Winnweiler
Kleiderstube „Helfende Hände“ wird zum Erfolgsmodell
Es ist Dienstag und es herrscht schon ordentlich Betrieb in der Kleiderstube kurz vor der Öffnung um 17 Uhr. Kundinnen bewegen sich zwischen den dicht behängten Kleiderständern und prall gefüllten Regalen, betrachten Jacken und Blusen, messen Hosen aus, tragen Kleiderstücke in die Anprobenecke. Beratend stehen ihnen zwei Damen des Caritasausschusses zur Seite, helfen beim Aussuchen, geben Tipps und begutachten auf Nachfrage die Anprobe. „So voll ist es bei uns eigentlich immer“, erzählen Sabine Stilgenbauer und Petra Hoster.
Die beiden arbeiten ehrenamtlich in der Kleiderstube, gehören zu einem Team von zirka 25 Damen, die sich im Dienst abwechseln. „Das mit der modischen Beratung ist nicht mein Ding, das können die Damen besser“, sagt Stephan Schmitz, der Leiter des Caritasausschusses. „Ich bin für die Logistik zuständig, sammele die Kleidersäcke am Pfarramt ein, transportiere sie und sorge dafür, dass alles an seinem Platz ist.“ Dazu gehört auch, in dem gut gefüllten Lagerraum die eintreffende Ware zu sortieren und den Überblick zu behalten.
Ansturm größer als erwartet
„Immerhin gut zehn Säcke mit Kleiderspenden kommen durchschnittlich in der Woche bei uns an“, fährt Schmitz fort. „Das meiste ist verwendbar, aber es ist natürlich auch Unbrauchbares dabei. Das gebe ich an die Kolpingstiftung weiter, die damit noch etwas Gescheites anfängt.“ Die Miete für den Raum in der Schlossstraße und die Energiekosten werden über Spenden finanziert. „Wir freuen uns schon über einen Euro für ein Kleidungsstück. Diejenigen, die es können, geben in der Regel mehr“, berichtet Schmitz. „Wir kommen jedenfalls hin.“
Entstanden ist das Projekt, als im Frühjahr mehr als 100 ukrainische Flüchtlinge betreut werden mussten und eine Kleiderstube und ein Café als Betreuungsstation im Pfarramt etabliert wurden – eigentlich nur für einen überschaubaren Zeitraum geplant. „Der Ansturm war aber wesentlich größer, als wir erwartet hatten“, berichtet Pfarrer Carsten Leinhäuser. „Schnell war uns klar, dass der Bedarf nach langfristiger Unterstützung sehr hoch ist. Nicht nur bei den Kriegsgeflüchteten. Mit dem Raum neben der Adler-Apotheke können wir nun ein auf Dauer angelegtes Angebot machen.“
Bonifatiuspreis für die Kleiderstube
Auch Schmitz betont: „In der Kleiderstube sind wirklich alle willkommen – diejenigen, die sich für nachhaltige Mode interessieren, und besonders jene, die in Not sind. Das ist uns wichtig. Denn die kommende Zeit wird sicher für viele Menschen in unserer Verbandsgemeinde eine emotionale und finanzielle Herausforderung sein.“
Für ihr Engagement erhielt die Pfarrei Heilig Kreuz vor kurzem den Sonderpreis des Bonifatiuspreises, mit dem alle drei Jahre herausragende Projekte und Menschen, die im christlichen Bereich neue Wege gehen und Traditionen weiterdenken, ausgezeichnet werden.
Info
- Die Kleiderstube „Helfende Hände“ ist immer dienstags zwischen 17 und 19 Uhr und zusätzlich jeden ersten Dienstag im Monat von 9 bis 11 Uhr geöffnet. Kleiderspenden können im Pfarramt abgegeben werden.
- Das Café „Helfende Hände“ im Pfarrheim bleibt wegen der hohen Nachfrage bis auf Weiteres immer freitags von 17 bis 19.30 Uhr geöffnet. Hier sind insbesondere Kriegsgeflüchtete eingeladen, die in bürokratischen Fragen und Anliegen unkomplizierte Unterstützung brauchen.