Donnersbergkreis Lebensberatung in finanziellen Nöten

Im Haus der Diakonie in der Kirchheimbolander Mozartstraße, dem früheren Diakonissenhaus, sind mehrere Hilfs- und Sozialdienste
Im Haus der Diakonie in der Kirchheimbolander Mozartstraße, dem früheren Diakonissenhaus, sind mehrere Hilfs- und Sozialdienste untergebracht.

„Die Situation im Haus der Diakonie ist finanziell noch angespannt“, zeigt sich Dekan Stefan Dominke besorgt um eines der Hilfs- und Beratungsangebote in der Mozartstraße und ihrer Außenstellen: Die Sozial- und Lebensberatung ist es, die aktuell Kopfzerbrechen bereitet. Diesem Herzstück der diakonischen Arbeit, aus dem die anderen Beratungsangebote sukzessive hervorgegangen sind, drohen dauerhaft rote Zahlen. Dominke hofft in dieser Situation auf Firmen und Einrichtungen als Spender und Sponsoren.

Es sind vor allem zwei Entwicklungen, die sich nach der Schilderung von Dekan Dominke im Etat negativ bemerkbar machen. Zum einen ist die Digitalisierung mit Kosten verbunden. Und zur IT-Pauschale, die nun zusätzlich zu finanzieren ist, kommt als zweiter Faktor hinzu, dass für die Außenstelle in Winnweiler nach der Dekanatefusion Mietkosten zu zahlen sind. Im früheren Dekanat Winnweiler, das mit drei anderen Dekanaten im Kirchenbezirk an Alsenz und Lauter aufgegangen ist, war das nicht erforderlich. „Eine Schere hat sich aufgetan“, beklagt Dominke beim Blick auf das Auseinanderklaffen von Einnahmen und Ausgaben. Obwohl die Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden bereits 5000 Euro jährlich an Unterstützung zugesagt hat, bleibe eine Unterdeckung von 8- bis 9000 Euro jährlich, das sind fast 15 Prozent des Etatvolumens, die zur Finanzierung der Sach- und Betriebskosten fehlen – die Kosten für das Personal trägt die Landeskirche. Bezirkssynode erhöht Umlage „Wenn wir uns nun an Institutionen und Firmen wenden mit der Bitte um Unterstützung, wird natürlich die Frage gestellt: Was tut denn die Kirche?“, bringt Dominke ins Gespräch, wie man sich vor Ort selbst in die Pflicht nimmt. Und da hat es einen deutlichen Ruck gegeben: Die jüngste Tagung der Bezirkssynode des Kirchenbezirks Donnersberg sei von einer unerwartet große Bereitschaft getragen gewesen, die Umlage, die die Kirchengemeinden zugunsten der diakonischen Arbeit aufwenden müssen, zu erhöhen. Obwohl es den meisten Kirchengemeinden finanziell schlecht gehe, viele von den Rücklagen zehren, die eigentlich für Gebäudeunterhaltung angespart werden müssten, habe die Synode bei nur einer Stimmenthaltung einmütig dafür votiert, die Umlage auf 50 Cent pro Kirchenmitglied anzuheben. Im früheren Dekanat Kirchheimbolanden habe diese Umlage zuvor bei 31, im früheren Dekanat Obermoschel bei 41 Cent gelegen. Nicht nur Dekan Dominke ist dankbar für diesen Schritt, auch Ingrid Leber, die Leiterin des Hauses der Diakonie in der Kirchheimbolander Mozartstraße, begrüßt die Haltung, in Menschen und nicht in Gebäude zu investieren. „Wir sind schon solidarisch untereinander“, so Dominke. Wesensaufgabe von Kirche Dennoch: Auch dieser Kraftakt der Kirchengemeinden schließt die Finanzierungslücke nur zu Hälfte, so dass Dominke sich nun auf die Suche macht nach Sponsoren und Spendern, um diesen wichtigen Dienst dauerhaft zu sichern. „Die Diakonie ist eine unverzichtbare Wesensaufgabe von Kirche“, bekräftigt er den Rang dieses Dienstes im kirchlichen Ganzen, dessen praktische, dem Menschen in seinen individuellen Notlagen zugewandte Seite, in der die christliche Nächstenliebe zu sich selbst komme. „Kirche ohne Diakonie ist für mich nicht vorstellbar.“ 300 Beratungsfälle jährlich Ingrid Leber spricht von rund 300 Fällen jährlich, um die sich die Sozial- und Lebensberater des Hauses der Diakonie jährlich kümmern. Außer ihr selbst sind das Rita Reimund für Kirchheimbolanden und Eisenberg, Carmen Müller für Winnweiler, Petra Steller für das Vermitteln von Kindererholung und Kuren sowie die Verwaltungsarbeit. Die Beratungsstelle in Obermoschel mit einer halben Stelle wird gegenwärtig neu besetzt. Sozial-und Lebensberatung ist ein diakonischer Grunddienst und richtet sich an Rat- und Hilfesuchende in komplexen Problemlagen, an finanziell und sozial Benachteiligte, an Menschen, die von Trennungen, Schicksalsschlägen betroffen sind und ähnliches. Andere diakonische Dienste seien, Dank der Unterstützung durch das Land oder die Kommunen, nicht betroffen – Schwangerschaftskonfliktberatung oder Schuldnerberatung seien finanziert, die Erziehungsberatung stehe mittlerweile in Zuständigkeit der Evangelischen Heimstiftung, so Dominke.

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