Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Ingenieurbüro Monzel-Bernhardt: Der „Herr der Rohre“ übergibt das Zepter

Übergabe an die Nachfolger: Johann Bernhardt hat die Leitung des von Wilhelm Monzel gegründeten und von ihm lange Jahre (mit) ge
Übergabe an die Nachfolger: Johann Bernhardt hat die Leitung des von Wilhelm Monzel gegründeten und von ihm lange Jahre (mit) geführten Ingenieurbüros in die Hände von Michael Brand (links) und Volker Schaak gelegt.

An hunderten öffentlichen Bauprojekten war das Ingenieurbüro Monzel-Bernhardt in den vergangenen 66 Jahren beteiligt. Fast die komplette Zeit hat Johann Bernhardt im Unternehmen gearbeitet: Erst als Angestellter, ab 1975 als (Mit-)Inhaber. Nun legt der 82-Jährige die Leitung in jüngere Hände. Und blickt zurück – etwa auf seinen Bammel vor der ersten Baustelle.

Als ihm Gründer Wilhelm Monzel 1975 die gleichberechtigte Teilhaberschaft an seinem Ingenieurbüro angeboten hat, „da habe ich gedacht: Jetzt hast du es geschafft und kannst vielleicht mal ein bisschen früher in Rente gehen“, erzählt Johann Bernhardt schmunzelnd im RHEINPFALZ-Gespräch. Aus dem „ein bisschen früher“ ist dann in der Praxis „ein viel später“ geworden: Nicht lange vor seinem 83. Geburtstag hat er das seit seinem Einstieg unter dem Namen Monzel-Bernhardt firmierende Büro zum 1. April an die beiden langjährigen Mitarbeiter Volker Schaak und Michael Brand übertragen.

Zwar werde es nun „höchste Zeit“ für diesen Schritt, betont Bernhardt. Doch wer ihn mit ungebrochener Energie von seinen Erinnerungen aus fast 60 Jahren im Unternehmen erzählen hört, der spürt: Leicht fällt es ihm nicht, seinen Schreibtisch im Morbacherweg mit herrlichem Blick über Rockenhausen zu räumen. Für ihn war sein Beruf zugleich Berufung, „die Arbeit auch ein Stück weit mein Leben“. 1962 kam er als junger Ingenieur zu dem sechs Jahre zuvor gegründeten Büro, fünf Umzuge innerhalb der Stadt hat er mitgemacht. 1998 wurde der jetzige Standort bezogen.

„Stoße bei Digitalisierung an meine Grenzen“

Fehlen wird Bernhardt nicht nur die schöne Aussicht. Während der Corona-Zeit, als der morgendliche Gang ins Büro zeitweise nicht möglich war, habe er zu seiner Frau gesagt: „So, Margit, wir haben schön gefrühstückt – und jetzt?“ Die lange gewohnte Routine wird er vermissen. Und doch gebe es nun mal gute Gründe, mit 82 Jahren in Ruhestand zu gehen. „Ich mache mir nichts vor: In meinem Alter – und obwohl ich manches am PC durchaus kann – stoße ich bei der zunehmenden Digitalisierung an Grenzen.“ Wobei er die moderne Technik keineswegs negativ sieht: „Anfangs waren die Programme noch nicht so gut, heute zeichnen sie jedoch sehr exakt.“

Er sei dagegen von Haus aus gewohnt, jedem im Betrieb „etwas vormachen zu können – und das scheitert nun so langsam“. Da helfe es ihm auch nur wenig, dass er ein komplettes Rohrleitungssystem exakt mit der Hand zeichnen kann. Oder als gelernter Schlosser stets bei Installationen von diesen Fertigkeiten profitiert hat. Doch wenn ihm inzwischen Mitarbeiter zeigen müssten, wie ein Programm funktioniert, dann sei der Moment gekommen, sich einzugestehen: „Hans, nach 59 Jahren für ein und dieselbe Firma ist es nun Zeit aufzuhören.“

Vor allem in Nord- und Westpfalz sowie Rheinhessen tätig

Erleichtert werde ihm das durch die Gewissheit, mit Monzel-Bernhardt ein renommiertes Ingenieurbüro übergeben zu können. Dieses war in den vergangenen Jahrzehnten in ganz Rheinland-Pfalz, vor allem aber in der Nord- und Westpfalz sowie in Rheinhessen tätig. Für rund ein Dutzend Verbandsgemeinden von Bad Kreuznach im Norden bis Otterbach im Süden, von Lauterecken im Westen bis Wonnegau im Osten hat man Projekte gestemmt, zu den Auftraggebern zählten auch die Landesbetriebe Liegenschafts- und Baubetreuung sowie Mobilität.

