Donnersbergkreis Einladung zur Papst-Audienz und Konfettisegen
„Fasnacht ist das Schönste“: Mit diesem Lied begrüßte die Truppe der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) Rockenhausen ihr närrisches Publikum, und Fasnachtsikone Eva Günther hieß alle klerikalen und weltlichen Gäste willkommen. Dass schon bei der Ansage „Zugabe“ gefordert wurde, ist Indiz dafür, wie motiviert das Publikum dabei war.
Birgit Carra, bewährte Direktorin der Fasnachtsarena, führte souverän durchs Programm und wusste kleine Pannen gekonnt zu wuppen. Während der gesamten Sitzung lag sie mitKapellmeister Wolfgang Beyer im närrischen Streit und brachte so manchen Brüller ins Programm. Zeremonienmeister Patrick Steller, wieder prächtig herausgeputzt und mit Zepter, sorgte für reibungslosen Auf- und Abmarsch. Einen stimmungsvollen Auftakt und wahren Augenschmaus brachten die „Purple Diamonds“ vom TV Winnweiler auf die Bühne. Hervorragend eingestellt von den Trainerinnen Julia Denzer und Natascha Schneider, wirbelten die Gardetänzerinnen übers Parkett. Mit Orgelmusik, im liturgischen Festgewand und der nötigen Ehrfurcht schritt der Päpstliche Nuntius (Salvatore Scaravelli), begleitet von seinem Übersetzer (Horst Hüninghaus), zur Bühne und verlas eine Grußbotschaft des Heiligen Vaters, der die Rockenhauser kfd-Narren zur Audienz nach Rom einlud. Ein Superauftritt in Latein und Italienisch, kurz und prägnant ins Deutsche übersetzt. Zwei voll krasse Zwillingsmädchen in der Pubertät brachten ihren Vater zur Verzweiflung und hatten dabei rotzfreche Sprüche drauf: „Unsern Vadder is die Stradivari unner de Arschgeige, außerdem hot er des Bahlsensyndrom, er hot was an de Waffel.“ Petra Lembach (Vater), Ailea Busch und Leonie Lembach boten eine Hammernummer. Das Thema Digitalisierung ließ den Besitzer einer alten Adler-Schreibmaschine kalt. „Mit dere Maschin werr ich alt, do is jo ach nor des F kaputt, net abdäte, repariere.“ Es war eine köstliche Verwicklung zwischen Altertum und Moderne, die Eva Günther und Kathrin Spieß, neuer Stern am kfd-Fasnachtshimmel, da lieferten. Weil ihre Partnerin Leonie Kehler erkrankt war, wagte sich Mia Wendt mutig an einen Solotanz, von viel Applaus belohnt. Dann kamen sie, die Rockenhauser Friedhofsschnalle. In tiefschwarzer Trauerkleidung und mit Flachmännern gut ausgerüstet, gaben sie urkomisch ihre Moritaten zum Besten. Bevor die leidgeplagten, frommen Weiber die Bühne verließen, spendeten sie den Konfettisegen. Ihnen folgte urkomisch und mit Mut zur Hässlichkeit Büttenass Christa Döring, die von ihrem Wellnessurlaub erzählte und und in die höheren Sphären des Yoga entführte. Für ihren Gesang bekam sie tosenden Applaus, es war ja schon hohe Kunst, Töne so falsch zu treffen. Ein besonderer Leckerbissen war der Sketch von Monika Weigand und Salvatore Scaravelli. Als in die Jahre gekommenes Ehepaar zeigten sie die Tücken der Vergesslichkeit auf. Im rosa Tutu präsentierte Zirkusprinzessin Angelika Steller einen Seiltanz ohne Netz und doppelten Boden und bezog dabei auch Helfer aus dem Publikum ein. Eine Lachnummer, die gut ankam. Ebenso wie eine „Sackmodenschau“ männlicher und weiblicher Models. Angelika Steller stellte die neuesten Kreationen vom Kartoffel- über den Post- bis zum Geldsack vor. Die folgenreiche Wirkung von Zwiwwelkuche und neuem Wein beschrieb Eva Günther, deren Gatte wohl zu viel des Guten genossen hatte, und malträtierte damit die Lachmuskeln des Publikums. Die „Rock-Queens“ punkteten mit einer gelungenen Choreographie aus der Verbrecherwelt: Attraktive Polizistinnen tanzten auf und vor der Bühne eine spektakuläre Kriminalnummer. Wie schwierig es ist, die richtige Frau zu finden, zeigte der Auftritt „Schwiegertochter gesucht“. Auf Suche nach der „prächtigsten Pralinenschachtel des Lebens“ begaben sich der rüstige Bauer aus Ruppertsecken (Bernd Schneider) und seine Mutter (Monika Weigand) sowie der patente Paketfahrer Pascal (Wolfgang Rüffer) mit Mutter (Monika Weigand). Es bewarben sich die willige Walburga aus Würzweiler (Aileen Busch), die lustige Lotte aus Ruppertsecken (Eva Günther), die inkontinente Irmtraud aus Katzenbach (Petra Lembach) und die grobe Traktorfahrerin Gudrun aus Gerbach (Christel Döring). Zum Happy End kam es aber nicht, denn während der eine Mann lieber an Mamas Rockzipfel bleiben wollte, beschloss Bauer Rüdiger, „Parre“ zu werden. Eine Playbacknummer mit grandioser schauspielerischer Leistung riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin: Bernd Schneider als drei singende Nonnen in einer Person, stellte „Sister Act“ in den Schatten. Auf den Hund gekommen war Angelika Steller. Aus dem Leben ihres Lieblings berichtete sie: „Der bringt uns jeden Tag die Zeitung, obwohl mer die gar net adoptiert hun.“ Weiterer Höhepunkt: das Männerballett mit Bernd Schneider, Salvatore Scaravelli, Wolfgang Rüffer und Lars Hansch: farbenprächtige Paradiesvögel auf einem Zaun, die nacheinander abgeschossen wurden. Vorm Finale dankte Eva Günther Aktiven und vielen Helfern. Auch in diesem Jahr wird der gesamte Erlös in das Herzensprojekt der kfd, das Waisenhaus von Schwester Jessi in Indien, gespendet. Dafür hatten alle Teilnehmer auch auf Orden, Blumen und sonstige Präsente verzichtet.