Donnersbergkreis Lobby für Geschmack und Genuss

91-85502264.jpg

STANDENBÜHL. In Italien wurde 1989 die inzwischen international arbeitende Organisation „Slow Food“ als Gegenbewegung zum Fast Food gegründet. Seit 1992 gibt es einen Verein „Slow Food Deutschland, der 14.000 Mitglieder in 85 lokalen Gruppen hat, den sogenannten Convivien. Das Ehepaar Ingrid und Rainer Schulmeyer aus Standenbühl, seit 2000 aktiv für Slow Food, plant aktuell die Gründung eines Conviviums in den Gebieten Donnersbergkreis/Westpfalz. Die Gründungsversammlung soll am 30. August um 18 Uhr im Hotel Kollektur in Zell stattfinden.

Frau Schulmeyer, Herr Schulmeyer, was genau ist ein Convivium?

„Convivium“ heißt „Tischgesellschaft, Tafelrunde“ und ist ein zentrales Element unseres Engagements, unserer Arbeit. Es ist eben der Ort, an dem sich Menschen friedlich zusammenfinden, um miteinander zu essen, zu trinken und zu genießen. Wenn Sie auf unsere jährlich im Frühjahr stattfindende Messe „Markt des guten Geschmacks“ in Stuttgart gehen, finden Sie dort lange Tafeln, an denen sich immer wieder sehr viele Besucher einfinden und wohlfühlen. Sie beschäftigen sich also mit dem Verhältnis des Menschen zu seinen Lebensmitteln, Essen und Genuss stehen im Mittelpunkt Ihres Wirkens bei Slow Food. Das ist aber außerdem noch mit einer ganzen Reihe weiterer Zielsetzungen verbunden. Ja, das ist richtig. Genuss ist unserer Ansicht nach an Bedingungen geknüpft. Man sollte nicht beliebig irgendwelche Lebensmittel konsumieren, sondern darauf achten, dass sie fair und sauber hergestellt wurden – und dass sie schmecken! Von Slow Food empfohlene Produkte werden mit Respekt vor der Natur und den Tieren hergestellt. Wichtig sind uns auch das Saisonale und die Regionalität. Es gibt also keine Erdbeeren zu Weihnachten, das Essen den Jahreszeiten entsprechend macht es erst vergnüglich. Was verstehen Sie unter Regionalität? Das heißt erst einmal, dass man sich an dem orientieren sollte, was in der Region angeboten wird und keine langen Wege hinter sich hat. Wir verbringen viel Zeit damit, Produzenten und Konsumenten zusammenzubringen, wir knüpfen Kontakte, sprechen Empfehlungen aus. Bei der Entstehung eines Restaurants in Meisenheim haben wir zum Beispiel von Anfang an beratend zur Seite gestanden, um den Gastwirt mit Informationen über regionale Anbieter zu versorgen. Es ist wichtig, dass man voneinander weiß. Und manchmal muss man Geduld haben und hartnäckig sein. Es gibt hier bei uns in der Region schon recht viele Unterstützer von Slow Food, die sich an der Organisation also finanziell beteiligen. Was hat man eigentlich davon, wenn man Unterstützer ist? Unterstützer dürfen das Logo von Slow Food, die Schnecke, außer auf Produkten auch für ihre Außenwirkung einsetzen und auf ihr Engagement hinweisen. Da muss man schon hinter der Idee stehen. Mehr Geld verdienen kann man damit in erster Linie nämlich nicht. Was sind die bisherigen Schwerpunkte Ihrer Arbeit? Das sind vor allen Dingen zwei größere Veranstaltungen, die seit Längerem erfolgreich laufen. Das ist einmal die Donnersberger Glanrindwoche, die in diesem Jahr zum neunten Mal stattfand. Da beteiligen sich eine Reihe von Restaurants – diesmal waren es zehn – und bieten Speisen, Menüs an, bei denen das Fleisch dieser artgerecht aufwachsenden Rinder im Mittelpunkt steht. Das ist immer ganz toll! Die andere Veranstaltung ist das Donnersberger Weinforum, das im Zellertal stattfindet und bei dem sich drei Weinbaugebiete – Nahe, Pfalz und Rheinhessen – präsentieren. Das wird ebenfalls sehr gut angenommen. Bei beiden Events werden wir vom Donnersberg-Touristik-Verband unterstützt. Da klappt die Zusammenarbeit ganz wunderbar. Seit 1995 gibt es das Convivium „Pfalz“, in dessen Rahmen Sie die beiden Veranstaltungen maßgeblich organisiert haben. Welcher Impuls ist es nun, der Sie eine Neugründung innerhalb dieses Gebietes planen lässt? Die Pfalz ist recht groß und sehr vielfältig. Wenn das Gebiet überschaubarer wird, können wir besser und intensiver an einem Netzwerk arbeiten. Es gibt so viel zu fördern bei uns am Donnersberg, dass wir uns ganz darauf konzentrieren wollen. Außer der Glanrindwoche und dem Weinforum planen wir Stammtische, Geschmackserlebnisse und Produzentenbesuche. Das Convivium Pfalz hat positiv auf unsere Absicht reagiert. Auch die Rheinhessen, zu denen wir einen freundschaftlichen Kontakt haben, freuen sich. Wo sind die geografischen Grenzen des zukünftigen Conviviums? Das Gebiet umfasst das Zellertal, den gesamten Donnersbergkreis über Kaiserslautern bis ins Glantal und reicht bis Kusel und Waldböckelheim. Das Convivium wird „Donnersberger Land/Westpfalz“ heißen. Es gibt im Moment noch eine kleine Hürde. Sie brauchen für die Gründung 15 Neumitglieder. Ist das richtig? Ja, das stimmt. Da sind wir dran und hoffen sehr, dass uns die Rekrutierung bis Mitte Juli gelingt. Mitglied kann jeder werden, der sich für die Idee begeistert. Der Beitrag beträgt 75 Euro im Jahr für Einzelpersonen und 95 Euro für Familien. Was hat man als Mitglied davon? Zunächst einmal tun Sie etwas ökologisch Sinnvolles, indem Sie die Slow-Food-Haltung mittragen und dadurch auch kommunizieren. Und Sie bekommen Einladungen zu allen Veranstaltungen, können im Kreise von Gleichgesinnten genießen, haben die Möglichkeit, bei Produzenten hinter die Kulissen zu schauen. Alle zwei Monate erhalten Sie außerdem das Slow Food Magazin. Wie kann man Mitglied zu werden? Das geht jederzeit über das Internet. Interessenten können sich aber auch direkt an uns wenden, wir beantworten gern Fragen und geben Informationen: Ingrid und Rainer Schulmeyer, Telefon 06357 1452, E-Mail: slow.schulmeyer@t-online.de. | Interview: Ursula Hillrichs

x