Donnersbergkreis
Dreierbündnis für die Wasserversorgung
Es ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Wir drehen am Wasserhahn, und heraus fließt das frische, klare Nass. Damit dies möglich ist, müssen im Hintergrund allerdings viele verschiedene Arbeitsprozesse koordiniert werden. Neben der Wassergewinnung und Aufbereitung sind dies vor allem der Netzbetrieb und die Wartung der Hausanschlüsse. Was viele Verbraucher nicht im Blick haben: Beides ist eine 24/7-Aufgabe. Soll heißen: An jedem Tag muss dieser Service 24 Stunden lang zur Verfügung stehen. Die dafür Verantwortlichen müssen also im Schichtdienst arbeiten, außerdem muss es für die Nachtstunden und für Sonn- und Feiertage einen Bereitschaftsdienst geben. Zu gewährleisten haben das die Träger der Wasserwerke. Das sind im Donnersbergkreis die Verbandsgemeinden.
Doch diesen fällt es zunehmend schwer, genügend Personal dafür vorzuhalten – vor allem aus finanziellen Gründen. Da bleibt manchmal nur, kreative Lösungen zu finden. Die Verbandsgemeinden Göllheim und Eisenberg haben deshalb bereits vor zwei Jahren ihre Fachkräfte in einer eigenen Betriebsgesellschaft für die technische Wasserversorgung, organisiert in der Rechtsform der AöR, gebündelt. Diese Betriebsgesellschaft tritt als Dienstleister für beide Wasserwerke auf, beschäftigt das Personal und stellt ihre Leistung entsprechend in Rechnung. Seitdem ist es für beide Verbandsgemeinden deutlich einfacher geworden, Personalengpässe zu überbrücken und Bereitschaftsdienste zu organisieren.
VG Winnweiler als Dritter im Bunde
Ab 1. Januar 2023 wird nun auch die Verbandsgemeinde Winnweiler in dieser AöR vertreten sein. Auch hier ist die schwierige Personalsituation der Hauptgrund für den Beitritt. „Wir haben vier Mitarbeiter im Wasserwerk, einer davon ist bereits seit längerer Zeit krank. Die Pandemie hat außerdem noch zur Verschärfung der Situation beigetragen, und uns ist klargeworden, dass es uns auf Dauer nicht möglich ist, unser Soll rechtskonform, das heißt unter Beachtung des Arbeitszeitgesetzes, zu erfüllen“, sagt VG-Chef Rudolf Jacob. Ein Mitarbeiter, der im Rahmen seiner Rufbereitschaft einen nächtlichen Einsatz hatte, dürfe beispielsweise am Tag danach nicht gleich wieder um sieben Uhr zur Arbeit erscheinen, er müsse eine Ruhezeit einhalten, verdeutlicht Jacob. „Bisher haben wir das mit Aushilfen von den Betriebszweigen Schwimmbad und Abwasser aufgefangen. Aber jetzt hat eine weitere Fachkraft gekündigt, und unsere Personaldecke ist zu dünn.“
Wie Jacob weiter erläutert, wurden seitens der VG-Verwaltung Berechnungen angestellt, welche Vorgehensweise am kostengünstigsten wäre. „Es gab im Grunde drei Möglichkeiten. Erstens: eine fünfte Kraft einstellen, zweitens: eine Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Kaiserslautern und drittens: die AöR. Die AöR hat sich als die bei weitem wirtschaftlichste Variante herausgestellt. Zudem haben wir mit interkommunaler Zusammenarbeit bereits gute Erfahrungen gemacht, ich denke dabei an die gemeinsamen Geschwindigkeitsmessungen mit der VG Eisenberg.“
Alle drei Bürgermeister betonen ihre Bereitschaft, in der Betriebsgemeinschaft konstruktiv zusammenzuarbeiten, auch auf politischer Ebene. Die unterschiedliche Parteizugehörigkeit (Jacob ist in der CDU, Steffen Antweiler in der FWG und Bernd Frey in der SPD) spiele dabei keine Rolle, vielmehr stehe die Versorgungssicherheit der Bevölkerung im Vordergrund.
Wasser für Winnweiler kommt aus Raum Kaiserslautern
Bei der Wassergewinnung ist die VG Winnweiler bereits vor Jahrzehnten den Schritt der interkommunalen Zusammenarbeit gegangen und dem Zweckverband Wasserversorgung Westpfalz beigetreten, dem unter anderem auch die VG Nordpfälzer Land und Verbandsgemeinden aus den Landkreisen Kusel, Kaiserslautern und Bad Kreuznach angehören. Die Betriebsführung liegt bei den Stadtwerken Kaiserslautern. Das Winnweilerer Wasser kommt vorwiegend aus Brunnen im Raum Kaiserslautern. Dem gegenüber gewinnen die VG Göllheim und die VG Eisenberg ihr Wasser noch selbst. Deshalb gehört auch die Preisgestaltung für die einzelnen Verbandsgemeinden ausdrücklich nicht in den Aufgabenbereich der Betriebsgesellschaft, und auch der Bereich Abwasser ist in der AöR nicht vertreten.
Die drei VG werden in der AöR, die insgesamt rund 40.000 Bürger versorgt, gleichberechtigte Partner sein. Der kaufmännische Bereich bleibt wie bereits jetzt in Eisenberg, der technische Bereich hat seinen Sitz in Göllheim. Da der frühere Eisenberger Wassermeister bereits mit Gründung der AöR vor zwei Jahren in Rente ging, lag es nahe, dass die VG Göllheim diesen Posten besetzt hat. Dies wird auch künftig so bleiben – mit der Ergänzung, dass der Stellvertreter künftig aus der VG Winnweiler kommt. Zudem befindet sich ein weiterer Wassermeister gerade in der Ausbildung. Insgesamt wird die AöR 16 Mitarbeiter haben: 15 Fachkräfte und ein Auszubildender.
Sparpotenzial: Ein mittlerer fünfstelliger Betrag
Nicht nur in Hinblick auf die Personalsituation darf die VG Winnweiler damit rechnen, künftig Geld zu sparen: „Die beiden Jahre der erfolgreichen Zusammenarbeit bilden sich betriebswirtschaftlich positiv ab“, sagt Steffen Antweiler. Tatsächlich geht Jacob davon aus, dass seine VG dank der AöR künftig jedes Jahr einen „mittleren fünfstelligen Betrag“ einspart. Außerdem können die Fuhrparks zusammengelegt und Lager gemeinsam genutzt werden, und in Winnweiler, wo im Bauhof derzeit noch akute Platznot herrscht und man schon über einen Neubau nachgedacht hatte, wird sich die Lage mit dem Auszug der Wasserwerker demnächst deutlich entspannen.
Für die Zukunft ist übrigens angedacht, auch bei der Wassergewinnung eine gewisse Zusammenarbeit zu ermöglichen, zumal, wie Bernd Frey scherzhaft hervorhebt, „die Göllheimer ihr Wasser ja jetzt schon von uns klauen“ – tatsächlich befinden sich einige Göllheimer Brunnen aufgrund alter Rechte auf Kerzenheimer Gemarkung. Vor allem mit Blick auf künftige Dürresommer will man auch für Notfälle gerüstet sein. Doch das wäre dann erst der übernächste Schritt.