Donnersbergkreis „Großartiges Aushängeschild der Region“

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Nimmt man den Andrang zur Eröffnung der Galerie Novita (wir berichteten) als Maßstab, muss man auch an einem wirtschaftlichen Erfolg von Massoud Habibis mutigem Schritt nicht zweifeln: Die Räume in der Winnweilerer Jakobstraße waren am Freitagabend so mit Menschen gefüllt, dass man sich kaum noch drehen und wenden konnte.

Halb Winnweiler schien sich auf den beiden Etagen und im Treppenhaus zu drängen, ergänzt um Gäste auch aus weiterem Umkreis. Noch unter der angrenzenden Pergola standen die Besucher draußen dicht an dicht. Der Sympathie der Region für sein Projekt kann sich der frischgebackene Winnweilerer Galerist also durchaus gewiss sein. „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele kommen“, bekannte der 65-jährige Architekt und Unternehmer bei der Begrüßung und fügte an: „Richtig gute Freunde sind zur Stelle, wenn es erforderlich ist.“ Die Politik zollte dem Projekt einer Kunstgalerie im ländlichen Raum großen Respekt, in einem Ort wie Winnweiler sei das doch „ungewöhnlich“, meinte etwa Julia Klöckner – sofort artig nachlegend, dass Winnweiler selbst natürlich außergewöhnlich sei. Die Oppositions-Chefin im Mainzer Landtag nahm die politische Dimension der Kunst in den Blick, sei sie doch in der Fülle ihrer Ausdrucksformen und Spielarten geradezu konstitutiv für eine freie, offene Gesellschaft. Wo Kunst sich nicht frei entfalten könne, sei auch die innere Sicherheit gefährdet. Die Galerie schaffe einen Ort der Begegnung in und mit der Kunst und den Künstlern eine Plattform. „Eines strebst Du sicher nicht an, nämlich hier das Geschäft deines Lebens zu machen, aber es ist ein gutes Geschäft für die Region“, ließ Klöckner ihren christdemokratischen Parteifreund Habibi wissen. Spaß und Erfolg mit dem Lebenstraum, den er sich hier erfüllt habe, wünschte dem Galeristen Ortschef Rudolf Jacob, der sich über den Attraktivitäts-Zuwachs für seine Gemeinde freute. Mit dem von ihm geschaffenen Gebäudekomplex habe Habibi den unternehmerischen Mut bewiesen, etwas in die Hand zu nehmen und zu entwickeln. Sparkassen-Chef Günther Bolinius würdigte am Gastgeber, dass er nicht nur als Künstler, sondern ebenso als Architekt und Unternehmer ein kreativer Geist sei. Nachdem Klöckner daran erinnert hatte, dass Arbeiten Habibis auch im Berliner Auswärtigen Amt zu finden seien, erzählte Bolinius von einer Ausstellung des Winnweilerers in der Bundesbank-Filiale in Mainz – bei einem Unternehmerstammtisch der Sparkasse habe Habibi so nachhaltigen Eindruck auf deren Chef gemacht , dass es zu dieser Einladung kommen konnte. In einer Zeit der Null-Zins-Politik, die Bolinius als Verlockung zu Fehlinvestitionen und Schwächung des Vorsorgesparens kritisierte, könne Kunst auch als Geldanlage gesehen werden. Vor allem aber sei sie ein zeitloser Impuls innezuhalten, Menschen zusammenzubringen, Kommunikation zu fördern. So sei die Galerie, die solches ermögliche, ein „großartiges Aushängeschild der Region“. Den nun auf Betrachter und Käufer wartenden Werken, die während der Grußworte fast hinter den Besuchermassen verschwanden, widmete sich Uli Lamp, der aber zunächst Habibi im Namen der Künstler der Region für seinen Mut dankte. „Du gehst aber sicher nicht davon aus, dass Du bald die Millionen umschichten musst“, fügte er schmunzelnd an. Kunst könne selbst wohl nicht die Welt verändern, fuhr er fort, wohl aber die Auseinandersetzung mit ihr, worin letztlich auch ihr Sinn läge. Die Arbeiten der fünf vertretenen Künstler besprach er in Korrespondenzen, die sie in all ihrer Verschiedenheit erkennen ließen. Von organisch bis rational variierten die Bildhauerarbeiten von Uta Schade, die dem Stein weiche, warme, oft an Blüten erinnernde Formen abgewinnt, während Angie Horlemann auf ihren ungegenständlichen Bildern in lyrischer Abstraktion Oberflächen komponiere, die in ähnlicher Weise wie die Objekte Schades an die Emotionalität appellierten. Die großformatigen Gemälde Habibis, ruhig und doch kontrastreich sowie von pointierter Symbolik getragen, sah Lamp wiederum ähnlich vom Experiment und dem Zug zur reinen Abstraktion geprägt wie die Objekte des Mehlingers Klaus Kiefer. Zwischen beiden Gruppen ordnete Lamp die Gemälde Reinhard Gellers ein. Ihr Humor, ihre Bissigkeit und ihre eigenwillige surreale Bildsprache erinnere an Maler der Neuen Sachlichkeit wie Otto Dix, Franz Radziwill oder George Grosz. „Nun setzen sie sich damit auseinander, damit die Kunst ihren Wert erhält“, appellierte der Vorsitzende des Donnersberger Kunstvereins am Ende der Laudatio an seine Zuhörer, bevor er den Musikern Uwe Christiansen (Geige), Paul Türoff (Tuba) und Peter Rusch (Gitarre), zwischen Theke und Treppenabsatz auf engem Raum agierend, mit ihrer Klezmer-Musik das letzte Wort ließ. (bke)

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