Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Experte: Schutz vor Hochwasser und Starkregen nur begrenzt möglich

Die Menschen in Stetten haben es im Juni dreimal erlebt: Hochwasser nach Starkregen kommt schnell und mit Macht.
Die Menschen in Stetten haben es im Juni dreimal erlebt: Hochwasser nach Starkregen kommt schnell und mit Macht.

„Starkregen kommt plötzlich, meist ist kaum Zeit, sich darauf einzustellen“. Das sagt Martin Cassel, der für das Planungsbüro Obermeyer in Kaiserslautern Hochwasserschutz und Starkregenvorsorgekonzepte im Donnersbergkreis und in vielen Teilen von Rheinland-Pfalz erarbeitet. Umso wichtiger sei es, sich frühzeitig über Vorkehrungen im privaten Bereich Gedanken zu machen.

„Die derzeitigen Ereignisse zeigen deutlich, dass ein Schutz gegen Hochwasser und Sturzfluten seine Grenzen hat und wir nur Vorsorge betreiben können, um in weniger dramatischen Situationen Schäden zu minimieren“, sagt Cassel. Dabei müsse man bedenken, dass es anders als bei Hochwasser bei Starkregen oft keine Vorlaufzeit gebe. „Sich kurzfristig darauf vorzubereiten, ist daher kaum möglich“, sagt der Hochwasserexperte. Auch der Wetterbericht könne immer nur Hinweise liefern. „Es kann wirklich jeden treffen.“ Deshalb sollten Hausbesitzer sich frühzeitig mit diesen Fragen beschäftigen:

Vom Haus fern halten

1. Wie kann ich dafür sorgen, dass das Wasser nicht an mein Haus kommt?

„Dabei ist es hilfreich, sich das Haus von außen anzuschauen und Wassereintrittswege zu identifizieren und beispielsweise abschüssige Rampen oder Abflüsse unterhalb des Straßenniveaus mit Rückstausicherungen zu sichern“, so Cassel. Insbesondere bei Souterrainwohnungen könne es ansonsten leicht zu einer Flutung der Wohnung über Anschlüssen an die Kanalisation kommen. „Und wenn man Fenster oder Türen durch das einströmende Wasser nicht mehr aufdrücken kann, dann werden diese Wohnungen zur tödliche Falle“, macht Cassel die Dringlichkeit dieser Maßnahmen deutlich. Es sei reines Glück, dass der Donnersbergkreis bisher von solchen tragischen Ereignissen wie derzeit im Ahrtal verschont geblieben ist.

Nicht eindringen lassen

Die zweite Frage, die sich Privatleute stellen sollten, ist: „Wie kann ich dafür sorgen, dass Wasser nicht eindringen kann?“

„Oft sind das nur kleine Maßnahmen, die sich hier auswirken“, erläutert Cassel. So könne beispielsweise ein Abluftschlauch für einen Wäschetrockner in einer Souterrainwohnung durch einen Schacht ummauert und nach oben geführt werden, statt einfach ein tief liegendes Loch in die Wand zu bohren, das dann zum Eingangstor für Wasser werden könne.

Die dritte wichtige Frage sei: „Wie kann ich dafür sorgen, dass der Schaden durch eindringendes Wasser – sollte es sich nicht abhalten lassen – möglichst gering bleibt?“ So könne beispielsweise darauf geachtet werden, dass in Kellerwohnungen die Steckdosen möglichst hoch liegen und dort keine hochwertigen Möbel oder Elektrogeräte stehen. Auch Ölheizungskessel können hier zum Problem werden.

Ein weiterer Mosaikstein sei auch die Gestaltung von Außenflächen. „Es ist klar, dass auch Grünflächen überschwemmt werden und nicht alles aufnehmen können, wenn solche Regenmassen wie in der Eifel fallen“, so Cassel. Mit Versiegelungen und Schottergärten werde das Problem „Hochwasser“ aber in jedem Fall verschärft.

Kanalisation kann Starkregen nicht fassen

Wer sich statt auf Privatvorsorge lieber auf das Fassungsvermögen der örtlichen Kanalisation verlassen wolle, der müsse bedenken, dass die Verrohrung unter der Erde immer nur begrenzt sei. „Wenn, wie jetzt in der Eifel geschehen, Bäche von üblicher Breite von zwei Metern plötzlich auf 200 Meter anwachsen, dann kann kein noch so gutes Kanalsystem das fassen“, macht er klar. Zudem werde oft unterschätzt, mit welcher Kraft sich Wasser seinen Weg bahnt. Auch das haben die Bilder aus der Eifel dramatisch gezeigt.

Cassel erwähnt auch das „schlechte Gedächtnis“, das Menschen bisweilen in Sachen Vorsorge hätten. „Als es vor sieben Jahren zu dem Hochwasser im Moscheltal kam, haben wir den Menschen gesagt, wie gefährlich es ist, Holzstapel, Grünschnitt oder gar Gartenhäuser an den Rand von Gewässern zu bauen“, so Cassel. Diese Hindernisse werden von den Fluten einfach mitgerissen und verstopfen dann wichtige Abflusswege. „Doch wenn ich mir heute manche dieser Gefahrenstellen anschaue, stelle ich fest, dass genau die gleichen Fehler wieder gemacht werden. Und genau zu den gleichen Konsequenzen führen könnten.“

Offene Gullydeckel werden zu Todesfallen

Dringend warnt Cassel auch davor, im Falle von überschwemmten Straßen die Gullydeckel und Sinkkästen auszuheben. „Das wird leider immer wieder gemacht in der Annahme, dass dann das Wasser schneller abfließen kann“, sagt Cassel. Doch: „Diese Löcher in den Straßen können zu Todesfallen werden.“ Generell sollte man nicht über wassergeflutete Straßen gehen, wenn man den Untergrund nicht sehen kann, denn „auch wenn Häuser unterspült werden und Teile wegbrechen, kann das eine große Sogwirkung haben und zu tiefen Straßenschäden führen“, sagt er.

Eine Elementarschadenversicherung abzuschließen, hält Cassel im Grunde für ratsam. Allerdings: „Natürlich will eine Versicherung Geld verdienen, das Ganze ist also nicht billig“, räumt er ein. Nachdenken könne man in diesem Zusammenhang auch über das Beispiel aus Frankreich. Hier ist die Elementarversicherung eine Pflichtversicherung und dadurch auf viele Schultern verteilt und erheblich kostengünstiger.

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