Oberwiesen RHEINPFALZ Plus Artikel Hilfe fürs Ahrtal – Einsatz mit Vierzigtonnern und jeder Menge Whatsapp

Janine Malkmus (vorne links), Sophia May und Finn-Ole Stephan sind das Kernteam der Fluthilfe Oberwiesen. Sie verbringen etliche
Janine Malkmus (vorne links), Sophia May und Finn-Ole Stephan sind das Kernteam der Fluthilfe Oberwiesen. Sie verbringen etliche Stunden pro Woche mit dem Verpacken und Kategorisieren der Spenden.

Warten ist nicht ihr Ding. Zupacken dagegen schon: Janine Malkmus brachte mit einem Helferteam in Oberwiesen eine beispielhafte Hilfsaktion für Opfer der Flutkatastrophe im Ahrtal ins Rollen. Acht Vierzigtonner haben sie bereits auf den Weg geschickt. Und dafür gesorgt, dass alles dort ankommt, wo es gebraucht wird.

Wenn Janine Malkmus morgens gegen sechs Uhr zum ersten Mal auf ihr Handy schaut, warten mehr als 100 ungelesene Whatsapp-Nachrichten. „Noch stecken wir in der heißen Phase“, sagt sie. Das bedeute, etliche Stunden am Tag telefonieren, schreiben, organisieren, nicht selten bis mitten in der Nacht. Doch das Wichtigste für sie: Die Hilfe für die Flutopfer an der Ahr, die sie zusammen mit etlichen Helfern unmittelbar nach der Katastrophe angestoßen hatte, kommt an. Ein Kraftakt war das Ganze allerdings schon.

Angefangen hatte es unmittelbar am Tag nach der Katastrophe mit einer ernüchternden Erkenntnis: Es wird dauern, bis Hilfe bei den Menschen ankommt. „Und so war schnell klar: Wir organisieren selbst etwas“, erinnert sich Malkmus. Gemeinsam mit Sophia May und Finn-Ole Stephan aus Oberwiesen bildet Malkmus bis heute den Kern einer Helfergruppe, die mittlerweile an die hundert Leute umfasst. Die Helfer und Spenden kommen aus dem gesamten Umfeld. Kriegsfeld, Offenheim, Mauchenheim, Rockenhausen, Albig, Framersheim – über den Donnersbergkreis bis nach Rheinhessen gehen die Kontakte. „Über Wehrleute aus Oberwiesen hatten wir schnell Kontakt ins Ahrtal, und über sie entstand auch ein Weg, unsere Hilfsmittel ins Ahrtal zu transportieren.“ Zwei der Wehrleute sind nämlich im Hauptberuf Lkw-Fahrer und in der Lage, Vierzigtonner zu lenken. Zudem haben sie einen Speditionschef, der seine Leute in ihrer Mission unterstützt und wann immer möglich seine mächtigen Vehikel dafür zur Verfügung stellt.

Stundenlang am Telefon

Vom Firmengelände in Oberwiesen aus sind bereits acht dieser Vierzigtonner voll beladen mit Hilfsgütern auf die Straße geschickt worden, erzählt Janine Malkmus. Kleidung, Schuhe, Verbandsmaterial, Hygieneartikel, Decken für den Winter. Auch etliche mit Trinkwasser gefüllte 1000-Liter-Kanister. Die waren, wie alles, was Malkmus und ihr Team bisher verschickt haben, von einem Unternehmen gespendet worden. „Wir haben schon etliche Stunden am Telefon verbracht und viele Spenden zusammengebettelt“, erzählt Malkmus. Die Hilfsbereitschaft sei enorm, sowohl bei Firmen als auch auf privater Ebene. „Aber wir haben auch schnell gemerkt, dass man das Ganze in Bahnen lenken muss, damit es da ankommt, wo es gebraucht wird“, sagt Malkmus. Warnende Beispiele waren Aktionen in anderen Gemeinden, bei denen die Sammelstellen regelrecht überschwemmt wurden oder sich keine Verteilerstelle für die Spenden fanden und ganze Lkw-Ladungen unberührt den Rückweg antreten mussten. „Wir haben also als nächsten Schritt Firmen aktiviert, die uns mit Paletten und Verpackungsmaterial wie Folien und Pappe versorgten und haben unsere gesamten Spenden kategorisiert“, erzählt Malkmus.

