Steinbach RHEINPFALZ Plus Artikel Kegeln ist wieder Kult: Ein Dorf kommt ins Rollen

Saisonende: Die Mannschaften der Kegelliga kamen zur Siegerehrung nochmals zusammen.
Saisonende: Die Mannschaften der Kegelliga kamen zur Siegerehrung nochmals zusammen.

In Steinbach wurde eine alte Tradition zu neuem Leben erweckt und übertrifft alle Erwartungen. Kegeln – im Ligamodus, mit vielen Statistiken und vor allem reichlich Spaß.

„Alle Neune!“, hallt es über die Steinbacher Kegelbahn. Was nach einem gemütlichen Kegelabend klingt, ist längst mehr: ein Turnier mit neun Teams, 36 Spielen – und jeder Menge Leidenschaft. Über den Herbst und Winter hinweg rollt die Kugel in Steinbach nicht nur aus Tradition, sondern als echtes Dorf-Event.

„Meine Großeltern haben sozusagen den Grundstein gelegt“, sagt Florian Bauer. Der 30-Jährige koordiniert das Kegelturnier in Steinbach – eine Rolle, die für ihn fast familiär ist: „Meine Familie ist im örtlichen Sportverein aktiv, seit ich denken kann.“ Die Steinbacher Kegelbahn, inzwischen 43 Jahre alt, wurde immer wieder als Veranstaltungsort genutzt – für Dorfturniere, Geburtstage, gesellige Abende. Leer stand sie nie, doch das regelmäßige Wettkampfgeschehen geriet mit der Zeit ins Stocken. Dass die Bahn heute wieder lebt, ist dem Engagement des Sportvereins und der guten Instandhaltung zu verdanken – und einer zündenden Idee: Vor vier Jahren feierte das Kegelturnier in Steinbach sein Comeback.

Rund zehn Jahre lang hatte kein Turnier mehr stattgefunden, bis Florian Bauer 2021 das Projekt „Kegelturnier-Revival“ ausrief. „Es gab immer wieder Stimmen, die sagten: Schade, dass hier nichts mehr los ist“, erinnert er sich. Als früheres Vorstandsmitglied des Vereins hatte er die Debatte lange mitverfolgt – und dann selbst das Zepter in die Hand genommen. „Eigentlich hat nur jemand gefehlt, der es einfach mal macht“, sagt er. Gesagt, getan: Bauer stützte sich auf alte Turnierformate, sprach potenzielle Gruppen an – und war überrascht vom Echo. „Auf einmal meldeten sich viel mehr Teams, als ich erwartet hatte.“

Coole Hechte treffen auf Nils Holgerssons Freunde

Die einzige Bedingung: Fünf Mitspieler pro Team, ein Kapitän – und ein origineller Gruppenname. Vom Musikverein bis zu den Kerweborsch kamen Interessierte aus allen Ecken. Darunter auch das einzige reine Frauenteam, das sich „Die coolsten Hechte vom Karpfenteich“ nannte – und zugleich die wenigste Kegelerfahrung mitbrachte. „Wir sind einfach eine Gruppe Freundinnen, die gerne Teil der Dorfgemeinschaft sind“, sagen sie. „Das Schönste ist für uns das generationsübergreifende Miteinander.“ Ein weiteres Beispiel: „Nils Holgerssons Freunde“, ein Zusammenschluss befreundeter Ehepaare, unterstützt von ihren erwachsenen Kindern. „Beim Kegeln treiben wir gemeinsam Sport, treffen Freunde und haben einfach großen Spaß“, heißt es. „Für unser Dorf ist das Turnier ein echter Gewinn. Jung und Alt verfolgen dasselbe Ziel – und die Dorfgemeinschaft ist dadurch noch enger zusammengerückt. Stärken und Schwächen hängen hier nicht vom Alter ab.“

Dass das Turnier nicht nur soziale, sondern auch sportliche Dynamik entfaltet, zeigt ein Blick auf den Ablauf: Gespielt wird im Liga-Modus „Jeder gegen Jeden“. Florian Bauer organisiert Spielplan, Termine und Auswertung beinahe im Alleingang – inzwischen mit etwas Unterstützung eines Freundes. „Der Aufwand ist groß, aber es macht einfach Spaß – und dann macht man auch mehr, als man müsste“, sagt er. Besonders wichtig ist ihm die Statistik. Neben dem Teamranking erfasst er auch Einzelleistungen – die fünf besten Spielerinnen und Spieler kommen in die Wertung. „Ich will nicht nur wissen, wer gewinnt, sondern auch, welche Zahlen sonst noch entstehen“, erklärt Bauer. Damit diese nicht nur auf seinem Laptop schlummern, zeichnet er die besten drei Frauen und Männer am Ende des Turniers mit einer Urkunde aus.

Saison endet mit Siegerehrung

Auch beim Sportverein freut man sich über das neue Leben auf der Bahn. „Es ist schön zu sehen, wie das Turnier wieder auflebt“, sagt Markus Buhl-Bohlander, Vorsitzender des TuS Steinbach. „Ein großer Dank gilt Florian Bauer für sein Engagement. Das Turnier sorgt für Gesprächsstoff, beflügelt den Ehrgeiz der Mannschaften – und bringt auch junge Leute wieder zum Kegeln. Das hat unserem Verein neuen Schwung verliehen.“ Am Wochenende ging die Saison im Rahmen der Biergarten-Woche mit Siegerehrung und Abschlussfeier zu Ende. Was vor vier Jahren als Revival begann, hat sich längst zum festen Bestandteil des Dorfkalenders entwickelt – und zeigt, wie viel Bewegung entsteht, wenn jemand die Kugel einfach mal ins Rollen bringt.

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