der App „Too Good To Go“ (Zu gut zum Wegwerfen). Das Prinzip dahinter ist einfach: Für meist etwa ein Drittel des einstigen Preises können Kunden sich eine „Magic Bag“ – eine Überraschungstüte – bestellen. Gefüllt sind diese Pakete mit Lebensmitteln, die zwar noch frisch und genießbar sind, aber trotzdem weggeschmissen werden müssten. Denn oft haben Supermärkte, Bäckereien oder Restaurants abends noch Lebensmittel übrig, die normalerweise in den Müll wandern, weil für neue Ware Platz geschaffen werden muss.

Im Donnersbergkreis sind momentan vier Läden dabei, die über die App regelmäßig Überraschungstüten inserieren. In Kirchheimbolanden und Göllheim machen die beiden Filialen der Bäckerei Theurer mit. Bis zu fünf „Magic Bags“ werden pro Tag angeboten. Darin sind zum Beispiel Brötchen, Brot oder süße Teilchen. Insgesamt werden an 31 von 32 Standorten im Großraum Ludwigshafen-Mannheim 200 bis 250 Tüten täglich verkauft. Auch die beiden Läden im Donnersbergkreis sind nun schon seit achtzehn Monaten dabei.

„Ich als Unternehmer sehe es als wichtig an, mit unseren Ressourcen umsichtiger umzugehen und unserer Wegwerf-Mentalität etwas entgegen zu setzten“, sagt Geschäftsführer Markus Sigle von der Bäckerei Theo Theurer. „Mit den ,Magic Bags’ wollen wir der Gesellschaft etwas zurückgeben.“ Auch wenn die Bäckerei Theurer an drei Tafeln und Suppenküchen Lebensmittel liefert, bleibt immer noch viel Essen übrig, das dann über „Too Good To Go“ verkauft wird.

„Für den guten Zweck“

Der Dorfladen „Dorbert’s Lädche“ in Stetten ist ebenfalls auf der App registriert. Seit November 2021 stelle sie ungefähr einmal die Woche eine „Magic Bag“ online, berichtet Angela Dorbert. Schon wenige Minuten später seien die Pakete dann meist ausverkauft. Sogar aus Alzey und Umgebung kämen Menschen zu ihr, um Lebensmittel zu retten. Bei ihr gibt es nicht nur Backwaren, sondern auch andere Lebensmittel, die in ihrem Laden verkauft werden.

Angela Dorbert wurde direkt von „Too Good To Go“ angefragt, ob sie dort mitmachen möchte. Die Benutzung der App findet sie schnell und unkompliziert, obwohl sie selbst nicht ganz so technikaffin sei. Innerhalb von einer Minute sei eine Anzeige online gestellt. Anschließend bekommt Dorbert eine Nachricht, wenn ihr Angebot angenommen wurde. „Finanziell ist die App für einen kleinen Dorfladen allerdings nicht rentabel“, erzählt sie, „aber ich mache es für den guten Zweck.“ Denn das Geld für eine „Magic Bag“ bekommt zunächst „Too Good To Go“. Ein Teil davon wird dann an die Verkäufer weitergegeben. Im ersten Jahr ist die App für sie noch kostenlos, danach muss der Dorfladen eine Gebühr bezahlen. „Ich weiß nicht, ob ich es mir danach noch leisten kann“, gibt Angela Dorbert zu bedenken.

13.766 Geschäfte machen deutschlandweit mit

Auch der Mörsfelder Kartoffelstand wurde von „Too Good To Go“ angeschrieben – zuvor kannte Inhaber Nico Keiper die App noch nicht. Nun verkauft er seit Oktober 2021 sogenannte Sortierware. Diese Kartoffeln haben kleine Schönheitsfehler wie Keim- oder Grünstellen. Für ein Drittel des eigentlichen Preises kann man die immer noch genießbaren Kartoffeln über die App kaufen. Bis zu drei „Magic Bags“ werden pro Tag angeboten.

Nach Angaben von „Too Good To Go“ retten in Deutschland 7,1 Millionen Menschen Essen mit der App. 13.766 Bäckereien, Cafés und Restaurants, aber auch Supermärkte und sogar Hotels sind mit dabei. In größeren Städten wie Kaiserslautern gibt es mit Ketten wie Starbucks oder Nordsee viele Möglichkeiten Lebensmittel zu retten, aber auch im Donnersbergkreis scheint die App immer mehr anzukommen.

Zur Sache: So funktioniert die App

In der App „Too Good To Go“ werden alle Läden im näheren Umkreis angezeigt, die Überraschungstüten verkaufen. Mit ein paar Klicks wird eine „Magic Bag“ reserviert und gekauft. Außerdem erfährt der Kunde, wie viel ein Paket kostet und wann es abgeholt werden kann. Für diejenigen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, kann über einen Filter gezielt nach Überraschungstüten gesucht werden, die diese Bedingungen erfüllen. Wer seine Lieblingsläden schneller finden möchte, kann sie zu Favoriten hinzuzufügen. Der Inhalt der Überraschungstüten ist – wie der Name sagt – eine Überraschung. In dem Abschnitt „Was dich erwartet“ stehen aber weitere Informationen, die verraten, ob man beispielsweise Süßigkeiten oder Gemüse von einem Supermarkt rettet.

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