Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Landrat Rainer Guth und die AfD: Informelles Treffen vor der ersten Amtszeit

Landrat Rainer Guth bestätigt das Treffen mit dem AfD-Politiker. Er bestreitet aber, dass die Initiative von ihm ausging.
Landrat Rainer Guth bestätigt das Treffen mit dem AfD-Politiker. Er bestreitet aber, dass die Initiative von ihm ausging.

Der AfD-Landtagsabgeordnete Lohr veröffentlicht in sozialen Medien, dass er gebeten wurde, Guth bei der Wahl 2017 zu unterstützen. Der Landrat erzählt die Geschichte anders.

Am Donnerstagnachmittag macht Damian Lohr öffentlich, was möglicherweise nicht unbedingt bekanntwerden sollte und es auch länger als acht Jahre nicht war: Lohr, AfD-Landtagsmitglied aus dem Donnersbergkreis, berichtet in sozialen Medien, dass es vor der ersten Amtszeit von Landrat Rainer Guth ein Treffen und eine Absprache zwischen ihm und Guth gegeben habe. Lohr war damals AfD-Fraktionsvorsitzender im Kreis. Guths Wunsch sei es gewesen, dass die AfD keinen eigenen Kandidaten für die Landratswahl 2017 ins Rennen schicke und stattdessen den parteilosen Rainer Guth unterstütze. Lohr willigte ein. Im Gegenzug forderte er „einen fairen Umgang mit seiner Partei“, wiederholte Lohr nun auf RHEINPFALZ-Anfrage. Dieser faire Umgang sei ihm versprochen worden. Außerdem habe er damals ein „Signal von Guth empfangen“, das sinngemäß lautete: Noch nie sei es so einfach gewesen, einen SPD-Landrat im Kreis zu verhindern, will Lohr sich erinnern.

Am Ende kam es, wie erhofft: Rainer Guth siegte bei seiner ersten Kandidatur im Mai 2017. SPD-Bewerber Michael Cullmann zog den Kürzeren. Nachdem die Sozialdemokraten jahrelang den Chefsessel im Kreishaus besetzt hatten, mussten sie ihn räumen.

Er machte am Donnerstag öffentlich, was eigentlich geheim bleiben sollte: Damian Lohr, Donnersberger AfD-Mitglied im Landtag.
Er machte am Donnerstag öffentlich, was eigentlich geheim bleiben sollte: Damian Lohr, Donnersberger AfD-Mitglied im Landtag.

Das informelle Treffen zwischen Lohr und Guth fand im Büro von Rudolf Jacob (CDU), dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde Winnweiler, statt. Das bestätigen alle drei. Weiterhin soll ein FWG-Mitglied anwesend gewesen sein. Allerdings kann sich niemand mehr erinnern, wer der vierte Mann am Tisch war, ebenso weiß niemand mehr das genaue Datum des Treffens. Die Rede ist von Ende 2016/Anfang 2017. Der Austausch im Büro in Winnweiler habe etwa 30 Minuten gedauert, so Damian Lohr. RHEINPFALZ-Recherchen haben ergeben, dass auch Simone Huth-Haage in der Männerrunde saß. Huth-Haage (CDU) war damals Verbandsgemeinderats- und Kreistagsmitglied, saß als Abgeordnete im Landtag in Mainz. Sie äußerte sich am Freitag zunächst nicht.

Guth: „Das war kein konspiratives Treffen“

Auf RHEINPFALZ-Anfrage bestätigte Rainer Guth am Freitagmittag den Austausch mit Lohr vor seiner ersten Amtszeit. Eine Absprache oder Zusage im Zusammenhang mit dem Verzicht auf einen AfD-Kandidaten zur Landratswahl habe es aber definitiv „nicht gegeben“. „Ich habe die AfD auch nicht um Unterstützung gebeten“, so Guth. Das Ganze sei „kein konspiratives Treffen gewesen“, kein heimliches Gespräch in dunklen Hinterzimmern. Das ließe sich schon daran erkennen, dass es am hellichten Tag stattgefunden habe, „während der regulären Öffnungszeiten in einem Rathaus“. Besucher und Mitarbeiter der Verwaltung hätten das mitbekommen (können).

Das Rathaus in Winnweiler war als Treffpunkt auserkoren worden, weil Guth zu diesem Zeitpunkt noch kein politisches Amt inne und damit auch keinen Raum zur Verfügung hatte – Rudi Jacob bot ihm sein Büro an; das bestätigte der Hausherr.