Mit Orgateams im Ahrtal in Kontakt

Die Oberwiesener Spendensammler stehen ständig in Kontakt mit den Menschen mit Ahrtal. „Es gibt dort mittlerweile Orgateams für die Spendenverteilung.“ Zu etlichen Gruppen habe sie per Whatsapp Kontakt. Wenn ein Lkw das Lager in Oberwiesen verlässt, dann wird er an einem verabredeten Punkt bereits erwartet. „Und dort übernehmen dann die Leute vor Ort die Verteilung“.

Obwohl die Sachspenden-Aktionen nach wie vor mit Volldampf laufen, hat Malkmus bereits weitere Fäden gesponnen, mit denen sie längerfristige Unterstützung für die Betroffenen an der Ahr in den Blick nimmt. „Es wird uns immer wieder angeboten, Geld zu spenden“, so Malkmus. Deshalb hat sie ein Spendenkonto bei ihrer Bank eingerichtet, auf dem kleinere Beträge gesammelt werden sollen. Zudem kann man sich über ein Unterkonto der „Donnersberger Medien“ (früher Kibo Media) für größere Spenden eine Quittung ausstellen lassen, man sollte aber vorher Kontakt mit ihr aufnehmen.

Der Kontakt zu dem Verein kam über eine Spendenaktion zustande, die der Vereinsvorsitzende und Kommunalpolitiker Joachim Didier zusammen mit der CDU Kirchheimbolanden organisiert hatte. Sie waren damals bei den ersten, die zu Sachspenden aufgerufen hatten, mit zunächst großem Erfolg. „Bereits nach wenigen Stunden konnte man die Geschäftsstelle kaum mehr betreten, so viele Pakete waren abgegeben worden“, so Didier. Auch die Qualität der Spenden stimmte, „das meiste davon war neu gekauft für die Aktion“.

Allerdings habe man dann die Erfahrung machen müssen, dass dem Willen auch die passende Logistik folgen muss. Der voll beladene Vierzigtonner, den die CDU auf den Weg gebracht hatte, kam zurück, weil es im Ahrtal noch keine zuständige Stelle gab für die Verteilung. „Wir haben dann alles in Sprinter verladen und nach und nach ins Flutgebiet gebracht. Und dabei haben wir dann von der Aktion in Oberwiesen erfahren und Kontakt aufgenommen“, sagt Didier. Die zweite Aktion der CDU, bei der die Supermärkte Versorgungspakte für Wehrleute im Flutgebiet gepackt und zum Kauf angeboten hatten, verlief dagegen von Anfang an bestens. Die „Care-Pakte“ zur Unterstützung wurden rege gekauft und dann auch ans Ziel gebracht.

Möbel für Grundschule

Eine weitere Aktion plant Didier bereits zusammen mit der Gruppe um Janine Malkmus. „Wir werden für unsere Grundschule in Kirchheimbolanden demnächst mitwachsende Möbel bekommen. Und wir haben vor, mit dem dann frei werdenden Möbeln zwölf Grundschulklassen im Ahrtal auszustatten“, verrät Didier. Zudem hat Janine Malkmus auf der Internetplattform „Better Place“ ein Aktionsbündnis für die Kinder der Flutkatastrophe ins Leben gerufen. Ihr Motto auch hier: Alles soll ankommen, kein Cent wird irgendwo für Verwaltungsarbeiten hängenbleiben.

Für ihre Fluthilfe haben sich Janine Malkmus und ihr Team auf einen Marathon eingestellt. „Es ist ganz wichtig, dass wir da am Ball bleiben, denn es wird wohl noch sehr lange dauern, bis dort alles wieder hergestellt ist“, sagt Malkmus. Ihr Wunsch: Dass die einzelnen Hilfsangebote immer besser vernetzt werden, denn nur wenn die Hilfe in Bahnen gelenkt und gut koordiniert wird, kann sie letztlich dort ankommen, wo sie gebraucht wird.

Info

Spenden nimmt das Team in Oberwiesen nach Kontakt über E-Mail entgegen unter info@elektroservice-malkmus.de

Geldspenden können überwiesen werden auf das Konto: Aktionsbündnis für Kinder der Flutkatastrophe in Deutschland: IBAN DE15 5006 9241 0200 0410 17

Ein Vierzigtonner aus Oberwiesen an seinem Bestimmungsort im Ahrtal. Von hier aus werden die Sachspenden und Wassertanks weiterv
Ein Vierzigtonner aus Oberwiesen an seinem Bestimmungsort im Ahrtal. Von hier aus werden die Sachspenden und Wassertanks weiterverteilt.
Bereits in Oberwiesen werden alle Spenden geordnet und etikettiert.
Bereits in Oberwiesen werden alle Spenden geordnet und etikettiert.
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