Kirchheimbolanden
Medizinstudent Ansgar Weber aus Kibo berichtet von seinen Erfahrungen in Ungarn
Seit 2017 ist der 27-jährige Ansgar Weber Student an der Medizinischen Fakultät der Universität Pécs in Ungarn. Ab dem Herbst hat er dort höchstwahrscheinlich einige Kollegen aus der Westpfalz, darunter zwei aus dem Donnersbergkreis. Denn vor wenigen Tagen haben die Landkreise Kusel, Bad Kreuznach, Kaiserslautern, Südwestpfalz, der Donnersbergkreis und die kreisfreien Städte Pirmasens, Kaiserslautern und Zweibrücken eine Kooperation gestartet, bei der 16 Stipendienplätze für Medizinstudenten vergeben werden, die sich nach ihrem Studium wieder in der Westpfalz ansiedeln.
Bei Ansgar Weber wurde das Interesse für Medizin durch sein Engagement in der Jugendfeuerwehr geweckt. „Wir wurden zu einem Einsatz gerufen und sollten da Leichtverletzte betreuen. Damit war ich völlig überfordert. Damit das nicht noch einmal vorkommt, habe ich mich dann mit dem Thema Medizin auseinandergesetzt und irgendwann festgestellt, dass ich das auch beruflich machen möchte.“ Bei Praktika, unter anderem im Krankenhaus, festigte sich der Wunsch. Hinzu kommt, dass sein Großvater Chirurg ist, der ihn darin auch bekräftigte.
Mediterranes Klima in Pécs
2015 schloss Weber sein Abitur am Gymnasium Weierhof mit 2,1 ab. „Das ist ja nicht schlecht, aber für ein Medizinstudium in Deutschland leider nicht genug“, berichtet er. Sein Vater hörte dann von einer Kooperation zwischen dem Westpfalz-Klinikum und der ungarischen Universität in Pécs. Diese bestand darin, dass angehende Studenten eine Woche lang im Klinikum ein Praktikum absolvieren konnten und dann ein Vorauswahlgespräch geführt wurde. Der offiziellen Bewerbung wurde dann ein Empfehlungsschreiben beigelegt.
Ob das Schreiben nun ausschlaggebend war oder nicht – 2017 konnte Ansgar Weber sein Medizinstudium in Ungarn beginnen. Im Ausland zu studieren sei auf jeden Fall ein Abenteuer. „Man weiß am Anfang nicht so wirklich, worauf man sich einlässt“, berichtet Weber. Schließlich müsse man erst einmal in eine fremde Kultur eintauchen. Das Leben in Pécs gefalle ihm aber sehr gut. „Die Stadt hat 150.000 Einwohner, es ist alles eher klein und gut mit dem Fahrrad zu erreichen“, erzählt Weber. In der ungarischen Stadt herrscht ein mediterranes Klima, im Sommer könne es sehr heiß werden. Die meisten Studenten wohnten mitten in der Innenstadt, Unterkünfte sind über die Uni oder über Facebook recht gut zu finden. „Als ich angefangen habe zu studieren, gab es da auch noch richtig gute Preise, jetzt ist das etwas teurer geworden“, sagt Weber.
Regelstudienzeit sechs Jahre
Apropos teuer, Lebensmittel kosteten mehr als in Deutschland. Die deutschen Supermarktketten seien aber auch dort vertreten. Am Anfang sei es dennoch ab und zu zu kuriosen Verwechslungen gekommen; einmal habe er aus Versehen statt einem Ein-Kilo-Eimer Joghurt Schmand gekauft, berichtet Weber lachend. Richtig toll sei der Zusammenhalt zwischen den deutschen Studenten. „Wir können eben nicht mal schnell übers Wochenende nach Hause fahren, deswegen sind die meisten hier und so entstehen schnell neue Freundschaften“, erzählt Weber.
Das Studium sei allerdings gerade in den ersten Semestern herausfordernd. „Da hat man den ganzen Tag Uni und muss auch am Wochenende viel lernen. Das ist schon viel Stoff“, sagt Weber. Die Regelstudienzeit für Medizin liegt bei sechs Jahren. Weber wird etwas länger brauchen, da er sich mit dem Physikum – der Zwischenprüfung – schwergetan hat. Sein Abschluss ist für 2025 geplant. Nach dem Studium schließt sich dann noch eine sechsjährige Facharztausbildung an.
Eher medizinisches Ungarisch gelernt
Ein Vorteil an der Universität in Pécs für alle deutschen Studenten: Das Studium ist komplett auf Deutsch, auch viele Formalitäten lassen sich in der Muttersprache erledigen, berichtet Weber. In der Stadt und beim Einkaufen redeten die meisten Englisch. „Die sind auf Studenten eingestellt.“ Etwa 10.000 hätten einen internationalen Hintergrund. Richtig Ungarisch sprechen kann Weber also nicht, aber vieles verstehen. „Während des Studiums wird man auf den Einsatz im Krankenhaus vorbereitet und lernt sozusagen medizinisches Ungarisch“, erklärt Weber. Bei den Übungen mit Patienten übersetzten die Dozenten viel, die Fragen zu Anamnese – also der Patientenbefragung – lerne man schnell auswendig und mit der Zeit verstehe man doch auch das meiste, was die Patienten antworten.
Welche Fachrichtung Weber später einschlägt, weiß er noch nicht genau. „Erst dachte ich Orthopädie, aber nachdem ich diesen Kurs im letzten Semester hatte, wurde mir klar, das ist wohl doch nicht das Richtige für mich.“ Im Moment tendiert er in Richtung Anästhesist, also Narkosearzt. „Aber es gibt so viele Bereiche, also mal schauen“, sagt Weber. Auch ob es ihn wieder zurück hier in die Gegend verschlagen wird, kann er im Moment noch nicht sagen. Ausgeschlossen ist es aber auch nicht.