Donnersbergkreis Fürstliches Ambiente

Das zarte Grün lockte viel Besuch an: Noch ist die Lindenallee aus Sicherheitsgründen nicht für Spaziergänger freigegeben. Erst
Das zarte Grün lockte viel Besuch an: Noch ist die Lindenallee aus Sicherheitsgründen nicht für Spaziergänger freigegeben. Erst soll ein – vorerst provisorisches – seitliches Geländer errichtet werden.

In Sommersonnenlaune vor fürstlichem Ambiente – sehr gut besucht war die vorläufige Einweihung der neu angelegten Lindenallee unterhalb des Terrassengartens am Pfingstmontag. Abgeschlossen ist mit diesem Teilstück der „Langen Bahn“ der erste Bauabschnitt des Großprojekts Barockgarten. Glanz und lebendiges Zeitkolorit bekam die Feierstunde durch den hochkarätigen musikalischen Rahmen: Lisa Florentine Schmalz – sonorer, leuchtender Sopran, durchdrungene, geschliffene Interpretation –, kompetent und klangschön ergänzt vom Basso Continuo Felix Schönherr, Cembalo, und David Schütte, Cello, führte die Kantate „La Bianca Rosa“ von G. F. Händel (1685-1759, WV 160c) auf, die Arie „Höchster, mache deine Güte“ von J. S. Bach (1685-1750, WV51) und „Pourqouy doux Rossignol“, Air de court für Sopran und B.C. von Jean-Baptiste Drouard de Bousset (1662-1725). Pretiosen, meisterhaft dargeboten. Schönherr ist übrigens musikalischer Leiter der Musikperformance Odysseus, die am 31. August in Kirchheimbolanden Premiere hat, Schütte konzertiert ebenfalls im Barockensemble von Odysseus. „Klein Sanssouci“ in Kibo Der demnächst aus dem Amt scheidende Stadtbürgermeister Klaus Hartmüller streifte kurz die Geschichte des Terrassengartens: 1737 verlegte Fürst Carl August von Nassau Weilburg seine Sommerresidenz nach Kirchheimbolanden – wohl mit dem Ziel, hier ein „Klein Sanssouci“ zu errichten. Beendet wurde die Feudalzeit vor Ort 1792 von französischen Revolutionstruppen. Nach mehreren Besitzern erwarb im Jahr 1844 der Gutsbesitzer Friedrich Brunck aus Winterborn, der Vater Heinrichs von Brunck, den Schlossgarten, der später in die BASF-Stiftung überging. Anfang der 1970er Jahre machte diese den Park der Öffentlichkeit zugänglich – allerdings blieb der obere Teil (Terrassengarten und Wingert) verschlossen. Am 1. Juli 2007 übernahm die Stadt das brach liegende Areal. Die Idee einer Revitalisierung wurde geboren. Nach einem Beschluss des Stadtrats vor genau zehn Jahren sollte das großangelegte Projekt Barockgarten umgesetzt werden, der Wingert wurde mittlerweile an das Weingut Boudier/Koeller verpachtet. Jetzt begann die Arbeit der Bauforscher – der Architekt Marc Sattel, so Hartmüller weiter, sei noch lange nicht am Ende angelangt. Einzigartig-europäisches Projekt Für den Stadtbürgermeister trotz der noch weiter anfallenden hohen Kosten ein „wunderbares Gemeinschaftsprojekt, einzigartig, europäisch“. Eingebunden blieben „Die Brücke“ (Kibo) bei den Maurerarbeiten, der Bauhof und als Projekt-Verantwortliche der VG Tatjana Fuchs und Kulturmanagerin Lydia Thorn Wickert bei der Planung. Hartmüller: „Es ist enorm, was hier geleistet wird.“ Die Eberhard-Schöck-Stiftung, vertreten von Jürgen Wickert, förderte seit 2011 den Austausch ukrainischer Steinmetze mit Eckhard Mielkes Meisterschülern aus Kaiserslautern. Zu 70 Prozent bezuschusste das Land (Stichwort „Barockstadt“) mit seinem Städtebauförderungsprogramm die Oberflächung der „Langen Bahn“ bis zum Levi-Tor – Kostenpunkt 430.000 Euro. Allerdings wird das gartenarchitektonische Schmuckstück Lindenallee aus Sicherheitsgründen nicht vor der Fertigstellung eines – vorerst provisorischen – seitlichen Geländers Spaziergängern freigegeben. Vorgesehen ist eine eiserne Balustrade nach historischem Muster, hier dargestellt auf entsprechenden Plastikbahnen. 2000 Euro für eine Linde 20 Krim-Linden schlagen „in einer Allee der Prinzessinnen“ den Bogen zurück in die Ära der „Kleinen Residenz“ und zitieren bildhaft teilweise längst vergessene Fürstinnen: Jeder Baum trägt ein weißes Emaille-Medaillon mit der Silhouette und dem Namen einer Prinzessin aus der Verwandtschaft derer zu Weilburg-Nassau. Caroline, vor der Ende Januar 1778 W. A. Mozart konzertierte, begegnet man auf Linde Nr. 11, ihrer Mutter Anna, immerhin Königliche Prinzessin von Großbritannien und Irland, wurde die Nr. 5 zugewiesen. Darunter sind (etwas kleiner gedruckt) die Namen der Spender verewigt. 2000 Euro kostete der Erwerb und die Dauerpflege einer Linde. Als kleines Dankeschön überreichte Hartmüller allen Sponsoren eine edel gestaltete Urkunde, auf deren Rückseite die Vita der entsprechenden Baum-Hoheit aufgeführt ist, sowie eine Anstecknadel mit einem Lindenblatt. Mit Blumen wurden Fuchs und Thorn Wickert, mit Wein Ratsmitglied Michael Juppe für ihr Engagement bedankt. Weiter auf Spenden angewiesen „Ich bin gerührt“, bekannte „Schlossherr“ Bernd Hofmann, und nannte den Garten ein Juwel. In Punkto Barock habe Kirchheimbolanden viel zu bieten. Mit Herzblut appellierte er an die Bürger der Stadt, bei Festen auf Präsente zu verzichten und stattdessen für die vielen noch anstehenden Maßnahmen zu spenden. Mit einem originellen Geschenk dankte Tatjana Fuchs dem sichtlich ergriffenen Stadtbürgermeister für seine langjährige Unterstützung. Bei ihren Recherchen fürstlicher Korrespondenzen im Wiesbadener Staatsarchiv war sie auf den Brief eines unbekannten Absenders an den Fürsten Carl Christian gestoßen, dessen Kopie, in Gold gerahmt, sie nun vollinhaltlich weitergab. „Durchlauchtigster gnädigster Fürst, ich wünsche Eurer hochfürstlichen Durchlaucht ein sehr langes Leben und beständige Gesundheit...“ Im Anschluss war man zu einem Plausch bei Häppchen und Getränken eingeladen. Sponsoren Gewinnsparverein der Sparda-Bank Südwest, Donnersbergkreis, Marc Sattel und Kathrin Lommatzsch-Sattel, Dorothee und Bernd Hofmann (fünf Linden), Doris Konrad (drei Linden), MVZ Dr. Barth und Kollegen, Marc Muchow (Donnersbergapotheke), Stiftung der Volksbank Alzey- Worms, Klaus Hartmüller, Regina und Michael Juppe, Torsten Steinhaus, Harald Knettenbrech, Ingris Bindewald sowie die Sparkasse Donnersberg.

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