Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Immobilienwirt: Kirchheimbolanden braucht Alleinstellungsmerkmale

„Wir liegen strategisch sehr gut“, sagt Immobilienwirt Markus Mayer. Gute Chancen für die Stadt, zu wachsen.  Foto: Stepan
»Wir liegen strategisch sehr gut«, sagt Immobilienwirt Markus Mayer. Gute Chancen für die Stadt, zu wachsen.

Die Schaffung von Wohnraum, die Belebung der Innenstadt, das sind zwei große Themen in Kirchheimbolanden. Doch welcher Wohnraum wird überhaupt nachgefragt – und welche Geschäftsräume lassen sich vermieten? Wir haben mit Markus Mayer von Eupora Immobilien gesprochen, der auch Vorstandsmitglied der Region West im Immobilienverband Deutschland ist.

„Kleine Wohnungen, ein bis zwei Zimmer für Alleinstehende, sind sehr schnell vermietet“, sagt Mayer. Im Idealfall auch noch innerstädtisch und mit einem Aufzug. „Dort, wo alleinstehende ältere Menschen selbstständig ihren Alltag bewältigen können. Da könnten wir noch mehr vermieten, wenn wir mehr hätten“, sagt der Immobilienfachmann. So ziehe es auch immer mehr Menschen in Städte wie Kirchheimbolanden, Rockenhausen oder Eisenberg, aber auch größere Gemeinden wie Göllheim oder Winnweiler, weil dort die Versorgung gut sei.

Auch Rockenhausen gefragt

Von einer Wohnungsnot will Mayer in der Donnersberger Kreisstadt aber nicht sprechen. „In gewissen Bereichen gibt es einen höheren Bedarf.“ Die Preise jedenfalls seien hier gestiegen – bei manchen Neubauten in guter Lage liege der Mietpreis auch schon einmal bei neun Euro pro Quadratmeter. Der Durchschnitt betrage rund sechs Euro. „80, 90 Quadratmeter, drei bis vier Zimmer für junge Familien, auch das ist gefragt“, so Mayer. Für ihn selbst gilt: Eine gewisse Qualität sollte gewährleistet sein. Wohnungen mit baulichen Mängeln wolle er keine vermitteln.

Wichtig sei den Menschen hier in der Region auch ein Stellplatz vor dem Haus. „In Mainz oder Frankfurt ist es für die Bewohner dagegen kein Problem, mal weiter weg zu parken.“ Beobachtet hat er auch, dass die Stadt Rockenhausen als Standort für Miet- und Kaufwohnungen gefragt ist. „Ich glaube, dass die Stadt von den Einheimischen schlechter geredet wird, als sie ist“, sagt Mayer.

Gute Lage der Kreisstadt

Was Kirchheimbolanden betrifft, so seien die Chancen für die Stadt zu wachsen gut. In den vergangenen Jahren habe er immer wieder beobachtet, dass Menschen, die in der Kleinen Residenz bauen wollten, auf die Ortschaften in der Umgebung ausgewichen sind, weil sie in der Kreisstadt nicht fündig wurden, was ein Bauplatz betrifft. „Es ist schade, wenn Kerchemer sagen, dass sie hier nichts kriegen.“ Für das Vorstandsmitglied des Immobilienverbandes wäre es ratsam, dass die Stadt Baugebiet vorhält. „Dann kann man auch auf kurzfristige Nachfragen reagieren.“

Ohnehin werde der Druck raus aus den Ballungszentren immer größer, weil dort die Immobilienpreise immer weiter steigen. „Wir liegen strategisch sehr gut. Kirchheimbolanden bietet aber auch als Stadt eine hohe Lebensqualität, es gibt hier Wald, eine gute Infrastruktur und eine medizinische Versorgung.“ Für Familien sei so etwas attraktiv. „Wir leben hier in einer kleinen Oase des Glücks, haben ein angenehmes Umfeld, keine Kriminalitätsprobleme.“

„Kommunen müssten zusammenarbeiten“

Gute Voraussetzungen also. „Da erwarte ich aber auch von der Stadt ein bisschen vorausschauende Politik.“ Im Übrigen auch über die Grenzen der Stadt hinaus. „Die Kommunen müssten viel besser zusammenarbeiten. Was in Kirchheimbolanden nicht geht, kann dagegen vielleicht in Rockenhausen oder Winnweiler funktionieren.“ Hier müsse man als eine Region auftreten.

Das meint der Immobilienwirt auch mit Blick auf das Thema Gewerbe. In Kirchheimbolanden würde er sich beispielsweise weitere Gastronomie wünschen, speziell im Bereich des Römerplatzes. Überhaupt Römerplatz: „Der Platz hat noch viel mehr Potenzial. Da könnte man mit relativ einfachen baulichen Maßnahmen einiges bewegen. Der Platz wirkt kahl. Ein paar Bäume, ein bisschen Schatten wären schon einmal gut.“ Auch kleinere Veranstaltungen am Römerplatz zum Wochenende hin – nicht die ganze Nacht, aber beispielsweise von 18 bis 21 Uhr – könne er sich gut vorstellen. „Die Bühne ist ja da.“

Fachhandel für die Innenstadt

Dass es mit Nadine Müller nun eine Citymanagerin gibt, sei ein guter Ansatz. „Sie wird aber auch zwei, drei Jahre brauchen, bis man da Erfolge spürt“, sagt Mayer. Sehr gut findet er auch den Arbeitskreis Stadtentwicklung, in dem sich interessierte Bürger, Vertreter der Politik, des Verkehrsvereins „pro Kibo“ und auch die Citymanagerin Gedanken machen, wie man die Stadt entwickeln kann.

Mayer selbst könnte sich für die Innenstadt Fachhandel vorstellen – Sachen, die man nicht überall auf die Schnelle bekommt. „Wenn sich hier zwei, drei starke Firmen ansiedeln würden, wäre das klasse. Auch qualitativ gute Gastronomie. Qualitativ gut heißt nicht, dass sie teuer sein muss.“ Mayer geht es hier um Alleinstellungsmerkmale. „Nicht das, was es gefühlt schon 400.000 Mal in Städten gibt.“

Auch Vermieter gefragt

Hier seien aber auch die Vermieter gefragt. „Es nützt nichts, wenn Läden acht Monate leerstehen und ich dann 200 Euro runtergehe.“ Eine Mietsubvention sei da sinnvoll. „Wenn die Grundmiete zu hoch ist, ist das für einen Geschäftsinhaber schon zum Scheitern verurteilt.“ Auch müsse ein Vermieter was in seinen Laden investieren. „Die Räumlichkeiten können durchaus alt sein, sie müssen aber ansprechend aussehen.“ Gerade im Gewerbe müsse man sehr flexibel sein. Kultur, Tourismus, Gesundheit – das sind Bereiche, die aus Sicht des Immobilienwirts für die Stadt interessant sind. Die Chancen sind für Mayer da – es gelte aber auch, diese zu nutzen.

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