Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Kirchheimbolanden: Magie des irischen Stepptanzes in der Stadthalle

Bei den schwarzen Leggings und silbernen Tops wird es nicht bleiben, die Kostüme wechseln mehrfach.
Bei den schwarzen Leggings und silbernen Tops wird es nicht bleiben, die Kostüme wechseln mehrfach.

Die Magie des Tanzes spüren konnten die Besucher am Dienstag in der ausverkauften Stadthalle an der Orangerie. Zwölf Mitglieder der irischen Truppe „Dance Masters“ waren mit einer Show der Superlative nach Kirchheimbolanden gekommen. Sie erzählten eine gefällige Rahmenhandlung und boten atemberaubenden Stepptanz, begleitet von drei Live-Musikern.

Mit den bodennahen Fußbewegungen und dem rhythmischen Aufstampfen ist der irische Stepptanz streng reglementiert und so populär, dass es eine Fülle von Tanzgruppen und Wettbewerben in Irland gibt. Die Besten kommen in eine der mindestens 16 Tanzshows wie die Dance Masters, die weltweit auftreten.

Irischer Stepptanz wird meist in „Hard Shoes“ mit glasfaserverstärkten Kunststoff-Plättchen unter den Zehenspitzen und Absätzen zu rasanten Clicks ausgeführt. Soft Shoes aus weichem Leder erlauben den Tänzern leichte Schritte und Sprünge. Es ist faszinierend, wie es der Gruppe gelingt, mit dem begrenzten Bewegungsmaterial eine begeisternde Show auf die Bühne zu zaubern.

Mehrere Kostümwechsel

Natürlich tragen die Kostüme dazu bei. Die sieben Tänzerinnen wechselten gemäß der Rahmenhandlung mehrfach ihre Kleidung. Die fünf Tänzer treten in schwarzer Kleidung auf. Zu Beginn stellen sich die Tänzerinnen in schwarzen Leggings und golden glitzernden Tops vor.

Mit ihren Formationen und klickenden Stepps bringen die zwölf sofort die Bühne zum Beben. Auf einer Leinwand werden die Fußbewegungen live übertragen.

Aus dem Off wird die Rahmenhandlung erzählt: Patrick (Jason Hardaker) fragt sich, ob Kate (Holly Dalton) ihn liebt. Sie ist mit Kevin verbunden, auf den Ashley eifersüchtig ist. Die Tänzer wechseln mit den Soloauftritten der drei Live-Musiker ab. Zunächst singt Barry Tierney mit kehliger Stimme und Gitarrenbegleitung ein romantisches Lied. Er füllt mit seiner hohen Bühnenpräsenz sofort den Raum. Genauso wie seine beiden Mitspieler, die im zweiten Stück dazukommen, mit dem sie in die wirbelnden Klänge der irischen Folklore führen: Fionn Moriss spielt den irischen Dudelsack, in den er mit dem angewinkelten Arm Luft pumpt, genauso virtuos wie die Pipes, die verschiedenen Flöten.

Gebanntes Publikum

Auch die Geigerin Andree Theriault spielt sich in die Herzen der Zuhörer. Bei jedem Auftritt der Musiker überrascht sie die Zuschauer mit einem anderen Kleid. Es ist kurz und rot, wenn es danach im Tanz um die Liebe geht, lang und grün mit raffinierter Beinfreiheit im Fortgang der Handlung oder weiß fließend das Happy End ankündigend. Von einem Zwischenauftritt zum nächsten ziehen die Musiker das Publikum immer mehr in ihren Bann, ob sie 400 Jahre alte oder moderne Weisen spielen. Zum Schluss werden sie die begeisterten Besucher zum Klatschen und Singen angesteckt haben.

Tanzlehrer seit dem 18. Jahrhundert

„Dance Masters“ waren Tanzlehrer, die in Irland seit dem 18. Jahrhundert umherzogen und dem Volk irische Folklore beibrachten. Die Rahmenhandlung erzählt nun, wie es schon in früheren Zeiten unglücklich verliebte Tänzer gab. Patrick tritt als ein solcher Tanzlehrer auf. Die Tänzer kommen in der traditionellen Kleidung der damaligen Zeit auf die Bühne, die Männer barfuß. Es ist eine humorvolle Szene. Patrick zeigt die Schritte in gekonnter Manier, die Tänzerinnen nehmen sie geschickt auf.

Die Männer tun sich schwerer mit den traditionellen Steps und Raumformen. Aber schließlich endet die Lektion in einem Fest voller ansteckender Tanzfreude. Die Zeitreise durch die irische Tanzgeschichte wird fortgesetzt im Jahr 1960: Als Tanzlehrer zeigt Patrick nun Schülern die Fortschritte des Irischen Tanzes. Jetzt treten die Tänzerinnen in karierten Tellerröcken auf. Der Tanzlehrer macht die Schritte vor und achtet auf die korrekte Ausführung. Wieder endet es in einem Tanzfest. Und erneut nähert sich Patrick Kate an, die aber von Kevin (Michal Zubalek) weggelockt wird, während Ashley (Caoimhe Quinn) vergeblich mit ihm flirtet.

Gegenwart des Irischen Tanzes

Mit einer jazzigen Flöten-Improvisation leitet Moriss zur Gegenwart des Irischen Tanzes über. Wir befinden uns in der Gegenwart, bei den Proben für eine Bühnenshow. Entsprechend treten die Tänzer nun in neonfarbenem Fitnessdress auf. Zu mächtigem Schlagzeugrhythmen mischen sie ihre Steps mit Hip-Hop-Elementen.

Zum ersten Höhepunkt des Abends wird der Showauftritt der Gruppe, mit rasanten virtuosen Steps, präzise und in voller Synchronität getanzt. In der Geschichte macht sich Patrick Hoffnungen, weil er zum ersten Mal mit Kate auftreten kann. Seine Hoffnungen trügen offenbar nicht. Das Feuer auf der Leinwand deutet es an. Denn nach der Pause zeigen die beiden einen Liebestanz mit Soli auf höchstem Niveau.

In der Choreographie erleben die Zuschauer, wieviel Ausdruckskraft im Irischen Tanz steckt. Die Bewegungen zeugen in ihrer Weichheit, den Sprüngen und Hebefiguren von Liebe, es kommt aber auch zu kämpferischen Szenen zwischen Kate und Ashley und Patrick und Kevin. Ihre Konkurrenz beenden die beiden Männer tänzerisch. Mit einem Wettstreit des Könnens, spielerisch „erzählt“ im Stepptanz. So kann die Geschichte in einem furiosen Finale aller Tänzer in weißen Kostümen enden.

x