Der Tief- und Straßenbau sowie die Herstellung und Unterhaltung der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung sind Steckenpferde des Büros. Aber auch Hochwasserschutz, Gewässerunterhaltung, Raum- und Umweltplanung sowie Vermessungen zählen zum Leistungsspektrum. Auf die Frage nach den einprägsamsten Maßnahmen schüttelt Bernhardt nur den Kopf: „Wir hatten vielleicht 100, 200 interessante Projekte, da könnte ich ein Buch drüber schreiben.“

Nervosität vor erstem Projekt als Bauleiter

An manche erinnert er sich dann doch besonders gut. Vor allem an das erste Vorhaben, für das er selbst verantwortlich war: „Das war 1965, die Errichtung eines Turmbehälters in Eppenbrunn. Der damalige Bauleiter hat kurzfristig gekündigt und Herr Monzel sagte zu mir: ,Herr Bernhardt, jetzt müssen Sie die Baustelle machen’.“ Das Problem: Die Herstellung erfolgte in sogenannter Betongleitschalung. „Das wurde im Studium nur mal ganz kurz angesprochen. Da war ich schon ein bisschen nervös.“ Der Polier habe ihn aber beruhigt und gesagt, er solle sich keine Gedanken machen. „Es hat dann tatsächlich gut geklappt.“

Das gilt auch für zig weitere Projekte, die unter der Federführung von Monzel und Bernhardt – beide waren beziehungsweise sind beratende Ingenieure der rheinland-pfälzischen Kammer – geplant und umgesetzt wurden. Allen voran in der Wasserversorgung: „Wir haben von hier bis Kusel in jeder Verbandsgemeinde Anlagen geplant und gebaut, im Raum Pirmasens Brunnen gebohrt und Wasserwerke errichtet, im Land sind vielleicht 20 Hochbehälter unter unserer Federführung entstanden“, nennt er nur ein paar markante Beispiele.

Kanalbau von Wartenberg-Rohrbach bis Bad Münster

Ähnlich sieht es bei der Abwasserbeseitigung aus: „Von Wartenberg-Rohrbach bis hinauf nach Bad Münster am Stein haben wir in jeder Gemeinde Kanäle gelegt – allein in der früheren VG Alsenz-Obermoschel hatten wir Aufträge für über 70 Millionen Mark.“ Für den Bau der großen Gruppenkläranlagen in Alsenz, Rockenhausen und Winnweiler zeichnete das Büro ebenfalls verantwortlich, und, und, und ...

Jedoch sind beim Wasser und Abwasser längst die fetten Jahre vorbei, in denen die Leitungsnetze entstanden sind. Neubaugebiete, Sanierungen und Erweiterungen garantierten zwar eine gute Auftragslage. Aber nun mal nicht wie in der Blütezeit für knapp 50 Mitarbeiter. Jetzt sind es noch 21 – darunter fünf Ingenieure –, und Bernhardt ist froh, „dass sie vollbeschäftigt sind“. Für die nächsten Jahre erwartet der scheidende Inhaber, dass im Bereich Hochwasserschutz und Gewässerunterhaltung Potenzial für neue Aufträge liegt. So hält er das Anlegen von Retentionsräumen und Rückhaltebecken mit Versickerungsmöglichkeiten für wichtig, um den sinkenden Grundwasserspiegel – Stichwort Klimawandel – wieder anzuheben.

Neuer Name: „mb.ingenieure“

Keine Sorgen macht er sich um die Zukunft: Die neuen Inhaber Volker Schaak und Michael Brand, die fortan als GmbH unter dem Namen „mb.ingenieure“ auftreten, hätten „das Büro seit Jahren erfolgreich vertreten“. Bernhardt wünscht ihnen mit Unterstützung des nach seinen Worten hervorragenden Teams „Gesundheit und eine glückliche Hand“, um sein und Wilhelm Monzels Lebenswerk noch lange fortführen zu können.

Er selbst hat nun mehr Zeit für die Familie, zu der neben seiner Frau auch zwei Söhne und fünf Enkel gehören. Darüber hinaus hat er aber keine besonderen Pläne: „Viele sagen ja, wenn sie in Ruhestand gehen, jetzt kann ich endlich dieses und jenes fertigmachen. Ich habe nix fertigzumachen – unser Haus und unser Garten sind in Ordnung.“ Alles andere hätte bei einem akribischen und gewissenhaften Menschen wie Johann Bernhardt allerdings auch verwundert. Und um große Projekte hat er sich in den letzten 60 Jahren wahrlich genug gekümmert ...

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