Die Verbandsgemeindeverwaltung Winnweiler: Hier soll das Treffen von Rainer Guth, Bürgermeister Rudi Jacob, einem FWG-Mitglied,
Die Verbandsgemeindeverwaltung Winnweiler: Hier soll das Treffen von Rainer Guth, Bürgermeister Rudi Jacob, einem FWG-Mitglied, der ehemaligen CDU-Kreistagsvorsitzenden Simone Huth-Haage und AfD-Mann Damian Lohr stattgefunden haben.

Über die Initiative, und darüber, wer zu wem den Kontakt gesucht hatte, gibt es zunächst zwei sehr unterschiedliche Versionen. Damian Lohr behauptet, er sei von Guth „um das Treffen gebeten“ worden. Der Landrat widerspricht und sagt deutlich, dass die Initiative vom AfD-Mitglied ausging. „Wir sind von Herrn Lohr angerufen worden. Er hat sich ein Bild von mir und meiner Person machen wollen“, so Guth, der damals ein Politik-Neuling war. Der 55-jährige Eisenberger hat schon immer deutlich gemacht: Er sei parteilos, wenn jemand das Gespräch mit ihm suche, dann höre er zu. Der RHEINPFALZ liegt eine E-Mail von Rainer Guth an Rudolf Jacob und Manfred Boffo (FWG) aus dem März 2017 vor, aus der eindeutig hervorgeht, dass Damian Lohr den Kontakt zu Landratskandidat Guth aufgenommen hat.

„Herr Lohr verdreht in seinem Post die Tatsachen“, so Guth weiter. In seinen Augen schaffe die AfD mit diesen „populistischen Methoden“ vor allem eines: Aufregung, um das Narrativ zu bedienen, dass „die da oben krumme Sachen machen“. Das Gegenteil sei der Fall: „Ich habe mich transparent, klar und redlich verhalten“, so Guth in seinem Statement.

Lohr: „Das ist Heuchelei und Opportunismus“

Warum ist Damian Lohr nun nach einer halben Ewigkeit mit der Geschichte an die Öffentlichkeit gegangen? „Weil eine Grenze überschritten worden ist“, sagt er. Am vergangenen Dienstag, bei der Ernennung von Guth zu seiner zweiten Amtszeit in der Stadthalle von Kirchheimbolanden, sah sich die AfD aufgrund von Guths Äußerungen gegen die Partei diskriminiert – „und eben nicht wie versprochen fair behandelt“. „Diese Heuchelei und der Opportunismus“ hätten das Fass zum Überlaufen gebracht.

In der Tat wetterte Rainer Guth gegen die AfD und gegen Demokratiefeinde. Fast noch mehr tat das allerdings seine Tochter Greta. Die 21-Jährige trat vor den vielen geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Sport und Gesellschaft mit einem Poetry-Slam auf; es war eine Würdigung für den Papa. Darin erzählte sie, dass ihr Vater mal gesagt habe: „Wenn die AfD mehr als sieben Prozent bekommt, dann gehe ich in die Politik.“

Damian Lohr und Parteikollegen sahen die Auftritte von Guth und seiner Tochter als Provokation und Beschimpfung. „Wenn man uns braucht, dann werden wir gerufen wie 2017. Da nimmt man uns gern mit. Bei der letzten Wahl nun, als Rainer Guth nichts zu befürchten hatte und seine zweite Amtszeit sicher schien, da brauchte er uns nicht mehr.“

2025: „Keine Treffen, keine Gespräche“

Und vor diesem Wahlkampf? Laut Lutz Schowalter, Pressesprecher der Kreisverwaltung und damit von Rainer Guth, habe es vor der Landratswahl 2025 „keine Anfrage und auch kein Treffen mit der AfD“ gegeben. Im vergangenen Februar wurde Rainer Guth mit 51,9 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang erneut zum Landrat des Donnersbergkreises gewählt. Die Mitbewerber Jaqueline Rauschkolb (SPD) und der parteilose Alex Raab waren chancenlos. Während des Wahlkampfes hatte die AfD allerdings ungefragt verlauten lassen, dass sie Rainer Guth unterstützen würde. „Diese Empfehlung haben wir jedoch eher als unangenehm empfunden“, sagt Rudi Jacob dazu. Der parteilose Guth hatte sich damals nicht eindeutig gegen die AfD positioniert. Das war nun auf der Bühne in der Stadthalle in dieser Woche anders.

In seinem Büro fand das Treffen statt: Winnweilers VG-Bürgermeister Rudolf Jacob.
In seinem Büro fand das Treffen statt: Winnweilers VG-Bürgermeister Rudolf Jacob.
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