Kirchheimbolanden
Mehrere Stationen in einer Stunde: So läuft’s im Impfzentrum des Donnersbergkreises
Wie ein weißer Schlauch wirkt das Zelt, das im Eingangsbereich zur Stadthalle aufgebaut ist. Es führt zu einem Durchlass, an dem ein Sicherheitsmitarbeiter die Dokumente kontrolliert. Nur mit Terminbestätigung (für die Terminvergabe richtet das Land zum 4. Januar ein Callcenter ein), Pass oder Ausweis und dem Nachweis, dass man zur priorisierten Gruppe gehört, die bereits impfberechtigt ist, gelangt man in die Stadthalle. Die Gruppe der über 80-Jährigen, die zu Hause leben, soll nun doch im Vorfeld angeschrieben werden – diese Info hat Impfzentrum-Koordinator Christian Rossel am Dienstag aus dem Mainzer Ministerium erhalten. Mit Fieber oder sonstigen Symptomen, die mit Covid-19 in Verbindung stehen könnten, darf keiner rein in die Stadthalle – die Körpertemperatur wird am Eingang gescannt. Zugang ist selbstredend nur mit Maske gestattet.
Am Check-in-Schalter überprüfen Verwaltungsmitarbeiterinnen hinter der Trennscheibe die Daten und händigen ein Klemmbrett mit Laufzettel aus. Das ist sozusagen die Eintrittskarte in den Foyer- und Hallenbereich. Denn nur mit dem blauen Klemmbrett unterm Arm oder in der Hand geht’s am nächsten Sicherheitsmann vorbei, der auch darauf achtet, dass der Desinfektionsmittelspender genutzt wird. Bei der Generalprobe am Dienstagvormittag fällt Tanja Gaß, der Abteilungsleiterin für Ordnung und Verkehr im Kreis, eine Hürde auf: Wohin mit den Klemmbrettern beim Händedesinfizieren? Kurzerhand bekommen die Spender, die an mehreren Stellen auf dem Parcours positioniert sind, jeweils einen Stehtisch zur Seite gestellt. Letzte Details, die es zu verbessern gilt – am 11. Januar soll es im Impfzentrum losgehen. In der Woche zuvor könnten womöglich schon Rettungsdienst- und Krankenhauspersonal geimpft werden, schätzt Rossel.
Möglichkeit zum Einzelgespräch
Die Gruppen bei der Generalprobe umfassen je acht Personen. So wird es auch im Regelbetrieb sein, alle 15 Minuten kann sich eine Gruppe auf den Weg machen. Insgesamt sollte etwa eine Stunde für den Besuch des Impfzentrums eingeplant werden, sagt Koordinator Christian Rossel. „15 Minuten für den Check-in, 15 Minuten für die Aufklärung, 15 Minuten fürs Impfen und 15 Minuten Wartezeit im Beobachtungsbereich.“ Der Zeitplan ist realistisch, wie sich am Dienstagvormittag zeigt. Der Landfrauen-Kreisverband um die Vorsitzende Jutta Mohr sowie Rüdiger Kragl und seine Feuerwehr-Alterskameradschaft hatten kurzfristig für ausreichend Testkandidaten gesorgt.
Bevor es ins Innere der Halle geht, wo die Impfkabinen aufgebaut sind, hat die Gruppe Gelegenheit, mit einem Arzt alle möglichen Fragen rund um die Impfung zu besprechen. Wer danach noch Bedarf an einem individuellen, vertiefenden Gespräch hat, der kann sich mit einem Arzt in eine Einzelgesprächskabine zurückziehen. Alle anderen können dort vorbeilaufen und auf eine freie Impfkabine warten. Sie werden aufgerufen. Nach der Impfung heißt es dann noch mal Platz nehmen: Im letzten Wartebereich soll das Augenmerk möglichen Reaktionen auf die Impfung gelten, etwa Kreislaufproblemen. Direkt nebenan befindet sich der Sanitätsbereich, ein Rettungswagen steht laut Rossel stets vor der Tür bereit.
Keine Impfung ohne zweite Dosis
Letzte Station des komplett barrierefreien Impfprozesses ist der Check-out-Bereich. Dort werden Klemmbrett und Kugelschreiber zurückgegeben, im Gegenzug erhält man einen Einleger für das persönliche Impfbuch und eine Terminerinnerung für die zweite Impfung. Ob der Impfmittelknappheit beruhigt Rossel: „Wer eine Impfung erhält, für den steht auch schon eine zweite Impfstoffdosis bereit.“
Die meisten Probanden am Dienstagvormittag zeigten sich beeindruckt vom Impfzentrum in der zweckentfremdeten Stadthalle, das Christian Rossel und Björn Becker federführend organisieren. „Es ist klar strukturiert, es gibt wenig Leerlauf“, befand etwa Denise Schneller aus Münchweiler. Die Erwartung, „dass man hierher kommt und direkt drankommt“, dürfe man sicherlich nicht mitbringen – „aber die Taktung ist gut“. Einziges Problem, das sie ausgemacht hat: „Die Akustik ist schlecht. Es hallt und ist relativ laut.“ Das könne für Menschen mit Hörschwierigkeiten gerade beim Gruppengespräch mit dem Arzt zu Problemen führen. Solche kritischen Rückmeldungen waren beim Testlauf ausdrücklich erwünscht.
Anfahrt auf eigene Faust
Auch Rüdiger Kragl hatte zwei Verbesserungsvorschläge für die Verantwortlichen. Zum einen hänge der Monitor im Anstehbereich, der die Wartenden mit mehrsprachigen Informationen versorgt, etwas zu tief, sei womöglich nicht für alle einsehbar. Zum anderen fehle im Wartebereich vorm Ausgang eine Uhr an der Wand – erst nach einer Wartezeit von 15 Minuten darf es von dort aus weiter zum Check-out gehen. Alles in allem sei alles „super koordiniert“. Karl-Heinz Büchner aus Ottersheim und seine Frau Karin Schall-Büchner haben den Testlauf unter Echtbedingungen gemacht: Er war als Begleitperson dabei – auch das wird unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein. „Der gesamte Ablauf war gut verständlich“, befanden beide.
Rossel berichtet indes, dass ihn in den vergangenen Tagen viele Fragen zur Anfahrt zum Impfzentrum erreicht hätten: „Darum muss sich wie bei jedem Behörden- oder Arztbesuch der Patient kümmern.“ Das Team in der Stadthalle steht in jedem Fall bereit: Ärzte, Apotheker, medizinisches Fachpersonal, die Leitung und Verwaltungsmitarbeiter, Hausmeister und Sicherheitsleute. Rund 20 Personen seien pro Schicht im Einsatz. Die Stadt Kirchheimbolanden hat neben der Stadthalle auch das zugehörige Personal zur Verfügung gestellt.